„Wird die Demokratie überleben, wird die Menschheit und unser Planet überleben?“ steht auf der großen Fotowand im Hotel Adlon. Diese drängenden Fragen stehen beim Cinema-for-Peace-Event, dessen World Forum noch bis 20. Februar fortgeführt wird, im Zentrum. Die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton hielt beim World Forum eine eindringliche Rede über „die Zukunft der Demokratie, AI/Tech und die Menschheit“. Später fanden sich die Gäste zur eleganten Gala im Adlon zusammen. Wie im Vorjahr fand Bob Geldof vernichtende Worte gegenüber Donald Trump. Und Hillary Clinton applaudierte heftig.

Einer der Gäste des mehrtägigen Events war die PR-Expertin Stephanie Oberbeckmann, die früher Helmut Kohl und Richard von Weizsäcker beriet. „Es hat mich wirklich umgehauen, was Hillary Clinton gesagt hat, wie bedroht die Demokratie weltweit ist“, erklärt sie. „Es gab auch eine Konferenz über Elon Musk, die der Frage nachging, ob KI nicht schon längst die Macht übernommen hat.“
Cinema for Peace vereint Schlüsselakteure aus Politik und Kultur
Die Berliner Anwältin Michaela Mumm von Oldenburg besucht die Veranstaltung seit zehn Jahren. Sie sagt: „Ich bin jedes Jahr aufs Neue begeistert von dem Umstand, dass Cinema for Peace es schafft, die wirklich wichtigen Menschen zusammenzubringen. Diese Gala ist kein Eitelkeitslauf. Sie ist ein seltenes Zusammentreffen von politischer Macht, moralischer Autorität und kultureller Reichweite. Demokratie gegen Autokratie, Menschenrechte gegen Terror, Wahrheit gegen Propaganda, Überleben gegen Zynismus.“
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Die Gästeliste des Cinema-for-Peace-Events am Abend im Hotel Adlon war tatsächlich hochkarätig: Dabei war zum Beispiel der äthiopische Epidemiologe und Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Gebreyesus, oder der venezolanische Maduro-Kritiker Leopoldo Lopez, der zum Symbol für gewaltfreien Widerstand gegen das autoritäre System in Venezuela wurde und nun im Exil weiter für Frieden und Demokratie kämpft. Außerdem die weißrussische Bürgerrechtlerin Swjatlana Zichanouskaja, die nach der Inhaftierung ihres Mannes beim Wahlkampf 2020 an seine Stelle trat und nun im Exil lebt.
Friedensnobelpreisträgerin warnt vor neuer atomarer Bedrohung
Eingeladen zur Gala war auch die britische Nobelpreisträgerin Rebecca Johnson. Die 71-jährige Physikerin ist Gründungs-Co-Vorsitzende der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN), die 2017 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. „Ich bin 1981 zum ersten Mal nach Berlin gekommen“, erinnert sie sich. „Aber jetzt ist die Situation wieder genauso bedrohlich wie zu Zeiten des Kalten Krieges.“ Die Entwicklung, Erprobung, Herstellung, der Besitz, die Lagerung, der Einsatz und die Androhung des Einsatzes von Atomwaffen seien seit 2021 offiziell illegal, so Johnson – doch die Staaten, die Atomwaffen besitzen, ignorierten das.

Die Galagäste, die kostspielige Tickets erworben hatten, waren aus New York, London, Sibirien, Tel Aviv oder Südafrika angereist. Eine Auktion bot ein privates Treffen mit Hillary Clinton oder „Teatime mit Bob Geldof“ an. Auch für Elton Johns Oscar-Party konnte man zwei Tickets ersteigern. Am Ende wurde die Cinema-for-Peace-Taube für besondere Filme und Dokumentationen und an engagierte Menschen verliehen.
Ausgezeichnet wurde der Film „Die Stimme von Hind Rajab“ über ein palästinensisches Kind, das im Krieg getötet wurde. Und zugleich wurde Noam Tibon, zentrale Figur des kanadischen Dokumentarfilms „The Road Between Us“, geehrt – für die Rettung seiner Familie während des Hamas-Terrorangriffs am 7. Oktober 2023. Zwei Perspektiven. Zwei Abgründe. Ein gemeinsamer Nenner: Unschuldige bezahlen den Preis.
Impressionen von der Cinema for Peace Gala und dem World Forum 2026
Friedensbotschaften von Albie Sachs und Leopoldo López beeindrucken
Einer der Momente, die man nicht vergisst, war die Würdigung des ehemaligen südafrikanischen Verfassungsrichters Albie Sachs. Ein Mann, dessen Körper die Geschichte der Gewalt erzählt – Autobombe, verlorener Arm – und der trotzdem oder gerade deshalb für gewaltlosen Widerstand, Rechtsstaat, Menschenwürde und Versöhnung steht. Wenn so jemand über Frieden spricht, klingt Frieden nicht weich – sondern radikal klar.

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Und dann: Leopoldo López. Ihn live zu hören, ist etwas anderes, als ihn zu lesen. Da ist eine Energie, die man nicht inszenieren kann – und eine Überzeugung, die nicht geschniegelt daherkommt, sondern erarbeitet ist: durch Haft, Druck, Exil. Wenn man Leopoldo López live hört, dann weiß man, weshalb Maduro ihn einsperren ließ: Wenn er die Stimme erhebt, lauscht das Publikum gebannt.
Ebenfalls berührend das Einzelschicksal des erst elfjährigen Roman Oleksiv. Der ukrainische Junge ist bekannt aus dem Dokumentarfilm „Children in the Fire“. Bei einem russischen Bombenangriff auf ein Krankenhaus hatte er 2022 seine Mutter verloren. Durch eine Behandlung im Universitätsklinikum Dresden hat der Junge trotz 45 Prozent Verbrennungen, auch im Gesicht, mit Unterstützung der EU knapp überlebt. Von Polen aus waren Roman und sein Vater Jaroslav mit einem von der Deutschen Flugambulanz bereitgestellten Spezialflugzeug für den Transport von Intensivpatienten nach Deutschland geflogen worden.
„Heute bin ich hier, um euch zu zeigen, was der Krieg den Kindern antut. Ich spreche als Stimme der ukrainischen Kinder. Kinder wollen träumen, Kinder wollen in die Schule gehen, Kinder wollen glücklich sein, aber der Krieg hat alles zerstört.“ Der Elfjährige, der mit seinem Vater drei Jahre in Dresden gelebt hat, spricht perfekt deutsch. Er will nach der Gala aber wieder in die Ukraine zurückkehren, egal, wie gefährlich es ist. Der Grund: „Es ist doch mein Zuhause. Ich habe nur diese eine Heimat.“
Geschichte von Cinema for Peace
Der Filmproduzent, Autor und Menschenrechtsaktivist Jaka Bizilj hat die Initiative Cinema for Peace 2002 als Reaktion auf die Terroranschläge des 11. September 2001 gegründet. Der größte Coup der Cinema for Peace Foundation war bisher die Überführung des vergifteten Kremlkritikers Nawalny (✝ 2024) in die Charité Berlin im Jahr 2020, wo er noch einmal gerettet werden konnte. Nach seiner Rückkehr nach Russland ist Nawalny dann in einem Arbeitslager verstorben.






















