Das seit Anfang 2014 wegen Modernisierung geschlossene Zeiss-Großplanetarium in Prenzlauer Berg kann erst Mitte kommenden Jahres wieder in Betrieb gehen. Weil sich die namensgebende Carl Zeiss AG erfolgreich vor Gericht gegen die Vergabe des neuen Sternenprojektors an ein US-amerikanisches Unternehmen gewehrt hatte, verzögert sich die ursprünglich für dieses Jahr geplante Wiederöffnung um mehr als ein Jahr. Aus einer parlamentarischen Anfrage des Abgeordneten Gerwald Claus-Brunner (Piraten) ergibt sich, dass der umstrittene Projektor inzwischen geliefert worden ist und nun eingebaut wird. Fertigstellung der Bauarbeiten werde voraussichtlich am 10. Juni 2016 sein, heißt es in der Antwort von Kulturstaatssekretär Tim Renner.

Die Stiftung Deutsches Technikmuseum (SDTM) als Hausherr will aus dem 1987 an der Prenzlauer Allee eröffneten Zeiss-Planetarium „das technisch modernste Sterntheater in Europa“ machen. Zum Projekt gehört eine neue Dämmung der riesigen Kuppel und die Entsorgung schadstoffhaltiger Mineralfasern ebenso wie eine neue Klimaanlage, ein verbesserter Brandschutz, eine neue Bestuhlung und die Renovierung des Foyers. Rund 13 Millionen Euro für das ehrgeizige Projekt kommen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und aus Sondermitteln des Landes Berlin.

Zeiss AG klagte gegen Ausschreibung im Planetarium und gewann

Kernstück der Modernisierung soll die digitale Medientechnik sein. Ein neuer Sternenprojektor wird in Kombination mit anderen Videoprojektoren eine sogenannte Fulldome-Projektion erzeugen: ein hochauflösendes Bild, das die gesamte Kuppel mit ihrem Innendurchmesser von 23 Metern füllt. Doch die Vergabe des Projektors durch die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die die Ausschreibungen für die Stiftung Technikmuseum übernommen hat, hielt die unterlegene Zeiss AG für fehlerhaft.

Das Berliner Kammergericht gab dem Unternehmen Recht, nach dessen Gründer Carl Zeiss das Pankower Planetarium benannt ist. Insbesondere weil der amerikanische Bieter, dem die BIM den Zuschlag erteilt hatte, Ersatzteile nicht 15 Jahre lang vorhalten und auch nicht permanent eine Kommunikation in deutscher Sprache sicherstellen könne, hielt der Vergabesenat des Kammergerichts den Zuschlag für nicht sachgerecht. Die Vergabe sei „eine Ermessensentscheidung der ausschreibenden Stelle“ gewesen, so Staatssekretär Renner. „Das Kammergericht Berlin folgte dieser Ermessensentscheidung nicht“.

Nun liefert Zeiss die digitale Projektionstechnik für 2,7 Millionen Euro

Für rund 2,7 Millionen Euro liefert nun Zeiss die digitale Projektionstechnik. Der Rechtsstreit hat die Arbeiten um 14 Monate verzögert. „Das hätte man vermeiden können, wenn man im Vorfeld sauber gearbeitet hätte“, kritisiert der Piraten-Abgeordnete Claus-Brunner. „Ich finde es ärgerlich, dass der Besucher jetzt der Leidtragende ist“.

Die Innensanierung der Projektionskuppel aber hat eine US-Firma übernommen, die auf Planetarien spezialisiert ist. Höhere Kosten durch den Verfall des Euro gegenüber dem US-Dollar seien damit nicht verbunden, versichert Kulturstaatssekretär Renner. Ursprünglich seien für die Innenkuppel etwa 1,35 Millionen Euro veranschlagt worden. „Im Ergebnis des Vergabeverfahrens kam es zu einer deutlichen Reduzierung der Kosten“, so der Politiker.