Lesefestival, Lichtergalerie, Grüne Auguste, Lesegarten und viele Nachbarschaftsprojekte – in den vergangenen zwei Jahren hat das Quartiersmanagement Auguste-Viktoria-Allee in Reinickendorf einiges für die Menschen vor Ort vorangetrieben. Für Leiterin Silke Klessmann sowie die Mitarbeiter Adem Erenci und Sebastian Bodach ein guter Zeitpunkt, um die vergangenen Jahre zu evaluieren und die Anwohner nach ihren Wünschen zu fragen und neue Ziele zu stecken.

„Das war und ist schon viel Arbeit, hier vor Ort etwas zu bewegen“, weiß Silke Klessmann. Zusammen mit Adem Erenci steht sie in den kommenden Tagen und Wochen an unterschiedlichen Orten im Kiez, um mit den Menschen direkt ins Gespräch zu kommen, über Wünsche und Veränderungen zu sprechen – zum Beispiel am 13. August ab 15 Uhr in der Klixarena an der Zobeltitzstraße. „Es kommen zwar schon viele zu uns ins Büro, es gibt aber immer noch zu viele, die uns nicht kennen“, vermutet die Leiterin.

Das Quartiersmanagement wurde vor zwei Jahren aufgebaut, um dafür zu sorgen, dass sich die Anwohner rund um die Auguste-Viktoria-Allee wieder wohlfühlen. Zwischen Wald- und Scharnweberstraße sowie zwischen Quäker- und Ollenhauerstraße leben rund 20.000 Menschen aus allen sozialen Schichten und Kulturen. „Hier gibt es die Familien mit Einfamilienhäusern, Rentner, sozial schwache Menschen und Flüchtlinge“, sagt Silke Klessmann. Und dort etwas für alle zu schaffen, sei nicht ganz einfach. Dringend nötig ist es, sagt Silke Klessmann. „Es gibt für die vielen Menschen nur ein Jugend- und zwei kleine Familienzentren. Das ist zu wenig.“

Jedes Jahr gibt es 300.000 Euro für neue Projekte

Christiane Vorwerk kennt das Problem zu gut. Sie wohnt seit fünf Jahren im Auguste-Viktoria-Kiez. So ganz wohl fühlt sie sich aber noch nicht. Um so mehr freut sie sich darüber, dass viel getan wird. „Es gibt so ein paar Ecken, da möchte ich nicht herlaufen, wenn es dunkel ist“, gibt sie zu. Oft lässt sich die Anwohnerin von ihrem Mann von der Bushaltestelle abholen. Um dem mulmigen Gefühl entgegenzuwirken, gestaltet sie zusammen mit dem Initiator des Projektes Lichtergalerie, Thomas Klasen, eine Laterne. „Es gibt schon einige Punkte, an denen die Laternen leuchten, es sollen noch mehr dazukommen“, garantiert Klasen.

Das Prinzip ist einfach: Es ist etwas von Bürgern für Bürger und soll die Nachbarschaft vernetzen, den Zusammenhalt stärken. „Dort, wo die Laternen entstehen, sollen sie auch aufgehängt werden“, versichert Klasen. Ideal sei es, wenn sich möglichst viele an dem Projekt beteiligten, miteinander ins Gespräch kämen und sich so eine Gemeinschaft entwickle.

Jedes Jahr stehen dem Quartiersmanagement 300.000 Euro zur Verfügung, um neue Projekte anzustoßen. Zusätzlich können gemeinsam mit dem Bezirksamt Mittel für Bauprojekte beim Senat beantragt werden. Noch in diesem Jahr sollen der Bolzplatz an der Klixstraße umgebaut werden und ein Stadtplatz vor dem Albert-Schweitzer-Haus der Segenskirchengemeinde entstehen. „Der Bolzplatz wird mit Anwohnern, Sozialarbeiterin und uns nach den Bedarfen der Anwohner umgestaltet“, sagt Silke Klessmann, „im Vorfeld haben wir alle Wünsche gesammelt.“ Und genau darin liegt das Erfolgsrezept: Wenn sich die Menschen an den Projekten beteiligen und selbst mit anpacken, dann können sie die Dinge mehr wertschätzen, kümmern sich auch lange Zeit später darum, dass alles ordentlich ist.

Mitglieder des Quartiersrates entscheiden über Projekte

Mitmachen und sich beim Quartiersrat einbringen kann jeder. Der Rat besteht aus Anwohnern, Vertretern aus Schule, Kita, Kirche und sozialen Einrichtungen. Die Anwohner werden alle zwei Jahre neu gewählt, das nächste Mal am 18. September. „Jeder kann sich aufstellen lassen, solange er mindestens 16 Jahre alt ist und im Kiez wohnt“, sagt Klessmann. Der Quartiersrat entscheidet, welche Projekte von dem Geld umgesetzt werden. So wird sichergestellt, dass nur etwas realisiert wird, was die Mehrheit der Anwohner nutzen kann. Mehr Angebote für junge Menschen und Familien stehen ganz oben auf der Liste.

Das Quartiersmanagement wird so lange vor Ort agieren und Projekte mit Anwohnern entwickeln, bis sich der Kiez „verstetigt hat“, sagt Silke Klessmann. Heißt: Bis Ankerpunkte geschaffen sind und sich die Anwohner so gut vernetzt haben, dass das Quartiersmanagement nicht mehr gebraucht wird. Es ist allerdings noch einiges zu tun. „Unser größtes Ziel ist, ein Ankerzen­trum zu schaffen, also ein Nachbarschafts- und Jugendzentrum in einem“, sagt die Leiterin. Dort sollen unterschiedliche Kurse wie Kochen oder Yoga, aber auch ein Begegnungsraum angeboten werden, in dem Menschen in Kontakt kommen können – ein Haus für alle eben.

Mehr Informationen zur Wahl des Quartiersrates und zu der Arbeit im Quartiersmanagement Auguste-Viktoria-Allee gibt es im Büro an der Graf-Haeseler-Straße 17, Tel. 670 64 999, Öffnungszeiten: Mo., Di., Do. 10–17 Uhr, Mi. 10–18 Uhr, Fr. 10–15 Uhr