• Die „Fischerpinte“ war lange Zeit ein beliebtes Ausflugsziel am Plötzensee
  • Doch seit dem Tod der Pächter ist das Grundstück verweist
  • Warum das Bezirksamt die Anlage nicht neu vermieten will

Bunte Tretboote, ein kühles Bier, die Beine baumeln im Plötzensee. Das war die „Fischerpinte“ in Berlin-Wedding. Zumindest bisher. Nach einem knappen Jahrhundert als Ausflugslokal mit Ruderbootverleih ist Schluss. Das von Pflanzen überwucherte Metalltor ist zu. Mit dem kürzlichen Tod von Betreiber Wolfgang Düring steht die „Fischerpinte“ vor dem Aus. Die Sachlage ist kompliziert. Aber für das Bezirksamt Mitte steht fest: Einen neuen Mietvertrag soll es nicht geben. Stattdessen soll die Natur Vorrang bekommen.

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Die „Fischerpinte“ ist nur einen Katzensprung von der Seestraße entfernt gelegen. Schräg gegenüber auf der Westseite befindet sich das Strandbad Plötzensee. 35 Jahre lang war Düring der Pächter. Der Vertrag war noch mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geschlossen und 2002 mit jährlicher Verlängerung vom Bezirk übernommen worden.

Fischer-Pinte am Plötzensee muss nach dem Tod des Betreibers schließen
Der Eingang zur „Fischerpinte“ in Berlin-Wedding ist ein unscheinbares Tor. Dahinter gelangt man über ein paar Stufen an den Plötzensee. © FUNKE Foto Services | Joerg Carstensen

„Fischerpinte“ muss weichen: Bezirksamt plant Rückbau der Holzhütte

Nun, da Düring tot ist, falle die Fläche an das Bezirksamt zurück und solle als Grün- und Erholungsfläche für die Allgemeinheit genutzt werden. Die kleine Holzhütte, von der aus Kaltgetränke angeboten und der Verleih geregelt worden war, müsse zurückgebaut werden. Dies sei vertraglich so geregelt und komme jetzt auf die Erben Dürings zu. Ein rein erwerbswirtschaftlicher Betrieb, insbesondere ein kommerzieller Bootsverleih, sei ausgeschlossen, heißt es vom Bezirksamt Mitte. „Für die Zukunft kann ich mir vorstellen, dass an dem Ort ein entspannter Aufenthalt am Ufer möglich bleibt – vor allem müssen aber die Naturschutzbelange berücksichtigt werden“, sagte Bezirksstadtrat Christopher Schriner laut Mitteilung.

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Offiziell ist das Strandbad der einzige Ort, der über Gebäude verfügen darf. Die „Fischerpinte“ verstieß eigentlich immer gegen geltenden Naturschutz. „Ein Bootsverleih mit gastronomischer Nutzung ist im Landschaftsschutzgebiet nicht mit dem Umwelt- und Uferschutz vereinbar“, erläutert eine Sprecherin des Bezirksamts Mitte auf Nachfrage unserer Redaktion.

Fischer-Pinte am Plötzensee muss nach dem Tod des Betreibers schließen
Blick auf ein zugewachsenes Schild der „Fischerpinte“ am Plötzensee.© FUNKE Foto Services | Joerg Carstensen

Landschaftsschutzgebiet erschwert Lösungen für „Fischerpinte“

Für eine Ausnahmeregelung im Landschaftsschutzgebiet müsste das Umwelt- und Naturschutzamt zustimmen. Der Schutz der Uferbereiche sowie der Nist- und Brutplätze stehe jedoch im Widerspruch dazu. Das Grundstück ist eine mit Zaun eingefriedete Teilfläche des Flurstücks 615 der Flur 19 in der Gemarkung Wedding. Offiziell ist sie als öffentliche Grün- und Erholungsanlage nach dem Berliner Grünanlagengesetz gewidmet. Die Fläche ist zudem Bestandteil des Landschaftsschutzgebietes 6 „Volkspark Rehberge“ einschließlich des Plötzensees mit Ufergelände.

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Wie vom Bezirksamt außerdem zu erfahren war, hatte man bereits mit Pächter Wolfgang Düring über Veränderungen in der „Fischerpinte“ verhandeln wollen. Veränderungen, die besser mit dem Naturschutz vereinbar seien. „In den vergangenen Jahren hat das Bezirksamt versucht, eine einvernehmliche Lösung mit dem Pächter zu finden, um an dem Ort eine umweltgerechte Entwicklung eines Aufenthaltsangebotes prüfen zu können“, so die Sprecherin.

„Fischerpinte“ bietet günstiges Naturerlebnis für Menschen im Wedding

Die Gespräche seien aber nicht wie gewünscht zustande gekommen. „Hierbei wurde dargelegt, dass die Klärung einer möglichen Nutzungsübergabe zwingend zu Lebzeiten und einvernehmlich mit dem Pächter zu erfolgen hat. Das Bezirksamt hatte hier auf eine baldige Rückmeldung gehofft, um noch zu Lebzeiten des Pächters eine gute Lösung finden zu können“, sagt die Sprecherin.

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Für die Menschen im Wedding und aus der Umgebung stellte die „Fischerpinte“ eine atmosphärische Möglichkeit dar, kostengünstig Natur zu erfahren. Das Lokal war zudem ein seenaher Ort, der dazu beitrug, die geschützten Ufer zu schonen. Gerade mit Blick auf die vielen Wildbader, die jeden Sommer die sensiblen Uferbereiche zertrampeln, schaffte die „Fischerpinte“ ein bisschen Entlastung.