Die Nationalsozialisten haben zahllose Kunstwerke von Verfolgten geraubt, sowohl innerhalb des deutschen Reichs von 1933 bis 1945, als auch in allen von den Deutschen während des Zweiten Weltkriegs besetzten Gebieten. Zurückgegeben wurde bislang nur ein kleiner Teil. Der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), deren Reform gerade Konturen annimmt, gelang im Dezember die Rückgabe von zwei Kunstwerken an ihre rechtmäßigen Besitzer. Der enge zeitliche Zusammenhang dieser beiden Rückgaben war „reiner Zufall“ heißt es auf Anfrage der Morgenpost vom SPK. „Rückgaben dieser Art haben immer monatelange, teils jahrelange Vorläufe bis zur Übergabe“ an ihre vormaligen, rechtmäßigen Besitzer.

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Die erste ist eine chinesische Dachreiterfigur. Sie hatte einst den Garten der Villa Fuchs in Berlin-Zehlendorf geschmückt. Der Kunsthistoriker Eduard Fuchs hatte nach dem Ersten Weltkrieg das von Ludwig Mies van der Rohe erbaute Haus Perls erworben und plante dort, seine große Kunstsammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Da Eduard Fuchs früh versuchte, Widerstand gegen die Nationalsozialisten zu organisieren, wurde er bereits ab Februar 1933 von den Nationalsozialisten verfolgt. Unmittelbar nach dem Reichstagsbrand floh er mit seiner Frau nach Frankreich. Er verstarb 1940 in Paris.
In Fuchs‘ Abwesenheit wurde seine Kunstsammlung von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Mit Hilfe von Unterstützern gelang es Fuchs Ende 1934 zwar, die Aufhebung der Beschlagnahme zu erwirken. Zur Bezahlung der Reichsfluchtsteuer musste jedoch ein Teil der Sammlung versteigert werden. Darum kümmerte sich Fuchs‘ Tochter aus erster Ehe, Gertraud Fuchs, gemeinsam mit Anwälten. Der „Dachreiter, eine 28 Kilo schwere Dachgiebelfigur, war zuletzt Teil der Sammlung des Museums für Asiatische Kunst im Humboldtforum.
„Die Erben von Eduard Fuchs sind sehr erfreut über die Rückgabe des Dachreiters“, heißt es in der Presemitteilung des SPK. Gehe damit doch die Anerkennung einher, dass Fuchs diesen nur deshalb verloren hat, weil er wegen seiner politischen Gegnerschaft gegen die Nationalsozialisten schon früh und intensiv von diesen verfolgt worden ist. Bekanntheit erlangte Fuchs vor allem durch die dreibändige „Geschichte der erotischen Kunst“ und das sechsbändige Werk „Illustrierte Sittengeschichte vom Mittelalter bis zur Neuzeit“, die ihm den Namen „Sitten-Fuchs“ einbrachten.
Geigerin: Sie galt seit 1939 als verschollen

Die zweite Figur, deren Besitzer erfolgreich ermittelt werden konnte, ist eine lebensgroße Marmor-Skulptur: „Die Geigerin“ schmückte einst das Foyer der Opéra Comique in Paris. Bis 1932 war das Werk des französischen Bildhauers Alexandre Falguière (1831–1900) im Foyer der drittältesten Theaterinstitution von Paris aufgestellt. Nach ihrer Überweisung ins Musée des Beaux Arts in Angers 1936, galt die Skulptur seit 1939 als verschollen. Die Zum Zeitpunkt der Inventarisierung lag die Alte Nationalgalerie auf dem Gebiet der DDR. Ein Transfer aus Frankreich in die DDR nach der Teilung Europas erscheint sehr unwahrscheinlich. Beide Parteien sind daher zu dem Schluss gekommen, dass die „Geigerin“ mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg nach Berlin verbracht wurde und sich noch immer im Eigentum des CNAP befindet. Die in der Alten Nationalgalerie verwahrte Figur wurde nun an Frankreich zurückgegeben.
Die Skulptur war vor ihrer Rückgabe in der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel aufbewahrt worden. In der Alten Nationalgalerie findet sich der erste Eintrag zu ihr im Jahr 1981: Damals wurde sie in das Inventar der Alten Nationalgalerie unter der Inventarnummer B II 95 aufgenommen und mit dem Vermerk „Besitzer nicht zu ermitteln“ versehen.
Zum Zeitpunkt der Inventarisierung lag die Alte Nationalgalerie auf dem Gebiet der DDR. Ein Transfer aus Frankreich in die DDR nach der Teilung Europas erscheint sehr unwahrscheinlich. Beide Parteien sind daher zu dem Schluss gekommen, dass die „Geigerin“ mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg nach Berlin verbracht wurde und sich noch immer im Eigentum des CNAP befindet.
„Ich freue mich sehr, dass es uns gemeinsam gelungen ist, die Herkunft des Werks von Falguière zu ermitteln und dass durch diese Recherchen, eine Rückkehr der Figur an ihren ursprünglichen Aufstellungsort möglich werden wird,“ so Yvette Deseyve, stellv. Direktorin der Alten Nationalgalerie und zuständige Kuratorin für Bildhauerei. „Da das Werk zu keinem Zeitpunkt Eigentum der SPK war, war eine Eigentumsübertragung vor der Rückgabe nicht nötig“, sagt Hermann Parzinger, Präsident der SPK. „So konnte in Zusammenarbeit mit unseren französischen Partnern wieder ein Fall aus dem Bereich „Fremdbesitz“ erfolgreich gelöst werden.“





