Eine Gabriele-Tergit-Promenade gibt es in Berlin bereits. Sie mündet auf den Potsdamer Platz in Mitte, in der Nähe ihrer ehemaligen Wohnung, in der sie mit ihrem Mann Heinz Reifenberg bis 1933 gewohnt hatte. Seit dem 8. Oktober 2025 gibt es in Berlin-Tiergarten nun auch eine Gedenktafel für die Journalistin Gabriele Tergit (1894–1982). Die jüdische Gerichtsreporterin und Schriftstellerin, die Hitler ein Dorn im Auge war, konnte der Verhaftung durch die Gestapo 1933 entgehen, indem sie einfach nicht die Tür öffnete. Danach emigrierte sie über Palästina nach London. Hinter der neuen Ehrung in Berlin für Tergit steckt ein Programm des Landes Berlin, eingebunden in das Förderprogramm Historische Stadtmarkierungen des Kultursenats.

Gedenktafel für Gabriele Tergit
Staatssekretär Oliver Friederici (CDU), Tergit-Biografin Nicole Henneberg und GASAG-Sprecherin Simone Ertel enthüllten eine Gedenktafel für die Journalistin Gabriele Tergit (v.li.n.re.).© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Seit Mittwoch hängt nun eine Gedenktafel in Siegmunds Hof 21, am Nachbargebäude des zerstörten Wohnhauses, in dem sich die letzte Wohnung befunden hatte, die Gabriele Tergit in Berlin bewohnt hat. Die weißen Porzellantafeln werden von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) hergestellt. Die Recherche für den Tafeltext und die Organisation der Enthüllung lagen bei dem Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin, der sich seit 2013 bei der Umsetzung des Berliner Gedenktafelprogramms engagiert. Hauptsponsorin des Berliner Gedenktafelprogramms, das die Tafel für Gabriele Tergit finanziert hat, ist die GASAG.

Tergit: Worte für die Ewigkeit

Gedenktafel für Gabriele Tergit
Blick auf die frisch enthüllte Gedenktafel für Gabriele Tergit.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

„Diese Luft aus Freiheit, Frechheit und Benzin“, die Berlin ausmachen, beschrieb Gabriele Tergit in ihrem Familien-Epos „Effingers“ sehr treffend. Der Roman im Stile der „Buddenbrooks“, erstmals erschienen 1951, wird gerade vom Literaturbetrieb wiederentdeckt. Seit 1915 schrieb sie unter anderem für das Berliner Tageblatt, die Weltbühne und die BZ.

Tergit Literaturkalender
Gabriele Tergit - Portrait veröffentlicht im Januar 1933 in "Spemanns Literaturkalender".© BM | Moses Mendelssohn Stiftung Berlin/Erlangen

Unvergessen sind Tergits Gerichtsreportagen aus dem Kriminalgericht Moabit: Der unerschrockene Anwalt Hans Litten, der vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 gegen rechte Schlägertruppen vorging und Adolf Hitler in den Zeugenstand zwang, wurde durch Gabriele Tergit der Nachwelt erhalten, auch wenn er 1938 im KZ ermordet wurde.

Der Künstlername „Tergit“ ist ein Pseudonym. Er wurde von Gabriele Tergit wegen ihrer Gerichtsreportagen als Anagramm (Schüttelwort) aus dem Wort „Gitter“ gebildet. Bürgerlich hieß sie nach ihrer Heirat mit dem Architekten Heinz Reifenberg eigentlich Doktor Elise Reifenberg. 1923 hatte sie als eine der ersten Frauen in Geschichtswissenschaft promoviert. 

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Warum Tergit eine Renaissance erlebt

Der Nachlass der Schriftstellerin Gabriele Tergit befindet sich seit 2014 im Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ) in Potsdam. Die Moses Mendelssohn Stiftung engagiert sich für dessen Erhalt und Erschließung. Der Nachlass umfasst über 4.500 persönliche Gegenstände und Zeitungsartikel. Durch Neuauflagen von Romanen wie „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ wurde Tergits Werk zeitgenössischen Lesern zugänglich.

Das Faszinierende sind die Parallelen der Weimarer Republik zur jetzigen Zeit. Im Theater im Palais in Mitte werden am 11. Oktober und 13. November Ausschnitte aus Tergits Gerichtsreportagen als szenische Lesung dargeboten. „Flankiert von Gitarrenmusik und filmischen Alltagsszenen der Weimarer Republik entführen uns die Tragödien um Reinheit, Klatsch und Schutzlosigkeit in eine Zeit, die so fern gar nicht ist“, heißt es im Programm.