Totgesagte leben länger: Entgegen vieler Prognosen haben E-Books das gedruckte Buch nicht abgelöst. Physische Bücher bleiben das bevorzugte Lesemedium der Deutschen. Nur knapp acht Prozent aller Bücher werden hierzulande digital konsumiert. Davon profitiert auch der Boutique-Verlag Books on Mars in Berlin-Mitte. Zum Unesco-Welttag des Buches am 23. April stellt die Morgenpost den Verlag aus Berlin vor.

Mitten in der Pandemie, im Jahr 2021, hat Antonia Schulemann „Books on Mars“ in Mitte gegründet. Books on Mars ist Teil der GH Medienhaus Berlin GmbH mit über 10 Mitarbeitenden. Mit dem fast gleichnamigen KI-Start-up „Birds on Mars“ hat der Kleinverlag aber nichts zu tun. „Der Name bedeutet, dass wir Bücher für die Zukunft, also quasi auf dem Mars, verlegen.“ Warum hat sich Schulemann den Innenstadtbezirk ausgesucht? „Ich war schon hier, als es noch billig war“, lacht sie. „Und die Große Hamburger Straße ist einfach die Pulsader des Kreativen.“ Bei Books on Mars gehe es um ein „althergebrachtes Produkt“, das gedruckte Buch. Die Frage sei aber: „Wie bringe ich es in die Zukunft?“

Kleiner Mainstream-Verlag mit großen Beststellern
Wie kam Antonia Schulemann dazu, in Zeiten der Digitalisierung einen klassischen Buchverlag zu gründen? „Ich bin selbst Schriftstellerin und habe sozusagen eine geschäftstüchtige Prägung bekommen“, erklärt sie. Wie muss man sich das vorstellen? „Mein Vater ist mit uns ins Kino gegangen, nur damit wir Werbung gucken und sie analysieren.“ Ihr Vater habe das sogenannte „fraktale Marketing“ erfunden. Eines Tages habe Schulemann sich gedacht: „Es wäre toll, wenn man die Methoden dafür verwenden könnte, statt Produkte gute Inhalte an den Mann und die Frau zu bringen.“
Welches sind denn die Bestseller von Books on Mars? Redaktionsleiterin Alicia Franze: „Eines heißt ,The Breakup Healing Guide‘. Der Trennungsratgeber wurde von der Steglitzerin Julia Wolf verfasst. Das andere ist ein ,Spiegel‘-Bestseller namens ,Geld im Glück‘. Er handelt von finanzieller Selbstfürsorge.“ Haben denn alle Bücher einen Berlin-Bezug? „Nein“, sagt Antonia Schulemann. „Wir haben viele Autoren und Autorinnen aus Berlin, aber nur drei Bücher mit konkretem Berlin-Bezug.“ Wie heißen diese?

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Das eine heißt „Big in Berlin“, berichtet Alicia Franze. Darin erzählen 20 Frauen von ihrem persönlichen Weg zum Erfolg, auch Frauennetzwerkerin Tijen Onaran und Ex-Verkehrssenatorin Manja Schreiner. Das zweite Buch, „Berlin 2048“, ist eine Zukunftsvision, die ziemlich nah an die Realität herankommt, fasst Alicia Franze zusammen. Wie kann man das Verlagsprogramm beschreiben? „Wir sind Mainstream, politisch neutral, positionieren uns aber gegen rechts.“



