Wie will Berlin die Friedrichstraße gestalten? Dazu hat der Berliner Senat am Montag ein klares Ziel formuliert: „Wir als Senat wollen die Friedrichstraße wieder zu einem urbanen Boulevard entwickeln“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) im Roten Rathaus. Gemeinsam mit Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU), Handelsvertretern sowie Anja Schröder vom Aktionsbündnis Rettet die Friedrichstraße wurde ein Plan vorgestellt, der mit minimalen Umbauten große Ergebnisse erzielen soll. Nämlich wieder mehr Menschen zum Einkaufen in die einst prächtige Straße zu locken.

Der Senat will sich aber keineswegs gleich der gesamten Friedrichstraße widmen. Im Fokus steht der Abschnitt zwischen Unter den Linden und Schützenstraße. Unter anderem der Checkpoint Charlie und der gesamte Kreuzberger Teil der Straße bleiben unberührt. Indem die Bürgersteige verbreitert werden, finden Gastronomen mehr Fläche für Stühle und Tische vor. Bei der Gestaltung will man sich an den vorhandenen Granitbordsteinen und Kleinmosaiksteinen orientieren.
Friedrichstraße: Bäume und Tempo 30 geplant
Auch Bäume und Versickerungsflächen soll es in der Friedrichstraße der Zukunft geben. Bäume hatte sich die Verkehrssenatorin bislang nicht vorstellen können. „Wegen der Leitungen in den Straßen und der darunter verlaufenen U-Bahn“, so Bonde. Möglich wird das, indem die Bäume in Pflanzkübel kommen. Der Verkehr soll nicht ausgeschlossen werden, sondern weiter durch die Straße fahren. Dann mit maximal 30 km/h. Um Fläche zu gewinnen, werden die Parkplätze verschwinden.
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Die Vorschläge stammen von Tobias Nöfer, Vorstandsmitglied des Architekten- und Ingenieurvereins zu Berlin-Brandenburg, und seinem Team. „Das Projekt ist mustergültig“, so Nöfer. Heute wirke die Friedrichstraße zu autogerecht und unfreundlich. Das sieht offenbar nun auch der CDU-geführte Senat, für den es in der Vergangenheit stets wichtig gewesen war, die Interessen der Autofahrer zu wahren. Im Zentrum steht laut Wegner nun „ein gut gestalteter Raum, der allen mehr Aufenthaltsqualität bietet“, so der Regierende Bürgermeister.
Friedrichstraße: Viele Gewerbeeinheiten stehen leer
Abgestimmt worden sei er bereits mit Gewerbetreibenden: Anja Schröder, die an der Anton-Wilhelm-Amo-Straße einen Weinladen betreibt, hatte sich hartnäckig gegen die Teilsperrung der Friedrichstraße vor zwei Jahren gestellt und saß am Montag nun mit Kai Wegner und Ute Bonde in einer Reihe. Bevor ein Umbau beginnt, wird es jedoch eine Machbarkeitsstudie geben, sodass am Montag weder ein Zeitplan noch Kosten genannt werden konnten.
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Die Straße besteht neben Cafés, Restaurants und Modegeschäften auch zu großen Teilen aus Büros. Viele Gewerbeeinheiten stehen leer. Anja Schröder sprach am Montag von 70 Prozent. Daran dürfte auch der Auszug des französischen Luxuskaufhauses Galeries Lafayette im Sommer 2024 beigetragen haben. Dabei zählt die Friedrichstraße noch immer zu einer der meist frequentierten Routen Berlins. An einem Montag passieren durchschnittlich 19.033 Menschen die Friedrichstraße. Das hat das Unternehmen Hystreet mithilfe eines fest installierten Laserscanners in der Straße ermittelt. Dieser liefert Live-Daten über Besucherzahlen.

Friedrichstraße: Sperrung als Wendepunkt der Entwicklung
Und trotzdem wird der Friedrichstraße von vielen Seiten oft der Untergang als Geschäftsstraße vorausgesagt. Die Industrie- und Handelskammer Berlin hatte hohen Leerstand und strukturelle Herausforderungen als Kernprobleme herauskristallisiert. Gleichzeitig attestiert die IHK der Friedrichstraße aber auch große Entwicklungspotenziale. Das tut auch Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. War er bislang noch der Ansicht, der Wegfall von Parkplätzen schade dem Handel, vertrat er nun eine andere Haltung. „Die Friedrichstraße kann mit den vorgeschlagenen Maßnahmen wieder belebt werden.“
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Als Verstärker der eh schon schlechten Entwicklung identifizierten am Montag alle Beteiligten die kurzzeitige Sperrung der Straße. Der rot-grün-rote Vorgängersenat hatte Ende Januar 2023 einen rund 500 Meter langen Abschnitt nahe dem Gendarmenmarkt für Autos sperren lassen. Die Grünen-Politikerin Bettina Jarasch, damals Verkehrssenatorin, sah darin einen Beitrag dazu, Berlins historische Mitte „fußgängerfreundlich“ zu gestalten. Auf die Fahrbahn kamen Sitzmöbel. Der Ansatz war ähnlich dem nun präsentierten. Nur wollte man die Friedrichstraße damals gänzlich vom Verkehr frei machen. Schon bald nach der Regierungsbildung wurde das Teilstück der Friedrichstraße wieder für den Autoverkehr freigegeben, die Sitzmöbel verschwanden.
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Gericht kippte Auto-Sperrung in der Friedrichstraße
Gegen die Sperrung selbst ging etliche Gewerbetreibende und Anwohner auf die Barrikaden. Sie machten allein den gesperrten Abschnitt für schwindende Umsatzzahlen verantwortlich. Unberücksichtigt blieb der Einfluss des Online-Handels, der Inflation und die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Einkaufsverhalten. Der Straßenabschnitt zwischen Leipziger und Französischer Straße war von August 2020 bis November 2022 schon einmal für Autos dicht. Er musste aber nach einer Gerichtsentscheidung, wonach es dafür nach Abschluss eines Verkehrsversuchs 2021 keine Rechtsgrundlage gab, wieder freigegeben werden.
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Erste Reaktionen auf die Senatspläne gibt es bereits: So begrüßt der BUND Berlin, dass den Fußgängern mehr Platz zugesprochen wird. Gelobt wurde zudem die geplante Entsiegelung rund um Straßengullys, weil so Wasser aufgenommen werden könne und man mehr für den Hitzeschutz der Stadt tun könne. Im Bezirk Mitte, aus dem kein Vertreter am Montag anwesend war, reagiert man verhaltener ob der Vorgehensweise des Senats: „Die mangelnde Einbindung des Bezirks in die Diskussion über die Zukunft dieses bedeutenden Stadtraums ist ein interessantes Novum“, so Verkehrsstadtrat Christopher Schriner. Er begrüße jedoch die Umgestaltung mit Blick auf aktuelle Fragen.
mit dpa







