Die Gamingwelt Xperion von „Saturn“ am Alexanderplatz in Berlin-Mitte vibriert am Freitagabend. Etwa 300 Menschen haben Tickets für einen Launch-Event ergattert und quetschen sich in die dritte Etage rund um Tische mit aufgeklappten Laptops und Gaming-PCs. Sie wollen den neuen „Supercomputer“ alias „NVIDIA RTX Spark“ sehen und natürlich ihn: Jensen Huang.

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Den mächtigen Tech-Milliardär aus dem Silicon Valley. Wer die treibende Kraft hinter dem weltweiten Boom der Künstlichen Intelligenz sucht, kommt an ihm nicht vorbei. Ob beim Schreiben von E-Mails mit ChatGPT, bei der automatisierten Bilderkennung in Berliner Arztpraxen, oder der Bilderzeugung mit KI, hinter all dem steckt die Technologie von NVIDIA.

Nun lanciert der mächtige Chiphersteller also einen Computer. Nicht irgendeinen. „Es ist der PC von morgen, den man heute schon kaufen kann, eine Reinvention des PCs“, sagt Jensen Huang gegenüber der Morgenpost. „In dem Gerät stecken 30 Jahre Arbeit, vier davon allein für den Chip“, fügt er hinzu.

Was der „Supercomputer“ kann

Normalerweise hat ein Computer zwei getrennte Gehirne: den Hauptprozessor (CPU) und die Grafikkarte (GPU). Beim Spark hat NVIDIA diese beiden Gehirne auf einen einzigen Chip zusammengeschweißt. Weil sie so nah beieinander liegen, können sie Daten rasant austauschen. „Stell dir vor, zwei Kollegen sitzen nicht mehr in verschiedenen Büros, sondern teilen sich denselben Schreibtisch“, sagt ein NVIDIA-Mitarbeiter sinngemäß. Der Spark hat so viel Power, dass er riesige KI-Modelle komplett ohne Internet direkt auf dem Gerät berechnen kann. Seine Rechenleistung: „1 Petaflop“.

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Jensen Huang - Der Visionär in der Lederjacke

Während andere Tech-Ikonen wie Elon Musk die Schlagzeilen mit privaten Eskapaden füllen, gründete Huang 1993 in Kalifornien ein Unternehmen, das er still und leise zum wertvollsten Halbleiter-Imperium der Welt aufgebaut hat. Der Nvidia-Gründer hat mit seinen Grafikprozessoren und der „CUDA-Plattform“ die Infrastruktur geschaffen, ohne die Systeme wie ChatGPT überhaupt nicht existieren würden.

Was ist über Jensen Huang bekannt? Ein Workaholic, der immer Schwarz trägt. Auch am Freitagabend in Berlin. Der 63-Jährige soll sieben Tage die Woche ohne Pause arbeiten und sein Unternehmen flacher als fast jeder andere Tech-Gigant führen.

Das Ziel des NVIDIA-Chefs ist ehrgeizig. Er will den „KI-Supercomputer“ in Deutschland nicht nur auf den Markt bringen. Am Montag spricht er auch mit Bundeskanzler Friedrich Merz über eine tiefgreifende Kooperation beim Einsatz von KI in der Industrie.

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Die Bundesregierung plant dafür eine staatliche Anschubfinanzierung im dreistelligen Millionenbereich. Das Geld soll unter anderem dazu dienen, Rechenkapazitäten bei der Deutschen Telekom zu mieten.

Unternehmen könnten so auf leistungsstarke KI-Rechenzentren zugreifen, ohne selbst Millionen in eigene Hardware zu investieren. Nvidia ist seit Jahren Weltmarktführer bei KI‑Chips. Nun überlegt Huang, in Deutschland große Investitionen zu tätigen. Konkrete Summen oder Standorte sind bislang nicht bekannt.

„Berlin ist ein besonderer Standort“

Huang betont die enge Verbindung seines Unternehmens zur Hauptstadt. „Wir haben schon sehr lange ein Büro hier“, sagt er. Am Montag hat er Mitarbeiter geehrt, die vor 24 Jahren bei Nvidia angefangen haben. Aktuell arbeiten in Berlin 150 Forscher für das Unternehmen, sagt er. Ihre Themen sind Robotik, autonomes Fahren, Computergrafik, Telekommunikation und KI.
Berlin sei ein besonderer Standort, so Huang, weil die Stadt sehr international geprägt sei und Wissenschaftler aus aller Welt anziehe. „Wir schätzen unseren Standort hier von ganzem Herzen.“

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Enge Partner in der deutschen Industrie

Für Nvidia ist Deutschland vor allem als Industriestandort wichtig. Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit der Autobranche. „Wir arbeiten mit der Branche über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs hinweg zusammen“, sagt Huang. Das reicht vom Design und der Konstruktion über Simulation und Fertigung bis zur Technik in autonomen Fahrzeugen. Die Partnerschaft mit Mercedes besteht schon lange, ebenso die mit Audi. Wichtig seien außerdem Siemens und Schaeffler. Den Namen des Zulieferers sprach Huang selbst nach und fragte lachend, ob er ihn richtig ausgesprochen habe. Schaeffler nennt er „einen engen Freund und großartigen Partner“.

Kein zweiter Hauptsitz in Berlin

Hoffnungen auf eine europäische Nvidia-Zentrale in der Hauptstadt dämpfte Huang. „Der Hauptsitz von Nvidia ist dort, wo ich gerade bin“, sagte er. „Wir brauchen nur einen Hauptsitz, mehr ist nicht erforderlich.“ Weltweit habe das Unternehmen aber hervorragende Niederlassungen, auch in Berlin. NVIDIA hat in Berlin zwei relevante Adressen für seine deutsche Tochtergesellschaft NVIDIA ARC GmbH registriert, die in den Bezirken Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf liegen.

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Was bedeutet das alles für Deutschland?

Für die deutsche Wirtschaft geht es um die Frage, ob die Industrie bei KI den Anschluss halten kann. Leistungsfähige Rechenzentren sind dafür eine Voraussetzung. Ob aus den Gesprächen im Kanzleramt konkrete Investitionen werden, dürfte sich in den nächsten Wochen zeigen.