Verkehrspolitik

Senat stoppt den Grünstreifen auf der Karl-Marx-Allee

Kampf um Parkplätze: Umweltsenatorin Günther ist nicht alleine für die Planung für zuständig. Auch der Denkmalschutz muss mitreden

Der Senat wird die Entscheidung der Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) für einen Grünstreifen anstelle von Parkplätzen auf der Karl-Marx-Allee noch einmal überprüfen. Das kündigte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Dienstag nach der Senatssitzung an. Die Senatsumweltverwaltung könne eine solche Frage nicht alleine entscheiden, stellte Müller klar.

Einzubeziehen seien die Kulturverwaltung wegen der Anliegen des Denkmalschutzes und die Stadtentwicklungsverwaltung wegen gewährter Fördermittel für den Umbau. Diese fänden die bisherige Beschlussfassung „richtig“.

Müller kritisierte auch, dass die Verkehrssenatorin sich mit ihrer Planung über das Ergebnis der Bürgerbeteiligung hinweg gesetzt hatte. Anwohner hatten sich mit dem Bezirk auf die Anlage von Parkplätzen auf dem Mittelstreifen zwischen Alexander- und Strausberger Platz geeinigt. Günther kippte diese Planung nun mit dem Verweis auf das Stadtklima und die Versickerung von Regenwasser nach Unwettern, die in Folge des Klimawandels öfter zu erwarten seien. „Man hätte erst mit den Bürgern reden sollen“, sagte Müller.

Grünstreifen auf Karl-Marx-Allee - Weltkulturerbeantrag könnte Planung kippen

Der Regierende Bürgermeister stellte die positive Wirkung eines Grünstreifens für die Umwelt in Frage. Die Fläche sei „eher nicht ökologisch ausgegoren, sondern eine optische Maßnahme“, sagte Müller. Gleichwohl wollte er nicht den Eindruck erwecken, der Senat sei grundsätzlich dagegen, den Mittelstreifen der 80 Meter breiten Straße grün zu gestalten. Man müsse nur darüber reden, sagte Müller. Die Karl-Marx-Allee wird derzeit grundlegend umgestaltet und unter anderem durch zwei vier Meter breite Radspuren ergänzt.

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Auch Kultursenator Klaus Lederer (Linke) habe nicht für ein „paar Parkplätze“ kämpfen wollen, hieß es aus Senatskreisen. Aber der Denkmalschutz sei an dieser Stelle ein wichtiges Anliegen. Der Senat beabsichtigt nämlich, die Karl-Marx-Allee und damit Teile der DDR-Moderne zum Weltkulturerbe erklären zu lassen. Derzeit laufen die Prüfungen. Die frühere Stalinallee war ein wichtiger Aufmarschplatz. Möglicherweise muss dieser Zustand wieder hergestellt werden. Dann dürfte es keine neu gestalteten Parkplätze geben, sondern nur eine asphaltierte Fläche.