Kommentar

Messerverbot: Der Teufel steckt im Detail

Ein Messerverbot im Umfeld von Schulen und Bahnhöfen klingt gut, wäre aber schwer umzusetzen, meint Ulrich Kraetzer.

Morgenpost-Redakteur Ulrich Kraetzer

Morgenpost-Redakteur Ulrich Kraetzer

Berlin. Es gibt Vorschläge, bei denen man sich fragt, warum sie nicht längst umgesetzt sind. Nach einigem Nachdenken und Gesprächen mit Fachleuten merkt man dann aber, dass diese Vorschläge mitunter doch nicht so leicht umzusetzen sind. Reden wir also über den Vorstoß des hessischen Innenministers, Peter Beuth (CDU), Messer im Umfeld von Schulen, Kindergärten und Bahnhöfen zu verbieten. Nur zu, möchte man sagen. Mehr noch: Ein generelles Messerverbot könnte man ruhig auf die ganze Stadt ausdehnen. Denn ein vernünftiger Grund, warum es erlaubt sein sollte, in einer Metropole wie Berlin mit einer potenziell tödlichen Waffe herumzulaufen, ist nicht ersichtlich.

Doch der Teufel steckt im Detail. Genauer: In der juristischen Ausformulierung einer Gesetzesänderung. Wie zum Beispiel muss ein Messer beschaffen sein, um als verboten zu gelten? Entscheidet die Länge der Klinge? Oder die Schärfe? Oder die Frage, wofür es üblicherweise genutzt wird? Konkret: Was ist mit einem Schweizer Taschenmesser? Was ist mit der Mutter oder dem Vater, die Sohn oder Tochter aus der Schule zum Angelausflug abholen und ein großes Anglermesser im Rucksack haben? Klingt albern? Klingt albern! In der juristischen Realität ist es aber kompliziert. Die Juristen, die ein Messer-Verbot in einen handhabbaren Gesetzestext bringen müssten, wären jedenfalls nicht zu beneiden.

Hinzu kommt: Ein Messerverbotsgesetz wäre kaum zu kontrollieren. Es mag symbolische Bedeutung haben. Mehr aber wohl nicht. Und so bleibt der Vorschlag aus Hessen womöglich der Vorschlag eines Politikers, der zwar den Eindruck erwecken will, etwas zum Schutz der Bevölkerung zu tun – in Wirklichkeit aber keine rechte Idee hat, wie das funktionieren soll.

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