Es ist geschafft: Nach gut zwei Jahren Bauzeit soll am Dienstag die Bösebrücke zwischen Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen wieder für den Verkehr in beide Richtungen freigegeben werden. Aufatmen werden dann nicht nur die zahlreichen Berufspendler, die die wichtige Ost-West-Verbindung täglich nutzen müssen. Aufatmen im wahrsten Wortsinne werden vor allem die Anwohner an der Malmöer, der Jülicher und der Behmstraße. Denn ausgerechnet die Senatsbehörde, die sich jetzt so um die gesundheitliche Beeinträchtigung der Berliner durch Stickoxide und Feinstaub sorgt, hatte kein Problem damit, zwei Jahre lang täglich rund 10.000 Autos auf engen Straßen durch ein dicht bebautes Wohngebiet umzuleiten. Auch mehrere Protestaktionen der Anwohner konnten daran nichts ändern.
Keine Frage, die Sanierung der gut 100 Jahre alten Bösebrücke war dringend notwendig. Richtig war auch, an dem durch seine Lage im Grenzgebiet zwischen Ost und West jahrzehntelang vernachlässigten Bauwerk nicht nur Flickschusterei zu betreiben, sondern es grundhaft zu ertüchtigen. Doch gerade weil die Brücke kein Einzelfall in der Stadt ist, verstärkt sich die Forderung an den Berliner Senat, nachfolgende Projekte noch besser zu planen.
Sicher, die Bauzeitüberschreitung von zwei Monaten lässt sich im Fall der Bösebrücke am Ende verschmerzen. Da sind die Berliner ganz anderes gewohnt. Dennoch stellt sich die Frage, warum die Sanierung einer Brücke an einer solch neuralgischen Stelle in der Stadt insgesamt mehr als zwei Jahre dauern muss. Dass es deutlich schneller gehen kann, zeigen die aktuellen Sommerbaustellen Rudolf-Wissell- und Halenseestraßenbrücke, für die nicht einmal zwei Monate Bauzeit eingeplant sind. Zudem ist die Forderung zu erneuern, Umleitungen, über die täglich Tausende Autos rollen, nicht mitten durch eng bebaute Wohngebiete festzulegen. Die Sicherheit und die Gesundheit der Anwohner müssen auch in diesem Fall Vorrang vor allen anderen Erwägungen haben.


