Das Graffiti-übermalte Plakat am Straßenrand verkündet noch optimistisch: „Bauzeit: Juni 2015 bis Juni 2017“. Der Juni und auch der Juli sind inzwischen längst vorbei. Aber nun zeichnet sich tatsächlich ein Ende der gut zweijährigen Teilsperrung einer der wichtigsten Ost-West-Trassen in der Stadt ab. Am Dienstag soll die Bösebrücke, die über die Bahntrasse hinweg die Bezirke Mitte und Pankow miteinander verbindet, für den Autoverkehr wieder in beiden Richtungen freigegeben werden. Die derzeit noch bestehende Umleitung kann dann aufgehoben werden, bestätigte jetzt die Senatsverkehrsverwaltung. Sollte das Wetter nicht richtig mitspielen, könnte sich der Eröffnungstermin allerdings noch auf Mittwoch verschieben.

Restarbeiten sollen bis Ende August erledigt werden

Eigentlich war die Freigabe der Brückenüberfahrt bereits zum Monatsanfang vorgesehen, doch der Regen der vergangenen Tage stoppte die letzten notwendigen Arbeiten mehrfach. Jetzt müsse noch ein Stück Gehweg auf der nördlichen Brückenseite asphaltiert werden. Auch ein paar Restleistungen beim Korrosionsschutz stehen noch an, heißt es von der Senatsverwaltung. Geht alles glatt, werden zu Wochenbeginn die „bauzeitlich eingerichteten Provisorien“ schrittweise zurückgebaut. Dann könne auch der Autoverkehr wieder in östlicher Richtung über die Brücke rollen. Je eine Fahrspur pro Richtung steht dann zur Verfügung, dazwischen fährt die Straßenbahn. An beiden Seiten gibt es dann noch einen Radfahrstreifen. Es soll noch weitere Restarbeiten bis Ende August geben, die jedoch nur mit einer kleineren „verkehrseinschränkenden Absperrung“ verbunden sein sollen.

Über diese Nachricht werden sich vor allem die vielen Berufspendler und Lieferanten freuen, die das Nadelöhr täglich passieren müssen. Fast 30.000 Autos, darunter knapp 15.000 Lkws, wurden vor der Sperrung auf der Brücke pro Tag gezählt. Aufatmen werden auch die Anwohner an der Malmöer, der Jülicher und der Behm­straße. Denn durch das dicht bebaute Wohngebiet wurde der Autoverkehr – gerechnet wurde mit mindestens 10.000 Fahrzeugen am Tag – in Richtung Prenzlauer Berg zwei Jahre lang umgeleitet. Auch mehrere lautstarke Protestaktionen der Anwohnern änderten an dem Konzept nichts.

Messungen, wie hoch die Bewohner des Wohnviertels mit Feinstaub und Stickoxiden durch den täglichen Verkehrsstau belastet wurden, sind übrigens vom Senat nicht veranlasst worden. „Die Maßnahme wurde nicht durch Messungen begleitet“, erklärte dazu Michael Tang, Sprecher von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) auf Nachfrage.

Eine Alternative zur Sanierung der mit der Mauer-Öffnung im November 1989 als „Bornholmer Brücke“ weltberühmt gewordenen Überführung über die Bahngleise am S-Bahnhof Bornholmer Straße hatte die Senatsverwaltung indes nicht. Als die Behörde 2012 die rund 100 Jahre alte genietete Stahlkonstruktion statisch überprüfen ließ, hatte sich herausgestellt, dass die geforderte Belastbarkeit langfristig nicht mehr gewährleistet ist. Die Baumaßnahmen seien „aus Sicherheitsgründen“ unvermeidlich, hieß es damals.

Vor allem der in den letzten Jahren stetig anwachsende Lkw-Verkehr hatte dem unter Denkmalschutz stehenden Bauwerk schwer zugesetzt. Die Brücke sollte nun einerseits verstärkt, andererseits aber auch abgespeckt werden. Um das Gewicht zu vermindern, wurde beispielsweise der alte Schutzbeton unterhalb der Fahrbahn durch sogenannten „Leichtbeton“ ersetzt. Auch das Widerlager der Brücke, die beiden Treppen und die Stützwände auf der Ostseite der Brücke sollten erneuert werden.

Kosten blieben im Rahmen

Während der Arbeiten seien dann auch noch zuvor nicht bekannte Schäden sichtbar geworden, so Behördensprecher Michael Tang. So mussten unter anderem die geschädigten Stahlbetonfertigteile der Tragkonstruktion unterhalb des südlichen und nördlichen Geh- und Radweges neu angefertigt und ausgetauscht werden. Dieser Austausch konnte nur in den bereits weit vor Baubeginn mit der Deutschen Bahn abgestimmten Sperrpausen ausgeführt werden.

Trotz dieser zusätzlichen Leistungen sei die geplante Gesamtbauzeit von etwa zwei Jahren „im Wesentlichen“ eingehalten worden, teilte die Senatsverwaltung nun mit. Auch bei den Kosten sei das Projekt im Rahmen geblieben, heißt es. Veranschlagt waren zu Baubeginn Gesamtausgaben in Höhe von 5,3 Millionen Euro.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hatten ihrerseits die Brückensperrung genutzt, um auf der 1995 eröffneten Tram-Strecke in Richtung Westen die Gleise mit zu erneuern. Insgesamt 3,8 Millionen Euro investierten die Verkehrsbetriebe in die Modernisierung der Anlagen. Unter anderem wurde der schwere Schotter, auf dem Schienen zuvor verlegt wurden, durch eine leichtere Fertigteilkonstruktion ersetzt. Die Strecke zum U-Bahnhof Osloer Straße und Virchow-Klinikum, über die Bahnen der Tram-Linien M13 und 50 fahren, war die erste Strecke, die nach der Wiedervereinigung in den bis dahin straßenbahnfreien Westteil der Stadt geführt wurde.

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