Im Oktober färbt sich Berlin rosa. Der „Pinktober“, der internationale Brustkrebsmonat, erinnert an Vorsorge und Früherkennung. Soeben wurde die Brustkrebsdiagnose von Sarah Kuttner bekannt. Wie gefährlich Brustkrebs ist, zeigte der Tod von Tatjana Patitz im Januar 2023. Nur zwei Jahre lagen zwischen Diagnose und Todeszeitpunkt des damals 56-jährigen Supermodels.

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Wie es ist, wenn die Diagnose plötzlich da ist, weiß Moderatorin Tanja Bülter. Sie hat den Brustkrebs überstanden und daraus mehr gemacht als ein Buch. Berlin hat Tanja Bülter schon früh für sich gewonnen. Nach ihrem Volontariat bei RTL in Köln hatte sie Angebote aus mehreren Standorten der Senderfamilie, darunter Köln und Hamburg. „Ich habe mich vom ersten Moment an in diese Stadt verliebt“, sagt die Moderatorin. „Sie ist so unglaublich vielfältig, und ich mag Abwechslung.“

Zwei Kinder, Beruf und ein Netz aus der Familie

Bülter hat zwei Kinder und nahm Elternzeit: beim ersten Kind ein Jahr, beim zweiten fünf Monate. Eine Nanny hatte sie nicht. Ihre Eltern zogen irgendwann ebenfalls nach Berlin und unterstützten sie. „Meine Mutter ist für die Kinder eine absolute Bezugsperson“, sagt sie. 2020 trennte sie sich von ihrem Mann, der in Berlin geblieben ist. Seitdem zieht sie die Kinder weitgehend allein groß.

Die Media Night im Stue
Tanja Bülter bei der FUNKE Media Night im Stue Ende September 2026 in Berlin.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Die Diagnose

Knapp ein Dreivierteljahr nach der Trennung bekam sie die Diagnose Brustkrebs. Ob ein Zusammenhang besteht? „Am Ende lässt es sich nie genau sagen. Dass Kummer das begünstigt hat, kann natürlich sein“, resümiert sie. Zunächst stand sie unter Schock: „Wie ein großes Nebelfeld, und ich wusste nicht, ob ich da jemals durchkomme.“

Geholfen habe ihr ein einfacher Gedanke: den ersten Schritt gehen. „Ich habe mich in dieses Nebelfeld reingeschmissen und gesagt: ‚Okay, ich mache jetzt die Behandlungen.‘“ Bülter erhielt zwei Chemotherapien, wurde operiert und bekam eine Strahlentherapie. Das dauerte knapp ein Jahr. Wie gefährlich Brustkrebs ist, zeigte der Tod von Tatjana Patitz im Jahr 2023.

yeswecan!cer 2026
Elena Semechin und Patrice Aminati mit Tanja Bülter auf der Purple Stage bei yeswecan!cer im Juni 2026.© FUNKE Foto Services | Svenja Hanusch

Kühlkappe, Homeoffice und eine ehrliche Ansage an die Kinder

Um ihre Haare zu schützen, trug sie während der Chemo eine Kühlkappe. Damals boten in Berlin nur zwei Praxen das an. „Ich bin ja Journalistin, da habe ich die Methode ausfindig gemacht“, lacht sie. Sie verlor nach eigener Schätzung etwa 30 Prozent ihrer Haare. Eine Perücke brauchte sie nicht.

Weiterarbeiten konnte sie auch, weil die Corona-Zeit viel Homeoffice mit sich brachte. RTL kam ihr entgegen. Ihren Kindern gegenüber folgte sie dem Rat einer Kinderpsychologin: „Sei möglichst ehrlich, aber schüre nicht viel Angst.“ Sie erklärte ihnen, dass sie in den nächsten Monaten oft im Krankenhaus sein werde und die Kinder selbstständiger werden müssten. „Mein Sohn hat gesagt: ‚Mama, ich google alles, was dir guttut.‘“

Mindset, Meditation und eine neue Ernährung

Während der Therapie beschäftigte sich Bülter erstmals intensiv mit Gedankensteuerung, Nervenregulierung und Meditation. Zuvor galt für sie eher „höher, schneller, weiter“, mit viel Arbeit und viel Sport. „Ich habe mich nie so sehr mit mir selbst auseinandergesetzt.“ Affirmationen, Atemübungen und Meditation nennt sie „einen Gamechanger“.

Bei der Ernährung probierte sie verschiedene Formen aus. Eine vegane Ernährung vertrug sie nicht, ihre Blutwerte verschlechterten sich. Geblieben ist eine gesunde Mischkost. Wenig Fleisch, kaum Zucker und Weizen. Über ihre Reise durch diese schwere Zeit schrieb sie das Buch „Brust raus“, das bis heute eine Art Ersthelfer für viele Krebspatienten ist.

YES!CON 2026 - Pink Stage
Beim Panel des Formats „Hallo Doc! Blasenkrebs“ auf der Pink Stage bei der YES!CON in der Station: Karl Repke, Verena Haase, Thorsten Schlomm, Tanja Bülter und Mickie Krause.© FUNKE Foto Services | Joerg Carstensen

Vom Dinner zum Netzwerk: Tanjas Channel

Nach dem Jahr der Behandlung fragte sich Bülter, was für sie sinnstiftend ist. „Entertainment ist für mich nicht die absolute Sinnhaftigkeit.“ Sie bildete sich zur Resilienztrainerin und zum systemischen Coach aus und coachte Frauen, meist online, teils vor Ort. Im Frühjahr 2024 begann sie, Frauen aus ihrem Umfeld zu Abendessen einzuladen. Ein Jahr lang gab sie fast jeden Monat ein Dinner mit etwa zehn Frauen.

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„Alle sind glücklich herausgegangen, mit neuen Kontakten und Impulsen.“ Weil Freundinnen sie drängten, mehr daraus zu machen, gründete sie schließlich ein Netzwerk namens „Tanjas Channel“. Es hat heute rund 100 Mitglieder, die meisten in Berlin. Dazu gehören eine Coaching-Plattform, die weiterhin beliebten Dinner, Retreats und größere Events. Außerdem betreut sie die Youtube-Formate „Hallo Doc“ und „Talking Health“.

Geschäftsmodell? „Ich zahle drauf“

Frauennetzwerke stehen manchmal im Verdacht, vor allem ein Geschäftsmodell zu sein. Bülter widerspricht für ihr Netzwerk: „Wirtschaftlich bin ich eine miserable Unternehmerin, ich zahle drauf.“ Die Mitgliedschaft kostet 299 Euro im Jahr. Das Angebot soll bezahlbar sein und Frauen in ganz Deutschland offenstehen. Neue Mitglieder lernt sie vorher persönlich oder digital kennen oder sie werden von Mitgliedern empfohlen.

Aus dem Netzwerk sind laut Bülter konkrete Kontakte entstanden. Eine Ernährungsmedizinerin und eine Hormonärztin fanden sich bei einem Abend und empfehlen nun gegenseitig ihre Patientinnen. Eine PR-Agentur fand Unterstützung, eine Möbelrestauratorin neue Aufträge. „Und manchmal geht es auch einfach um eine Babysitterin.“

Frauengesundheit als Schwerpunkt

Ein Schwerpunkt ist die Frauengesundheit. Für sie sei das „ein echtes Problem“, weil das Thema oft stiefmütterlich behandelt werde. Im Januar 2027 folgt ein Abend zum Thema Libido.

Brustkrebs-Aktionsmonat Pinktober in Berlin

Mammografie-Screening: Frauen von 50 bis 69 Jahren mit Hauptwohnsitz in Berlin bekommen automatisch alle zwei Jahre eine Einladung der Zentralen Stelle. Die zentrale Terminvergabe für ein Screening ist hier erreichbar.
Kostenlose Beratung: Das Infonetz Krebs der Deutschen Krebshilfe berät persönlich und kostenfrei.
Beratung vor Ort: Die Krebsberatung Berlin – Psychosoziale Beratungsstelle e.V. sitzt in der Cranachstraße 59, 12157 Berlin. Das Brustzentrum im Vivantes Klinikum am Urban in Kreuzberg bietet Beratung an.
Pink Ribbons & Armbänder: An der Rezeption des Westin Grand Hotels in der Friedrichstraße erhalten Gäste gegen eine Spende (ab 5 Euro) eine pinkfarbene Schleife oder ein Armband.
Eisbären Berlin („Pink in the Rink“): Das Eishockey-Team unterstützt die Kampagne mit versteigerten Pink-Trikots.
Hertha BSC: Versteigerte eine pinkfarbene Kapitänsbinde für 5100 Euro, die den DRK-Kliniken Westend zugute kam.