Der angebliche Mordanschlag auf den Leiter der säkularen Deutsch-Arabischen Schule Ibn Khaldun erschütterte im vergangenen November Berlin. Hudhaifa Al-Mashhadani hatte gegenüber der Polizei angegeben, ein Angreifer mit Palästinensertuch habe versucht, ihn im U-Bahnhof Rathaus Neukölln vor eine einfahrende U-Bahn zu stoßen. Grund sei sein Engagement für Israel gewesen. Doch schon bald gab es Zweifel an der Version des gebürtigen Irakers. Bilder aus einem Überwachungsvideo zeigen, wie der Rektor von einem Mann bedroht wird. Ein Stoß vor den Zug hingegen ist nicht zu sehen.

Seitdem ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft gegen Al-Mashhadani. Wie eine Sprecherin des Amtsgerichts Tiergarten dem „Tagesspiegel“ bestätigte, sei nun ein Strafbefehl wegen falscher Verdächtigung erlassen worden. Dieser sehe eine Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen zu je 190 Euro vor, insgesamt also 17.100 Euro.

Al-Mashhadani hat Einspruch gegen Strafbefehl eingelegt

Strafbefehle werden in der Regel bei kleineren Delikten und klarer Beweislage erlassen, um ein Verfahren abzukürzen und die Justiz nicht zusätzlich zu belasten. Mit 90 Tagessätzen wäre Al-Mashhadani nicht vorbestraft, das wäre erst ab mehr als 90 der Fall. Die Höhe des jeweiligen Tagessatzes bemisst sich nach der Höhe des monatlichen Einkommens. Obwohl der auf Antrag der Staatsanwaltschaft erlassene Haftbefehl noch nicht rechtskräftig ist, hat Al-Mashhadani laut „Tagesspiegel“ bereits Einspruch eingelegt. Der Fall geht nun vor Gericht. Einen Termin gibt es aber noch nicht.

Kai Wegner besucht der deutsch-arabischen Schule Ibn Khaldun
Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU, rechts) bei einem Besuch der Deutsch-Arabischen Schule. Gegen deren Leiter Hudhaifa Al-Mashhadani (links) gibt es schwere Vorwürfe.© Florian Boillot | Florian Boillot

Für Al-Mashhadani könnte noch weiterer Ärger ins Haus stehen. In Neukölln wurden zuletzt Stimmen laut, die eine Rückgabe der Ehrennadel des Bezirks fordern. „Ich fordere Bürgermeister Hikel auf, Al-Mashhadani die Neuköllner Ehrennadel abzuerkennen“, sagt etwa Ahmed Abed, Co-Vorsitzender der Linksfraktion. Noch schwerer wiegen mögliche Vergehen, die die „Süddeutsche Zeitung“ recherchiert haben will. So soll gegen Mashhadani im Irak eine Haftstrafe wegen Betrugs verhängt worden sein. Mittlerweile gibt es auch Zweifel am Professorentitel des Schulleiters. Eine Mail der irakischen Botschaft in Berlin, die diesen bestätigt, soll Al-Mashhadani gefälscht haben, was dieser allerdings bestreitet.

Al-Mashhadani galt seit Jahren als engagierter Kämpfer gegen radikalen Islamismus und Antisemitismus, als Brückenbauer und Befürworter eines arabisch-israelischen Dialogs in Berlin. Als solcher wurde er von der Bezirkspolitik unter Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) ebenso hofiert wie von der Landespolitik unter dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Vom Land Berlin wurde er Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als Kandidat für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen.

tok