Grundsteinlegungen gibt es viele in Berlin. Die am Donnerstag in der Berolinastraße ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Bis 2026 sollen in bester Wohnlage 72 Wohnungen entstehen, die mit sieben Euro pro Quadratmeter nicht nur bezahlbar sind, sondern auch zu 85 Prozent barrierefrei. Wohnen sollen hier in Zukunft lesbische oder queere Frauen. Zusätzlich soll in dem geförderten Wohnprojekt die Gemeinschaft von Jung und Alt, sowie das Zusammenleben von Behinderten und Nicht-Behinderten gefördert werden.

Schon bei der Grundsteinlegung fing die Inklusion an: Alle Reden wurden in Gebärdensprache übersetzt. In Europa ist das Vorhaben, das neben Mietwohnungen auch ein Kulturzentrum und ein Kiez-Café umfassen soll, einzigartig und erregte bereits im Vorfeld einiges Aufsehen.

Wegner, Gothe und neuer Queerbeauftragter: „Berlin ist Regenbogen-Hauptstadt“

Der Tenor der Anwesenden war klar: Berlin soll bunt bleiben. „Die Regenbogenhauptstadt“ soll jedem ermöglichen, „nach seiner Façon glücklich zu werden“, wie es der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) formulierte. Bezirksstadtrat Ephraim Gothe erklärte: „Berlin ist die Regenbogenhauptstadt und Mitte ist ein Regenbogenbezirk“. Berlins erster Queerbeauftragter Alfonso Pantisano (SPD) bestätigte dies und erklärte: „Die Sichtbarkeit der lesbischen Community ist ein sehr wichtiges Anliegen.“ Er erinnerte daran, dass noch viel mehr für die einzelnen Queer-Communitys getan werden müsse. In der Tat nimmt die Gewalt gegenüber Homosexuellen in Berlin wieder zu. Erst im September ist ein lesbisches Paar in Neukölln verprügelt worden.

Jutta Brambach, Geschäftsführerin der Rad und Tat gGmbH, mit der Regenbogen-Bärenbrosche, die sie vom Regierenden Bürgermeister Kai Wegner erhalten hat.
Jutta Brambach, Geschäftsführerin der Rad und Tat gGmbH, mit der Regenbogen-Bärenbrosche, die sie vom Regierenden Bürgermeister Kai Wegner erhalten hat.© BM | Iris May

Bauherrin Jutta Brambach: „Es gibt einen immensen Bedarf“

Dass das lesbische Wohnquartier nach 14 Jahren Planung nun wirklich Gestalt annimmt, ist zu einem großen Teil das Verdienst von Jutta Brambach, Vorständin des Dachverbandes Lesben und Alter, sowie Geschäftsführerin bei RuT-Rad und Tat – Offene Initiative Lesbischer Frauen. Brambach dankte allerdings auch der Antidiskriminierungsstelle, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, dem Bezirk Mitte und der Klassenlotterie für ihre Unterstützung. Trotz der großen Freude über das Wohnprojekt, das „im Zentrum, nicht am Stadtrand“ liegt, weiß die 68-Jährige: „Das kann nur ein Modell sein für weitere Projekte.“ Denn: „Es gibt einen immensen Bedarf und Anmeldungen ohne Ende.“

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