Prenzlauer Berg

In S-Bahn niedergestochen - Touristen außer Lebensgefahr

In der S-Bahn der Linie S41 sind zwei mexikanische Touristen am Sonnabendmorgen Opfer eines Gewaltverbrechen geworden. Der Täter ist geflüchtet.

An der S-Bahn Greifswalder Straße hat es einen Messerangriff gegeben.

An der S-Bahn Greifswalder Straße hat es einen Messerangriff gegeben.

Foto: Monika Skolimowska/dpa

Berlin. Nach einer neuerlichen Gewaltattacke mit Schwerverletzten in einer Berliner S-Bahn hat eine Mordkommission des Landeskriminalamtes die Ermittlungen übernommen. Der jüngste Vorfall ereignete sich am Sonnabendmorgen in einem S-Bahnzug zwischen den Bahnhöfen Prenzlauer Allee und Greifswalder Straße. Zwei Männer wurden dabei schwer verletzt, eine Frau erlitt einen Schock. Der bislang unbekannte Täter flüchtete, nach ihm wird inzwischen gefahndet. Die Polizei wertet die Attacke als versuchtes Tötungsdelikt.

Die 21 und 19 Jahre alten Männer wurden nach einer ersten Vor-Ort-Behandlung durch einen Notarzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Nach Angaben einer Polizeisprecherin sind beide nach sofort eingeleiteten Notoperationen inzwischen außer Lebensgefahr. Die 37-jährige Frau, die sich zum Tatzeitpunkt in Begleitung der beiden Verletzten befand, erlitt einen schweren Schock und musste ebenfalls medizinisch behandelt werden. Bei den beiden jungen Männern handelt es sich um mexikanische Touristen, bei der 37-jährigen Frau um eine Berlinerin, die als ortskundige Dolmetscherin mit ihnen unterwegs war.

Dem mutmaßlichen Messerangriff – die Polizei sprach in ihrer Mitteilung zunächst von einem „Stichwerkzeug“ – war nach ersten Ermittlungserkenntnissen ein Streit zwischen dem Trio und dem Angreifer vorangegangen. Was der Anlass des Streites war und warum er schließlich eskalierte, das ermitteln jetzt die Beamten der 8. Mordkommission. Sie begannen unmittelbar nach ihrem Eintreffen mit der Befragung von Zeugen, auch Experten der Spurensicherung waren vor Ort.

Mehrere Notärzte und Rettungsteams im Einsatz

Gegen sechs Uhr, unmittelbar nach der Attacke, erreichte der Zug der Ringbahn-Linie S 41 den Bahnhof Greifswalder Straße an der Grenze zwischen Mitte und Prenzlauer Berg. Dort war zunächst Endstation. Nur wenige Minuten später trafen mehrere Rettungsfahrzeuge der Feuerwehr vor dem Bahnhof ein. Die Besatzungen, darunter zwei Notärzte, führten im S-Bahnwaggon erste Notfallmaßnahmen an den Schwerverletzten durch. Gleichzeitig sicherten Beamte der für die Berliner Bahnhöfe zuständigen Bundespolizei den Tatort und stellten die Personalien der Fahrgäste, in diesem Fall potenzielle Zeugen, fest. Anschließend übergaben sie den Tatort an die eintreffenden Beamten der Mordkommission.

Währenddessen wurden die schwer verletzten Männer in eine Klinik gebracht. Sie konnten bislang noch nicht zu dem Geschehen befragt werden. Auch die Befragung der unter Schock stehenden Begleiterin der beiden Männer gestaltete sich angesichts ihres Zustandes zunächst schwierig. Zu einer detaillierten Beschreibung des Täters sei sie bislang noch nicht in der Lage gewesen, hieß es am Sonnabend aus Ermittlerkreisen.

Ebenfalls schwierig war offenbar die Befragung der anderen Fahrgäste, die sich zum Zeitpunkt der Tat in dem Waggon aufgehalten hatten. „Das ist nicht ungewöhnlich, wenn Zeugen befragt werden, die nach einer langen Nacht frühmorgens auf dem Weg nach Hause sind“, sagte ein erfahrender Beamter. Geplant ist daher, einige der Zeugen zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zu befragen.

Keine Überwachungskameras in Berliner S-Bahnzügen

Die Ermittler sind auf die Aussagen der Zeugen dringend angewiesen. Denn anders als in den Berliner U-Bahn-Zügen gibt es in den S-Bahn-Waggons keine Kameras, auf deren Aufnahmen die Polizei bei Straftaten zurückgreifen könnte. Bahn AG und S-Bahn GmbH haben die Installation auch mit Verweis auf die hohen Kosten bislang abgelehnt. Die meisten S-Bahnhöfe werden allerdings von Kameras überwacht. Die Polizei hofft nun, durch Bilder vom S-Bahnhof Greifswalder Straße Hinweise auf den dort geflüchteten Täter zu erhalten..

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