Viele sind gekommen: Gegner und Anhänger, Mitstreiter und Menschen in Justiz und Verwaltung, die die Ideen der Geehrten doch eher zaghaft mittragen. Am Freitag hat der Bezirk Neukölln den kleinen Platz an der Ecker Emser Straße und Kirchhofstraße nach der verstorbenen Jugendrichterin Kirsten Heisig benannt.

Die Juristin war als Jugendrichterin am Amtsgericht Tiergarten für den Bezirk Neukölln zuständig. Dort hatte sie vor allem über Straftäter aus den Neuköllner Problemvierteln zu entscheiden, viele von ihnen mit Migrationshintergrund.

Heisig war für harte Urteile bekannt. Bis zu ihrem Tod trat sie dafür ein gerade junge Täter schnell und konsequent zu bestrafen. Diese schnelle Eröffnung des Strafverfahrens insbesondere bei jugendlichen Ersttätern ist als Neuköllner Modell bekannt geworden.

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Am 28.Juni 2010 hatte Kirsten Heisig im Alter von 48 Jahren Suizid begangen. Kurz vor ihrem Tod war ihr bundesweit beachtetes Buch „Das Ende der Geduld: Konsequent handeln gegen jugendliche Gewalttäter“ erschienen.

Heilmann: „Ich sehe mich als Erbwalter der Gedanken von Frau Heisig“

„Ich sehe mich als Erbwalter der Gedanken von Frau Heisig“, sagte Berlins Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) während des kurzen Festaktes zur Namensgebung. Drei der Modelle der Jugendrichterin würden in der Berliner Justiz „bis heute hochgehalten“, so Heilmann: die Intensivtäterabteilung bei der Staatsanwaltschaft, das Neuköllner Modell und ein Staatsanwalt für den Ort, der die Verfahrensbeteiligten kenne und sie auf kurzem Dienstweg errreichen könne.

Neuköllns ehemaliger Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) zeigte sich in seiner Würdigung für Kerstin Heisig gewohnt streitbar. Ihre Idee sei nicht ein Staatsanwalt für den Ort, sondern am Ort gewesen, sagte er an Heilmann gewandt. „Das Neuköllner Modell könnte eine stärkere Revitalisierung gebrauchen, nachdem der Motor Kerstin heisig nicht mehr da ist“, forderte Buschkowsky. Kirsten Heisig sei keine Weltverbesserin gewesen, sagte Buschkowsky am Rande des Festaktes. „Wir waen nicht immer einer Meinung, aber wir waren gute Freunde.“

Seine Amtsnachfolgerin Franziska Giffey (SPD) erinnerte auch an den fünfjährigen Prozess bis zur Ehrung. Die von SPD und CDU in der Bezirksveordnetenversammlung (BVV) beschlossene Benennung des Kirsten-Heisig-Platzes hatten Piraten, Grüne und Linke nicht mitgetragen. Deren Fraktionen war der Kurs der verstorbenen Jugendrichterin zu regide. Franziska Giffey bezeichnete die Benennung auch als Ermutigung für das Engagement jedes einzelnen. „Wir gedenken einer Frau, die Zeichen gesetzt hat für Neukölln und aus Überzeugung gehandelt hat“, sagte die Bezirksbürgermeisterin.