Zerstörte Vielfalt

Gedruckte Wirklichkeit - Wie sich das Leben 1933 veränderte

Berlin erinnert an die Machtergreifung Hitlers vor 80 Jahren. Morgenpost dokumentiert mit originalen Zeitungsseiten das historische Geschehen.

Foto: Ullstein

Wie haben die Berliner die Machtübernahme Hitlers und den anschließenden Aufbau der braunen Diktatur wahrgenommen? Was haben sie davon mitbekommen, und wie hat sich ihr Leben verändert? Es gibt kaum eine bessere Methode, Antworten auf solche Fragen zu suchen, als das Blättern in alten Zeitungen. Zwar ist längst nicht alles wahr, was gedruckt erscheint; das war schon immer so, mal mehr, mal weniger. Dennoch lässt sich an Zeitungsartikeln feststellen, wie sich Lebenswirklichkeit verändert.

Auf Initiative des Vereins Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus hat sich der renommierte Kommunikationshistoriker Bernd Sösemann ganz intensiv mit der Wirklichkeit Berlins in jenem Jahr auseinandergesetzt und eine "Pressechronik 1933: Journalismus in der Diktatur" zusammengestellt. Der pensionierte Professor der Freien Universität hat sich die Bände der Morgenpost aus jenem ereignisreichen Jahr ganz genau angeschaut. Die Ergebnisse, pro Tag ein bis zwei ausgewählte und kommentierte Artikel aus der jeweiligen Ausgabe vor genau 80 Jahren, werden ab Donnerstag online veröffentlicht. Das Besondere: Am 30. Januar, dem Jahrestag der Machtergreifung gab es keine Berliner Morgenpost. Es war ein Montag. Und so wird auch in der Serie wöchentlich eine Lücke klaffen.

Für die Zeitung und ihre Eigentümer, die deutsch-jüdische Familie Ullstein, brachte das Jahr 1933 große Veränderungen zum Schlechten. Die Morgenpost, seinerzeit die größte Zeitung Deutschlands, galt als bürgerlich-liberales Blatt, der NSDAP im Allgemeinen und Adolf Hitler im Besonderen gegenüber sehr kritisch eingestellt. Doch binnen kurzem führte auch hier äußerer Druck, vor allem aber vorauseilende Anpassung zahlreicher Mitarbeiter zur Selbstgleichschaltung. Gleichzeitig ging das Alltagsgeschäft unverändert weiter.

Aus unmittelbarer Nähe betrachtet war dieser Prozess schleichend; erst aus Distanz und mit dem Wissen um die Folgen sind die Fehlentwicklungen leicht erkennbar. Sösemanns Auswahl macht genau diese Veränderungen Tag für Tag spürbar. So wird Zeitgeschichte lebendig.

Weitere Informationen finden sich auch beim Deutschen Presse-Museum.

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