Ehrung

Neukölln benennt Platz nach Jugendrichterin Kirsten Heisig

Ein Platz im Norden Neuköllns soll den Namen von Kirsten Heisig tragen. Doch die Entscheidung ist umstritten.

Jugendrichterin Kirsten Heisig im Februar 2010

Jugendrichterin Kirsten Heisig im Februar 2010

Foto: dpa Picture-Alliance / Wolfgang Kumm / picture alliance / dpa

Das Vorhaben ist politisch umstritten. Ein Platz im Norden Neuköllns, an der Emser Straße, bekommt den Namen der Jugendrichterin Kirsten Heisig, die durch das Neuköllner Modell deutschlandweit bekannt wurde und sich im Sommer 2010 das Leben nahm. Die Platzbenennung hatte die SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung vorgeschlagen. Außer ihr stimmte nur die CDU im November dem Antrag zu. Die Piraten-Fraktion lehnte ihn ab, Grüne und Linke enthielten sich.

„Wir hatten in der Fraktion kontroverse Diskussionen dazu“, sagte der Grünen-Verordnete Martin Kupfer. Einige seien für die Ehrung von Heisig gewesen, auch er selbst. „Ich habe ihr Buch gelesen und kann das nachvollziehen, was sie geschrieben hat.“ Andere Fraktionsmitglieder hätten den Vorschlag „mit ziemlicher Überzeugung“ abgelehnt, so Kupfer. Die Kritiker meinten, „die Art, wie sie an die Öffentlichkeit gegangen ist, habe dem sozialen Frieden nicht gedient, und hätte Teile der Bevölkerung stigmatisiert.“ Auch Heisigs politische Nähe zum einstigen Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) werde kritisch gesehen. Wegen dieser Kontroverse habe sich die Fraktion enthalten.

Heisig habe zwar etwas erreicht, so Piraten-Fraktionschef Steffen Burger. Sie stehe vor allem für die rasche Bestrafung von jugendlichen Tätern. „Das ist aber nur ein Aspekt“, so Burger. „Es geht uns um das gesamte Problem, also auch darum, wie man solche Straftaten im Vorfeld verhindern und wie man die Täter wieder in die Gesellschaft integrieren kann.“ Dafür stehe der Name Heisig nicht so sehr. Auch Marlis Fuhrmann, Linke-Verordnete, sagte, sie halte Prävention für wichtiger als das Setzen auf die Justiz.

Bisher hat der Ort an der Emser Straße keinen Namen

Der Ort, der Kirsten Heisigs Namen tragen wird, liegt an der Kreuzung Emser-, Kirchhof- und Siegfriedstraße unweit der Feuerwache. „Die Fläche hat bisher keinen Namen“, sagt Neuköllns Baustadtrat Thomas Blesing (SPD). Es gebe keine Anlieger, die wegen der Umbenennung eine neue Adresse bekämen. Zunächst müssten jedoch alle anderen Bezirke gefragt werden, ob es bei ihnen bereits einen Platz oder eine Straße mit Heisigs Namen gibt. Auch die Angehörigen müssten zur Benennung gefragt werden, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sei zu informieren.

„Mit dem Aufstellen der Schilder kann im besten Fall im Februar 2016 gerechnet werden“, so Blesing. Das Neuköllner Modell wird inzwischen in allen Berliner Bezirken angewendet. Es sieht vor, dass jugendliche Straftäter bei kleinen Delikten möglichst rasch vor Gericht kommen, um die erzieherische Wirkung zu erhöhen. Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht sollen dabei eng zusammenarbeiten. Kirsten Heisigs Buch „Das Ende der Geduld: Konsequent gegen jugendliche Straftäter“ war vier Wochen nach ihrem Tod erschienen.