Fahrradstraße abgebaut

Autos sind zurück auf der Friedrichstraße

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Birgit Lotze
Seit Mittwoch müssen sich Radfahrer die Friedrichstraße wieder mit Autofahrern teilen.

Seit Mittwoch müssen sich Radfahrer die Friedrichstraße wieder mit Autofahrern teilen.

Foto: Alexander Uhl

Nach zwei Jahren als Fahrradstraße rollen wieder Autos auf der Friedrichstraße. Doch schon jetzt gibt es Kritik.

Berlin.  Auch wenn der Autoverkehr jetzt auf der Friedrichstraße wieder rollt – nachdem sie mehr als zwei Jahre den Fahrradfahrern vorbehalten war – zeigen sich Kritiker der Sperrung trotzdem unzufrieden. Es zeichnet sich bereits jetzt auch Kritik an der Charlottenstraße ab, die die Friedrichstraße als Fahrradstraße ablösen soll.

Die ungeklärten Fragen ziehen lediglich einen Häuserblock weiter, sagt Robert Rückel, Vizepräsident der IHK Berlin, zu den Plänen für die Charlottenstraße in Mitte. Es fehle jegliches Konzept für das Gesamtareal, zumal die jetzt geöffnete Friedrichstraße bereits im Januar wieder für den Autoverkehr geschlossen werden könne. Für die Gewerbetreibenden in Berlin bedeute es „einen weiteren Akt im Trauerspiel der Fremdbestimmung“.

Auch Anja Schröder, Inhaberin der Weinhandlung Planet Wein und ebenfalls eine Kritikerin der autofreien Friedrichstraße, sieht die Ausweisung der Charlottenstraße als Fahrradstraße als „beispielhaft für eine Nichtplanung“. Sie diene als „Korrektur des gescheiterten Verkehrsversuchs“ und sei „in Nullkommanix“ eingerichtet worden. Das sorge für große Verwirrung.

Charlottenstraße: Händler hofft auf verkehrsberuhigende Wirkung der Fahrradstraße

Gaston Dussel, Inhaber des Antiquariats und Kunsthandels am Gendarmenmarkt, freut sich hingegen über die Fahrradstraße vor seinem Antiquariat. Schon deshalb, weil seine Tochter um die Ecke in einen Kindergarten geht. Er hofft, der Verkehr beruhige sich dadurch. Klar, viele Radler hielten sich oft nicht an die Regeln. Doch ihm sei immer noch lieber, ein Radfahrer fahre ihm über die Füße als ein Autofahrer.

Anja Schröder findet nicht, dass die Charlottenstraße als Fahrradstraße allen Verkehrsteilnehmern ausreichend Sicherheit bietet. Gerade eben habe sie einen Beinahe-Unfall mit zwei Autos und einem Radfahrer beobachtet. Die Charlottenstraße diene als Zufahrt für 1300 Tiefgaragenparkplätze, elf Restaurants, die beliefert werden müssen und drei Fünf-Sterne-Hotels, die vor allem mit Taxis angefahren werden. „Das ist zu viel Verkehr für eine Fahrradstraße.“

Radfahrer können die Charlottenstraße in beide Richtungen durchfahren, Autofahrer nicht. Sie werden, egal ob sie von der Leipziger Straße oder aus Richtung Unter den Linden kommen, an der Mohrenstraße zum Abbiegen gezwungen – die Einbahnstraße setzt sich fort, doch in die gegenläufige Richtung. Aktuell ist die Lage an der Kreuzung etwas unübersichtlich, die Autofahrer zögern, scheinen oft nicht recht zu wissen, wohin. Noch sorgen an der Stelle mehrere Baustellen für Straßenverengungen, die größte Baustelle, der Gendarmenmarkt, ist großflächig umzäunt.

Neue Fahrspuren auf dem Asphalt – ein Block pro Tag

Fünf Mitarbeiter der Berliner Verkehrsleittechnik arbeiten vor Anja Schröders Weinhandlung, sie malen die neue Fahrradspuren zwischen Mohren- und Kronenstraße auf den Asphalt. Pro Tag schaffen sie in der Regel einen Block, sagen sie. Bis zur Leipziger Straße müssen sie noch in den nächsten Tagen kommen, dann ist das Werk vollbracht. Weiße Streifen und Striche, grüne Flächen, an den Kreuzungen mit der Mohrenstraße und an der Leipziger Straße soll rote Farbe hinzukommen. Dabei bleibt ihre Tätigkeit nicht unbemerkt: „Oh ja, wir kriegen Reaktionen“, sagt einer von ihnen. Sowohl von Autofahrern als auch von Fahrradfahrern. Während die eine Hälfte die Idee unterstützt, stehe die andere ihr ablehnend gegenüber. „Das ist immer so halb-halb.“

Über die Öffnung der Friedrichstraße für Autos freut sich Anja Schröder. „Das wird hier für Aufatmen sorgen.“ So viele Staus vor der Geschäftstür wie während der Sperrung der Friedrichstraße habe sie noch nie erlebt. Der Verkehr in der Charlottenstraße habe um 140 Prozent zugenommen. Jetzt könne er sich wieder besser verteilen. Auch in der Behrensstraße, in der Mohrenstraße und in der Markgrafenstraße werde die Verkehrslage jetzt wieder besser.

Auch Fußgängerzonen können gewinnbringend sein

Kunsthändler Gaston Dussel freut sich nicht auf die Autos, sondern darauf, dass die Friedrichstraße nach dem Willen der Berliner Politik so schnell wie möglich zur Flaniermeile werden soll und dass dafür nur noch eine Entscheidung aussteht. „Es ist gut, dass sich endlich was tut.“ Man müsse flexibler werden, „die Welt ändert sich“. Und was die Umsätze angehe, sei er nicht von vornherein pessimistisch. Er verweist auf die Kauffingerstraße in München – eine sehr große Fußgängerzone. „Die läuft ja auch gut.“