Sonne, Mond und Sterne gehen ein letztes Mal auf. Und wieder unter. Am kommenden Sonntagabend ist erst einmal Schluss mit dem Himmelszelt. Zumindest im Zeiss-Großplanetarium an der Prenzlauer Allee. Dann verlischt das künstliche Licht der Planeten, der Sternprojektor, von manchen Mitarbeitern liebevoll „der Knochen“ genannt, versinkt vor den Augen der letzten Gäste lautlos im Boden.

Denn das Haus schließt für eine Rundum-Sanierung für ungefähr ein Jahr. Danach soll es eines der modernsten Wissenschaftstheater Europas sein. Neben der Astronomie sollen auch andere Bereiche wie Geologie, Biologie und Medizin bei den Veranstaltungen abgedeckt werden. Außerdem sind Konzerte, Hörspiele und Ausstellungen geplant.

1987 wurde das Planetarium eröffnet, ein Prestige-Projekt der damaligen DDR-Regierung. Es wurde mit Teilen ausgestattet, die heute kaum noch lieferbar oder reparierbar sind. Rund 2,5 Millionen Menschen haben das Planetarium bisher besucht, im vergangenen Jahr waren es 76.766. Seit 2002 gehört das Haus, wie die Archenhold-Sternwarte in Treptow, zur Stiftung Deutsches Technikmuseum.

12,8 Millionen Euro nur für die Technik

Tim Florian Horn, 31 Jahre alt und seit Juli 2013 Leiter des Planetariums, merkt man die Vorfreude und Begeisterung an, wenn er über die neue Technik spricht. „Etwa 80 Computer werden für die digitale Projektion eingebaut, die Videobeamer ergeben zusammen ein homogenes Bild, 7000 mal 7000 Pixel sollen sie schaffen – das wird der größte Computerbildschirm Mitteleuropas“, erklärt er.

Für die anstehende Sanierung kommt das Land Berlin mit 12,8 Millionen Euro auf – nur für die Technik. Zusätzlich werden noch 301 neue Sitze installiert, das Foyer renoviert und das zum Planetarium gehörende Kino mit 160 Plätzen neu bestuhlt. Die Kosten hierfür belaufen sich auf 467.000 Euro. Der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung übernimmt davon 350.000 Euro, die restlichen 117.000 Euro das Land Berlin.

„Die Modernisierung ist uns das Geld wert“, sagt Christine Regus von der Staatskanzlei für kulturelle Angelegenheiten. Es sei ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte. „Hier werden Kultur, Wissenschaft und Entertainment miteinander verknüpft, wie wir es uns überall in der Stadt wünschen.“ Matthias Köhne (SPD), Bezirksbürgermeister von Pankow, klingt beinahe wehmütig beim Gedanken an die bisherige Technik. Das letzte Mal höre er nun das Rattern der Diaprojektoren zu Beginn einer Vorführung. „Aber ich freue mich natürlich auf die neue Ausstattung im nächsten Jahr“, sagt er. „Es ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Attraktivität unserer Stadt.“

Digitalisierung der Bilder

Bisher projizierten die Diaprojektoren die Bilder auf die weiße Kuppel – Sternennebel, Nordlichter oder die komplette Milchstraße. Der Sternprojektor bildete dazu gestochen scharf die Himmelskörper des Sonnensystems und des weiteren Universums ab. 1500 Dias wurden pro Veranstaltung gebraucht. Mit der Digitalisierung soll es nun auch einen Perspektivwechsel geben. Bei Ausflügen in andere Wissenschaften könnte man etwa durch eine menschliche Zelle, den Blutkreislauf oder die Plattentektonik der Erde fliegen. Für die Astronomie soll das kostenlose Programm Worldwide Telescope von Microsoft verwendet werden.

„Klassisch wird in einem Planetarium gezeigt, wie das Sonnensystem mit seinem Planeten aussieht“, erklärt Horn. „Zukünftig besuchen wir nicht nur die Sonne, sondern wir fliegen durch das Universum. Und wenn neue Kometen oder Planeten entdeckt werden, fügen wir sie dazu. Ich glaube, die Aufgabe eines Planetariums ist es, komplexe Zusammenhänge darzustellen, so dass man sie intellektuell und auch emotional versteht.“

Auch ein neuer Sternprojektor soll installiert werden. Der alte „Cosmorama“ von Carl Zeiss Jena bekommt einen Platz im Foyer. Nur vier Stück seiner Art wurden gebaut, für Planetarien in Berlin, Prag, Jena und Edmonton in Kanada. Im Foyer wird auch die Kasse neu eingerichtet, ein neuer Treppenaufgang soll entstehen und das Restaurant wiederbelebt werden.

In das Planetarium am Insulaner ausweichen

Am kommenden Sonnabend und Sonntag ist Tag der offenen Tür im Planetarium an der Prenzlauer Allee, Eintritt kostenlos. Anfang April beginnen die Bauarbeiten. Wer nicht auf die Vorführungen verzichten will, kann in das Planetarium am Insulaner in Schöneberg mit dazugehöriger Wilhelm-Foerster-Sternwarte gehen, wo ebenfalls schon Generationen von Schulkindern zu Besuch waren.

Die Kuppel ist mit 20 Metern Durchmesser nur drei Meter kleiner als in Prenzlauer Berg und damit auch ein Großplanetarium. Außerdem beherbergt sie seit 2010 digitale Technik, wie sie an der Prenzlauer Allee nun installiert wird. „Wir rechnen während der Umbauarbeiten in Prenzlauer Berg mit mehr Besuchern bei den Schul- und Abendveranstaltungen“, sagt Karl-Friedrich Hoffmann, erster Vorsitzender des Vereins Wilhelm-Foerster-Sternwarte e.V, der das Planetarium betreibt. Ihren „Knochen“, den fast 50 Jahre alten Projektor, lassen sie trotz modernster Technik stehen. „Er macht für uns den schönsten Sternenhimmel, und wir haben ihn in die digitale Installation integriert.“

Ein Ersatz für alle, die nicht auf den strahlenden Sternenhimmel verzichten können, während im Zeiss-Großplanetarium in Prenzlauer Berg gebaut wird. Für Menschen wie Bürgermeister Köhne, die das Rattern der Diaprojektoren jetzt schon vermissen, hat Tim Florian Horn eine Idee. „Wir nehmen am besten eine Soundfile mit dem vertrauten Geräusch auf und laden sie bei Facebook hoch.“