Jugendliche Straftäter sind nach den heftigen Silvesterkrawallen besonders in den Fokus gerückt. Ganze 29 Maßnahmen sind auf dem daraufhin anberaumten Jugendgewaltgipfel im Februar beschlossen worden. Eine davon: Das Neuköllner Pilotprojekt der Arbeitsgruppe „Kinder- und Jugendkriminalität“ soll auf ganz Berlin ausgeweitet werden. Dafür stehen für die kommenden drei Jahre jährlich 2,6 Millionen Euro aus den finanziellen Mitteln des Gipfels zur Verfügung. Damit sollen zusätzliche Stellen in den bezirklichen Jugendämtern geschaffen werden und Sachkosten gedeckt werden.

Das Neuköllner Pilotprojekt will elf bis 17-jährigen Straf- und Intensivtätern eine soziale und berufliche Perspektive geben. Ziel ist es, weitere Straftaten der jungen Menschen zu vermeiden durch die Einrichtung von Präventions- und Interventionsteams in allen Berliner Jugendämtern sowie die enge Vernetzung aller beteiligten Akteure aus Schule, Regionale Sozialpädagogischen Dienste, Polizei, Jugendberufshilfe, Ausländerbehörden, Jugendhilfe und Justiz. Über die Arbeit in dem Projekt informierten sich Jugendsenatorin Kathrina Günther-Wünsch und Staatssekretär Falko Liecke (beide CDU) bei einem Vorort-Termin in einem Neuköllner Jugendclub.

Straftaten werden innerhalb von 24 Stunden gemeldet

Ein wesentlicher Baustein des Neuköllner Handlungskonzepts ist die Arbeitsgruppe „Jugenddelinquenz“. Die enge Abstimmung aller Maßnahmen zwischen allen Beteiligten ist dabei neu und ermöglicht schnelle, kurze Wege. „Wir wissen eigentlich innerhalb von 24 Stunden Bescheid, wenn bei unseren Jugendlichen etwas vorgefallen ist“, sagt Martina Kirstan, Leiterin der Jugendgerichtshilfe. „Dadurch können wir das mit den Jugendlichen sofort thematisieren und nicht erst Monate später.“

Der Abschluss der Betreuung erfolge, wenn ein Jahr lang keine neuen Straftaten mehr verübt wurden und die Perspektive durch einen Schulabschluss oder einen Ausbildungsanschluss geklärt sei. Durch das 2016 entwickelte Pilotprojekt wurden bereits über 100 gewalttätige Jugendliche erfolgreich betreut, die Abbrecherquote ist mit elf Personen seit 2017 gering. „Ziel ist es, junge Menschen deutlich früher in ihrem Kiez zu erreichen und präventiv mit ihnen und ihrem Umfeld zusammenzuarbeiten“, sagte Senatorin Günther-Wünsch.