Reinickendorf
Niedergestochener Schüler

„Schüler und Messer“ als Thema beim Jugendgewalt-Gipfel

| Lesedauer: 3 Minuten
Dirk Krampitz
Auf dem Parkplatz der Jean-Krämer-Schule in Wittenau wurde am Dienstag ein Schüler mit zwei Stichen niedergestochen.

Auf dem Parkplatz der Jean-Krämer-Schule in Wittenau wurde am Dienstag ein Schüler mit zwei Stichen niedergestochen.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Nach der Messerstecherei an der Jean-Krämer-Schule zieht das Thema womöglich größere Kreise in der Politik.

Berlin.  Nach den Gewalt-Exzessen zu Silvester gab es gleich den nächsten Fall von Jugendgewalt im neuen Jahr: Am Dienstag wurde ein 17-Jähriger Schüler der Jean-Krämer-Schule in Wittenau in der ersten Hofpause von einem bisher nicht benannten Täter auf dem Parkplatz der Schule mit zwei Messerstichen verletzt. Das Opfer musste im Humboldt-Krankenhaus versorgt werden. Lebensgefahr besteht nicht. Mittlerweile konnte er das Krankenhaus wieder verlassen, wie Verwandte der Schule mitgeteilt haben.

Die Schule ist um Schadensbegrenzung bemüht. Ein Vertreter der Schule, der nicht genannt werden möchte, sagt, dass erst einmal alles aufgearbeitet werden müsse. Aber er beteuert: „Hier gibt es kein strukturelles Gewaltproblem. Wir bitten um Geduld, weil wir die Ereignisse erst einmal aufarbeiten müssen, um dann unsere Schlüsse daraus zu ziehen.“

„Die Schule ist ein Schutzraum für die Schüler“

Für den Landesvorsitzenden der Partei Die Grauen und Reinickendorfer Mobbing-Experten Michael Schulz ist der ganze Vorfall und seine Bewältigung ein einziges Alarmzeichen. „Die Schule ist ein Schutzraum für die Schüler, sie muss Verantwortung übernehmen. Sie darf hier nichts verzögern oder kleinreden. Solche Taten geschehen ja nicht plötzlich, weil jemand plötzlich Bock hat, ein Messer zu zücken. Es gibt Vorzeichen.“

Bezirksbürgermeister Uwe Brockhausen (SPD) verurteilt den Vorfall, sieht aber derzeit keine akuten Handlungsmöglichkeiten beim Bezirk: „Wo Gewaltvorfälle stattfinden, da müssen wir ganz genau hinschauen. Und wenn sie sich wiederholen, besteht erheblicher Handlungsbedarf. Körperliche Attacken oder sogar wie hier eine Messerstecherei – da kann man nicht einfach zuschauen, sondern dort müssen die zuständigen Behörden schnell und entschieden handeln.“

Psychologische Hilfe und Unterweisung gegen Gewalt

Zuständig ist die Senatsbildungsverwaltung. Und die teilt mit, dass die Schüler sofort durch die Schulpsychologin und das Krisenteam der Sekundarschule sozialpsychologische Angebote erhalten haben, außerdem hätten die Schüler der betroffenen Jahrgangsstufe sofort eine Unterweisung fürs Handeln in Gewaltsituationen erhalten.

Ob auch der Täter Schüler der Schule ist oder war, dazu gibt es widersprüchliche Angaben. Doch zumindest bekannt scheint er einigen Schülern zu sein. Denn dem Vernehmen nach haben sich Zeugen des Vorfalls geweigert, seinen Namen zu nennen und das mit Angst und dem Ehrenkodex begründet: „Wir regeln das nach Märkisches-Viertel-Gesetz“.

Mobbing-Experte Schulz: „Das klingt, als würden es Cliquen unter sich klären wollen. Da sind die Lehrkräfte komplett überfordert. Ein Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung stellte in Aussicht, dass „die Paarung Schüler und Messer durchaus ein Thema“ sein könnte auf dem von Franziska Giffey (SPD) angekündigten Gipfel gegen Jugendgewalt.

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