Das Human Rights Film Festival richtet seit 2018 sein Augenmerk auf weltweite Missstände. Die in Berlin gezeigten Dokumentarfilme vermitteln eindrücklich, was aktuell auf der Welt in puncto Menschenrechte schiefläuft, was Kriege anrichten und wie Aktivisten gegen Unrecht und Leid ankämpfen. Jeder der ein Herz hat, sollte sich Taschentücher mit ins Kino nehmen.
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Wer Kapazitäten hat, alle 25 brillanten Dokus, darunter auch die bereits vorgestelle „Petra Kelly - Act Now!“ zu sehen, ist klar im Vorteil und wird sein Weltbild enorm erweitern. Für alle anderen hier vier völlig subjektive Dokumentarfilm-Empfehlungen mit Begründung, warum man sie gucken sollte:
- Guardians of Truth: Julian Assange and the Secrets of War: Täter und Opfer des Irak-Kriegs treffen aufeinander
- Die Anhörung: Vier Asylsuchende bei ihrem dramatischen „Verhör“ durch die Schweizer Migrationsbehörde
- Hausnummer Null: Von Obdachlosigkeit mit Heroin-Sucht zurück in die Normalität – Odyssee eines jungen Berliners
- Drawing the Line: Wie eine indische Künstlerin für ihre regimekritischen Zeichnungen ihr Leben riskiert
Guardians of Truth: Das hässliche Gesicht des Krieges

Warum man die Doku sehen sollte: Julian Assange befindet sich zwar seit Juni diesen Jahres wieder auf freiem Fuße. Damit könnte das Thema vorläufig abgeschlossen sein. Aber Can Dündars Dokumentarfilm befasst sich nicht mit dem kontroversen Charakter von Wikileaks-Gründer Assange, sondern mit dem Material, das er 2007 veröffentlicht hat: Das Video „Collateral Murder“ zeigt US-Soldaten, die ohne echte Bedrohung von weitem auf Zivilisten schießen. Der türkische Enthüllungsjournalist Dündar, der im Berliner Exil lebt, sucht sowohl den einzigen Überlebenden des Massakers, als auch den US-Soldaten auf, der die Leichen barg. Als Opfer und Täter aufeinander treffen wird deutlich: Krieg zerstört alle Beteiligten von Grund auf. Statt sich auf die politische Verfolgung der Whistleblower zu konzentrieren, erzeugt Dündars Film Empathie und Verständnis für beide Seiten. Der überlebende Iraker Sajjad Mutashar und der ehemalige US-Soldat Ethan McCord treffen am Samstag in Berlin in einem Live-Gespräch aufeinander.
Samstag, 5. Oktober, 19.45 Uhr, Kino in der KulturBrauerei, Im Anschluss Live-Talk mit Regisseur und Mitwirkenden
Die Anhörung: Vier Asylbewerber machen sich vor der Schweizer Asylbehörde „nackt“

Vier Asylsuchende erzählen ihre persönliche Geschichte in der Hoffnung, dass Einwanderungsbeamte in der Schweiz ihnen glauben: Victoria Innocent aus Nigeria, Pascal Onana aus Kamerun, Jafar Sael aus Afghanistan und Transfrau Living Smile Vidya aus Indien. Es handelt sich um nachgestellte „Verhöre“ auf Basis der echten Fluchtgeschichten. Der Film bildet den Kampf beider Parteien ab: Den der Beamten, die zwischen Mitgefühl und Professionalität nach der Wahrheit suchen und den der Asylsuchenden, die ihr tragisches Schicksal so sachlich wie möglich erläutern. Die Asylsuchenden müssen auch Fragen wie diese beantworten: „Wenn es Krieg zwischen der Schweiz und deinem Herkunftsland gäbe, für wen würdest du kämpfen?“
Berlinpremiere am Samstag, 5. Oktober, 17 Uhr, Kino in der KulturBrauerei, die Vorführung am 11.10. um 18.30 Uhr im ACUDKino wird von einem Gespräch mit der Regisseurin Lisa Gerig begleitet.
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Hausnummer Null: Heroin und Obdachlosigkeit in Berlin – Einmal ganz unten und zurück

Lilith Kugler, die gerade ihren Regie-Master an der Babelsberger Filmhochschule abgelegt hat, bekam für ihre Doku im Februar den Max-Ophüls-Preis: Kugler erzählt gemeinsam mit Chris die Geschichte seines Lebens, die auch die Verschreibung des mittlerweile umstrittenen Medikaments Ritalin als Schulkind beinhaltet. Bilder des winterlich-düsteren Berlin wecheln sich ab mit Szenen voller Mitmenschlichkeit, in denen Nachbarn dem sympathischen Mitdreißiger eine Wohnung verschaffen wollen. Trotz der besorgten Mutter und Freunden dauert es, bis Chris sich aus dem Teufelskreis von Heroin-Sucht und Selbstzerstörung befreien kann. Schafft er es, wieder in ein normales Leben mit Wohnung, Freundin und Job zurückzufinden? Um nicht zu spoilern, nur soviel: Trotz des harten Themas, das ohne Beschönigung dargestellt wird, macht der Film Mut.
Samstag, 5. Oktober, 14.15 Uhr, Kino in der KulturBrauerei
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Drawing the Line: Morddrohungen und Gefängnis für systemkritische Strichmännchen

Die indische Künstlerin Rachita Taneja zeichnet politische Strichfiguren und hat mit dem Kanal „Sanitary Panels“ auf Instagram und X (vormals Twitter) eine große Anhängerschaft gewonnen. Sie hinterfragt Tabus rund um Menstruation, Rassismus, psychische Gesundheit und Meinungsfreiheit. Hasskommentare und Morddrohungen sind für sie Alltag. Das indische Gericht verurteilte sie wegen ihrer regierungskritischen Karikaturen zu einer sechsmonatigen Haftstrafe, die sie noch nicht angetreten hat. Die Künstlerin heimst weltweit Preise ein, gerade den Kofi Annan Courage in Cartooning Award 2024, und hat es bisher geschafft, sich zu retten. Einblick in das Leben einer Frau, die gewaltlos gegen die Zustände in Indien anzeichnet, das von dem rechtspopulistischen Premierminister Modi dominiert wird. Angesichts des Rechtsrucks in Europa sehr sehenswert.
Sonntag, 6. Oktober, 14.15 Uhr, Kino in der KulturBrauerei
Dienstag, 8. Oktober, 18.30 Uhr, ACUDKino
Samstag, 12. Oktober, 17 Uhr, Kino in der KulturBrauerei
Human Rights Film Festival, 4. bis 12. Oktober 2024, Kulturbrauerei, ACUDKino
Einzelticket 10 Euro (erm. 8 Euro), 5-Filme-Pass 40 Euro,
Unlimited-Festival-Pass 75 Euro
Online-Tickets auf der Festivalwebsite
Komplette Programmübersicht
Aktuelles zu Asyl, Drogen, Bedrohung der Demokratie
- Drogentote in Berlin: Mitte ist Spitzenreiter
- Asyl und Flucht in Berlin: Die neuesten Zahlen und Fakten
- Interaktive Karte Migration: Jeder vierte Berliner hat ausländische Wurzeln
- Kommentar: Drohungen gegen Politik und Medien gehen uns alle an
- Weltweit steigt Gewalt gegen Medienschaffende
- Mehr als eine Million Geflüchtete – wohin sie jetzt gehen


