Kostenloses Pausenbrot

Berliner Tafel kämpft gegen Magenknurren im Unterricht

Viele Kinder kommen mit leerem Magen und ohne Essen zur Schule. Deshalb kommen nun die Vereine Berliner Tafel und brotZeit zu den Schülern - mit einer kostenlosen Pausenversorgung.

Foto: Marion / Marion Hunger

Viele Neuköllner Schüler kommen ohne Frühstück und ohne Pausenbrot zum Unterricht. Deshalb kooperieren elf Schulen im Bezirk mit den Vereinen Berliner Tafel und brotZeit, die für eine kostenlose Pausenversorgung sorgen. Die Situation sei in einem sozial belasteten Bezirk nicht verwunderlich, sagte Schulstadträtin Franziska Giffey (SPD) Ende August auf Anfrage der Linken-Fraktion. „Einigen Familien fehlt am Ende des Monats das Geld für Lebensmittel, andere bringen schlichtweg kein Interesse auf, für eine ausgewogene und regelmäßige Ernährung ihrer Kinder zu sorgen.“ Eltern würden ihre Verantwortung nicht wahrnehmen, so der Vorwurf der Stadträtin, in einigen Fällen zahlten sie nicht einmal den einen Euro Eigenanteil zum Schulmittagessen. Die Konsequenz seien hungrige Kinder in der Schule, „mit der Folge, dass sich die mangelnde körperliche und geistige Leistungsfähigkeit in den schulischen Leistungen widerspiegelt“.

Nach Auskunft der Stadträtin haben drei Schulen Kooperationen mit dem Verein Berliner Tafel. Er liefert kostenlos ein oder zwei Mal in der Woche Obst, Gemüse und Brot. Manchmal auch Aufschnitt wie Wurst und Käse, mal auch Nuss-Nougat-Creme als Aufstrich, „wenn wir so was haben“, sagte ein Mitarbeiter der Tafel auf Anfrage der Morgenpost. Die Initiative dazu gehe von den Schulen aus. Die Berliner Tafel bekommt ihre Lebensmittel von Geschäften und Supermärkten. Die Kooperation sei eine dauerhafte Maßnahme, so Stadträtin Giffey. Seit zwei Jahren werde die Walt-Disney-Grundschule regelmäßig beliefert, seit sieben Jahren die Adolf-Reichwein-Grundschule, seit 15 Jahren die Rixdorfer Schule.

Nicht nur in Neukölln

Die Berliner Tafel versorgt neben den drei Neuköllner Schulen noch sechs weitere, davon drei in Friedrichshain-Kreuzberg, je eine in Reinickendorf, Lichtenberg und Tempelhof-Schöneberg. So bekommen 850 Berliner Schüler ihre Pausenversorgung. „Wir haben Vereinbarungen mit den Schulen oder mit den Fördervereinen“, sagte Sabine Werth, Vorsitzende der Berliner Tafel. Der Verein beliefere regelmäßig 300 Einrichtungen in Berlin. Kinder- und Jugendeinrichtungen hätten dabei Vorrang, also auch die Schulen. „Sie melden ihren Bedarf bei uns an, und wir gucken, ob wir ihn decken können. Wenn ja, dann bekommen sie das Gewünschte.“

Die Kooperation mit den Schulen laufe gut, so die Vereinsvorsitzende. Acht Neuköllner Schulen bekommen kostenlos Lebensmittel über den Verein brotZeit. BrotZeit hat 2013 insgesamt 26 Berliner Schulen unterstützt und fast 163.000 Frühstücke ausgegeben, 35.000 mehr als im Jahr 2012. Die Waren, darunter Obst, Milch, Brot und Müsli, werden unentgeltlich vom Lebensmittel-Discounter Lidl zur Verfügung gestellt. Die Schulen werden alle zwei Wochen von Partner-Unternehmen des Vereins brotZeit beliefert und können je nach Bedarf bestellen. Mehr als 80 Senioren waren im vergangenen Jahr ehrenamtlich tätig. Sie richteten das kostenlose Frühstücks-Buffet in den Berliner Schulen an.

In der Neuköllner Richard-Schule wird der Frühstücksraum von Montag bis Freitag, gegen 7.30 Uhr, geöffnet. „Für die Kinder ist das Frühstück wie ein Ankommen in der Schule“, sagt Schulleiterin Marita Stolt. „Sie setzen sich mit ihren Freunden und Geschwistern an den Tisch und genießen die Atmosphäre.“ Die Seniorinnen seien engagiert und schon lange dabei. „Sie kennen ihre Pappenheimer. Das geht fast familiär zu.“