Astro-Spektakel

Was Sie über die Sonnenfinsternis in Berlin wissen müssen

In Berlin kann am Freitagvormittag eine partielle Sonnenfinsternis beobachtet werden. Das Licht wird fahler, die Temperaturen fallen dann. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Astro-Spektakel.

Genau zwei Stunden und 20 Minuten dauert das Himmelsspektakel. Stück für Stück wird sich am Freitagvormittag der Mond zwischen Erde und Sonne schieben und seinen Schatten auf unseren Planeten werfen. In Berlin ist dann nur noch eine schmale Sichel von der Sonne zu sehen, sie ist zu 74,2 Prozent vom Mond bedeckt. Um 10.47 Uhr ist das Maximum der partiellen Sonnenfinsternis erreicht. Eine totale Finsternis wird es nur über den Färöer Inseln, dem Nordmeer und über Spitzbergen geben.

Seit Monaten bereiten sich die Archenhold-Sternwarte in Treptow, das Zeiss-Großplanetarium in Prenzlauer Berg und das Planetarium am Insulaner in Schöneberg auf das Ereignis vor. Sie bieten am Freitag von 9 bis 12 Uhr die Möglichkeit, mit Teleskopen im Freien das Verschwinden der Sonne zu beobachten. Alles Wissenswerte rund um das kosmische Ereignis werden Experten erläutern. Was man zur Sonnenfinsternis wissen muss.

Wie oft kommt eine Sonnenfinsternis vor?

Eine totale Sonnenfinsternis gab es in Deutschland zuletzt am 11. August 1999, die letzte partielle am 4. Januar 2011. Die nächste partielle Finsternis ist am 10. Juni 2021. Erst am 3. September 2081 wird es in Deutschland wieder eine totale Sonnenfinsternis geben.

Wann beginnt am Freitag das astronomische Spektakel?

Um 9.38 Uhr gibt es einen ersten Kontakt zwischen dem Mondrand und dem Sonnenrand. Dann wandert der Mond über die Sonne, bis er sie um 10.47 Uhr fast vollständig – bis auf eine Sichel – bedeckt. Um 11.58 Uhr gibt der Mond auch den letzten Rest der Sonne wieder frei. Sie ist dann wieder komplett von der Erde aus zu sehen.

Wird es dabei dunkel und kalt?

Die partielle Finsternis bedeutet eine merkliche Eintrübung des Tageslichts. „Es wird nicht dunkel, aber Berlin wird in ein fahles Licht getaucht sein“, sagt Tim Florian Horn, Leiter des Zeiss-Großplanetariums. Ob es tatsächlich zu spüren ist, dass die Temperatur sinkt, hält er für fraglich. Schon der Märzwind reiche aus, um es kälter erscheinen zu lassen, so der Astronom.

Wo ist die Sonnenfinsternis am besten zu beobachten?

Eine Sonnenfinsternis kann man ohne optische Instrumente problemlos verfolgen. „Sie lässt sich von allen Standorten mit dem bloßen Augen beobachten“, sagt Tim Florian Horn. Es sei nicht notwendig, extra auf den Teufelsberg oder eine andere Anhöhe in der Stadt zu gehen. Wichtig sei es, draußen im Freien zu sein, egal, ob in einer Geschäftsstraße oder im Park. „Eine Glasscheibe beeinträchtigt zwar nicht die Sicht, besser ist es aber ohne“, sagt Horn.

Ist das Ereignis besser mit einem Teleskop zu sehen?

Durch das Teleskop sind Sonne und Mond besser zu erkennen. Allerdings dürfen nur Ferngläser und Teleskope mit einem geeigneten Schutzfilter verwendet werden. Die Beobachtung an den Instrumenten der Sternwarten ist gefahrlos, da spezielle Filter oder Projektionsmethoden jede Blendung verhindern.

Muss eine besondere Brille sein?

„Bloß nicht ohne Spezialbrille in die Sonne gucken“, warnt Georg Eckert, Sprecher des Berufsverbands der Augenärzte. Es bestehe eine große Gefahr für die Augen, weil eine Verbrennung der Netzhaut vorkommen könne. Das bedeute, dass die Stelle des scharfen Sehens beschädigt werde. Das sei oft unwiderruflich.

Was ist der beste Schutz?

Der Augenarzt rät, eine zertifizierte Sonnenbrille zu verwenden. Keine normale, handelsübliche Sonnenbrille, sondern eine, die speziell für das Ereignis hergestellt wurde. Diese Brillen haben eine spezielle Silberschicht vor den Augen und einen breiten lichtdurchlässigen Rahmen. Sie reflektieren den gefährlichen Teil der Infrarot- und UV-Strahlung. Man kann sie auch vor eine normale Brille setzen.

Wo gibt es die Brillen?

Mit viel Glück ist noch ein Restexemplar bei einem Augenoptiker oder den Sternwarten und Planetarien zu bekommen. Auch einigen Wissenschaftszeitungen sind Sonnenfinsternisbrillen beigelegt. Das Augenoptikergeschäft „Brillenbär Outlet“ in der Rheinstraße 17 in Friedenau verschenkt 1000 Sonnenfinsternisschutzbrillen, solange der Vorrat reicht. Jeweils eine pro Person, heute und morgen von 10 bis 19 Uhr.

Was passiert, wenn es regnet?

Das ist tatsächlich die entscheidende Frage. Wer am Freitag in Berlin und Brandenburg einen Blick auf die verdeckte Sonne werfen möchte, hat gute Karten. „Die Wetteraussichten für die Hauptstadt sind vielversprechend“, sagte Ulfried Wohlfart vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Donnerstag in Potsdam. Auch im Süden von Brandenburg sei die Sonnenfinsternis gut zu beobachten.

Welchen Einfluss hat die Sonnenfinsternis auf die Solarenergie?

Nach Berechnungen des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik wird es am Freitag zu einem kurzfristigen Leistungsabfall bei der Solarenergie kommen, auf den ein steiler Anstieg wegen des höheren Sonnenstandes folgen dürfte.

Wie sieht das Programm in Sternwarten und Planetarien aus?

In der Archenhold-Sternwarte beginnt der Tag um 9 Uhr mit der Beobachtung im Sonnenphysikalischen Kabinett, mit Live-Übertragungen vom Astrographen im Einstein-Saal und mit der Beobachtung im Freigelände mit Teleskopen. Am Insulaner geht es in der Wilhelm-Foerster-Sternwarte und im Planetarium um 9.15Uhr los. Auch dort gibt es Live-Beobachtungen und Kurzvorträge. Das Zeiss-Großplanetarium ist wegen Umbauarbeiten geschlossen. Von 9 Uhr an kann die Sonnenfinsternis auf der Wiese hinter dem Planetarium beobachtet werden. Dazu werden Teleskope aufgestellt.

Was ist am Tag der Astronomie?

Am Tag nach der Sonnenfinsternis, dem 21. März, ist der bundesweite Tag der Astronomie. In der Archenhold-Sternwarte gibt es von 14 bis 22 Uhr Führungen und Kinderaktionen. Am Insulaner wird ein ähnliches Programm von 15Uhr bis Mitternacht geboten.