Lernen soll Spaß machen. Auf dem großen Schulgelände am Efeuweg in Neukölln kann das Wirklichkeit werden. Denn der jetzt fertiggestellte Masterplan sieht eine Freifläche für Open-Air-Kino im Sommer und zum Schlittschuhlaufen im Winter vor, eine großzügige moderne Bibliothek, eine Mensa und neue, gut ausgestattete Unterrichtsräume.

Die Kleinsten aus der Kita werden neben den Schülern der ersten bis zehnten Klassen und den Jugendlichen des Oberstufenzentrums auf einem großen Campusgelände aufwachsen. Ein breite Promenade ist vorgesehen, die alle Plätze und Gebäude verbindet.

Der Masterplan Campus Efeuweg wird am heutigen Mittwoch in der Bezirksverordnetenversammlung vorgestellt. Fast 22 Millionen Euro sind die Gesamtkosten für das ehrgeizige Projekt.

Abwanderung soll gestoppt werden

Dass es diesen großzügigen Ausbau geben soll, hat triftige Gründe. Sie sind vergleichbar mit der Situation am Campus Rütli. Der Schulstandort Efeuweg ist als schwierig bekannt. In der umliegenden Großsiedlung Gropiusstadt leben mehr als 36.000 Menschen, die Hälfte davon mit ausländischen Wurzeln. Viele Familien haben nur ein geringes Einkommen zur Verfügung. Die beiden Schulen auf dem Gelände am Efeuweg haben immer mehr Kinder mit Migrationshintergrund. In der Walt-Disney-Grundschule waren es im Schuljahr 2013/2014 85 Prozent, in der Liebig-Sekundarschule 64 Prozent der Schüler. Viele von ihnen haben unzureichende Deutschkenntnisse, motorische Defizite und Übergewicht. Eltern melden ihre Kinder lieber an attraktiveren Standorten an. An Walt-Disney- und Liebig-Schule bleiben Plätze unbesetzt. Diese Abwanderung soll gestoppt werden.

Der Campus Efeuweg mit vielfältigen und verbesserten Bildungs- und Freizeitangeboten wird ein Neustart für die beiden Schulen sein und die Großsiedlung Gropiusstadt aufwerten. Das ist die politische Absicht. Die ersten Schritte sind bereits getan. Liebig- und Walt-Disney-Schule haben sich zu einer Gemeinschaftsschule zusammengeschlossen, die Unterricht bis zur 10. Klasse anbietet. Die Fusion wird zum Schuljahresbeginn 2015/2016 abgeschlossen sein. Um den Übergang zur gymnasialen Oberstufe zu ermöglichen, wurde eine Kooperation mit dem benachbarten Oberstufenzentrum (OSZ) Lise Meitner vereinbart.

Neues Oberstufenzentrum für 53 Millionen Euro

Für die neue Gemeinschaftsschule sind Umbauten erforderlich. Am kommenden Montag beginnen die Arbeiten für den neuen Eingang zum Campus am Efeuweg 34 mit Schildern und Schaukasten. Er soll noch 2014 fertig werden. 235.000 Euro stehen zur Verfügung. Der Boden bekommt eine Pflasterung mit hellen und dunklen Streifen, die sich auch auf dem Campusgelände fortsetzen wird.

Im Herbst 2014 beginnt auch der Neubau für das Oberstufenzentrum, der auf dem Campus Efeuweg entsteht. Er kostet knapp 53 Millionen Euro und wird über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ realisiert. Die beiden Gebäude der Walt-Disney- und der Liebig-Schule müssen saniert werden, dafür sind Kosten von insgesamt 12 Millionen Euro kalkuliert.

„Grundsätzlich ist der neue Campus ein mittel- und langfristiges Projekt, mit mehreren Bestandteilen“, sagt Neuköllns Schulstadträtin Franziska Giffey (SPD). „Wir haben noch nicht für alle Vorhaben eine Finanzierung.“ Am vergangenen Wochenende sei ein Förderantrag eingereicht worden, mit dem der Trakt für die gemeinsame Schulleitung finanziert werden soll. Er entsteht 2015 und 2016 in der Liebig-Schule. Dort werden auch sogenannte Lern-Cluster eingerichtet: Das sind Bereiche, in denen alle Schüler eines Jahrgang lernen, mit Unterrichts- und Aufenthaltsräumen und einem Team von Pädagogen. Die Flure werden dabei mitgenutzt.

Ein Neubau nahe den alten Schulgebäuden ist geplant, in den die Bibliothek einziehen und der auch zusätzliche Unterrichtsräume für die 5. und 6. Klassen enthalten soll. Er soll als massiver Stahlbetonbau errichtet werden und eine helle, glasierte Keramikfassade bekommen, die vorgehängt wird.

Die Kosten sind mit 3,5 Millionen Euro kalkuliert. In ähnlicher Bauweise soll für 3,7 Millionen Euro auch der zweite Neubau am Efeuweg Ecke Fritz-Erler-Allee entstehen. Dort wird das Zentrum für Sprache und Bewegung eingerichtet, in dem auch die Bewohner der Gropiusstadt lernen und Sport treiben können sollen. Ein Café und eine Galerie ziehen ein. Eine Schulmensa und ein Foyer sind geplant, eine Sitztreppe im Inneren. Für den Neubau werden Mobilbauten der Liebig-Schule und der Lehrerparkplatz abgerissen.

Geld vom Land und von der EU

Die beiden Neubauten sollen in der Investitionsplanung des Landes Berlin angemeldet werden. Dazu will Stadträtin Giffey Gespräche mit den Senatsverwaltungen für Bildung und für Stadtentwicklung führen. „Doch dafür wollten wir erst den Masterplan abwarten“, so die Politikerin. „Er ist die Grundlage für das weitere Vorgehen.“ Die Gesamtsumme von fast 22 Millionen Euro werde nicht auf einen Schlag zur Verfügung stehen. Schritt für Schritt werde man weitere Mittel beantragen, etwa bei der EU. Auch Geld aus dem Bezirkshaushalt soll eingesetzt werden. Sie glaube, so Giffey, „wenn ein großer Gesamtplan dahintersteht, der auch politisch getragen ist, dann ist die Chance groß, dass wir für die einzelnen Module auch Geld bekommen. Deshalb ist dieser Masterplan ein ganz wichtiger Punkt für uns.“

Vorgesehen ist auch ein zentraler Versammlungsort für den Campus Efeuweg: das Forum als Treffpunkt, Sport- und Spielplatz im Freien. Es entsteht auf dem Gelände der jetzigen Tennisplätze. Dort können Open-Air-Kino im Sommer und Eislaufen im Winter stattfinden. Die Turnhalle daneben wird die künftige Campushalle. Das gesamte Schulgelände am Efeuweg soll besser gepflegt und übersichtlicher werden. Zäune, Hecken und Wildwuchs verschwinden. Der Efeuweg wird zur Campuspromenade mit einem sechs Meter breiten Fuß- und Radweg umgestaltet.