Neuplanung

Karl-Marx-Allee: 173 Parkplätze fallen für Grünstreifen weg

Verkehrssenatorin Regine Günther wirft die Pläne für die Karl-Marx-Allee um. Durch einen Grünstreifen fallen 173 Parkplätze weg.

Der Parkstreifen in der Mitte der Karl-Marx-Allee soll nach neuen Plänen wegfallen.

Der Parkstreifen in der Mitte der Karl-Marx-Allee soll nach neuen Plänen wegfallen.

Foto: SenUVK/Eve Images

Seit eineinhalb Jahren wird auf der Karl-Marx-Allee in Berlin-Mitte intensiv gebaut. Nun ändert die Senatsverkehrsverwaltung die bisherigen Planungen plötzlich. Wie Mittes Stadtentwicklungsstadtrat Ephraim Gothe (SPD) mitteilt, habe Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) entschieden, „kurzfristig und während des laufenden Baubetriebs eine erhebliche Umplanung der Straße vorzunehmen“. Demnach soll der breite Parkstreifen in der Mitte der Ost-West-Tangente – anders als bisher beschlossen – nun nach Abschluss der Bauarbeiten nicht wieder zurückkehren. Stattdessen entsteht auf Drängen der Senatsverkehrsverwaltung an der Stelle „ein begrünter Mittelstreifen“.

Parkplätze auf der Karl-Marx-Allee in Berlin-Mitte müssen Grünstreifen weichen

Die Karl-Marx-Allee wird derzeit komplett umgebaut. Dabei fällt eine der drei Fahrstreifen je Richtung zugunsten von vier Meter breiten Fahrradwegen weg. Der Parkstreifen am Fahrbahnrand wird künftig zwischen dem motorisierten Verkehr und dem Radweg verlaufen. Bis zum Beginn der Bauarbeiten 2018 trennte die beiden Fahrtrichtungen ein großer Parkstreifen mit Dutzenden Parkplätzen. Geplant war bis zuletzt, auf der zehn Meter breiten Straßenfläche in der Mitte künftig wieder 173 Parkplätze eingerichtet werden, 165 reguläre Parkplätze und acht Behinderten-Parkplätze. Diese sind nun ersatzlos gestrichen worden.

Die Entscheidung Günthers habe „überrascht“, so Gothe. Umso mehr, da Straßengrün statt Parkplätze im vorausgegangenen Beteiligungsprozess mit der Anwohnerschaft abgelehnt worden seien. „Damit widerspricht die Entscheidung den Leitlinien zur Bürgerbeteiligung des Bezirkes und des Landes“, sagte Gothe. Derart große Umplanungen seien den Bürgern vorab transparent zu kommunizieren.

Bezirk Mitte kritisiert das Übergehen der Bürgerinteressen

Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel würden grundsätzlich begrüßt, so der Stadtrat. „Der Bezirk Mitte distanziert sich aber deutlich von diesem Vorgehen der Senatorin und stellt die Übergehung der Bürgerinteressen in diesem Stadium des Bauens ausdrücklich in Frage.“

Die bisher geplante Gestaltung der Karl-Marx-Allee sei zudem mit dem Landesdenkmalamt abgestimmt, teilte Gothe mit. Hintergrund dabei ist der Erhalt der Welterbefähigkeit des zweiten Bauabschnitts der Karl-Marx-Allee. Dieser ist Teil des im Koalitionsvertrag des rot-rot-grünen Senats festgeschriebenen Projekts „Doppeltes Berlin“, mit dem für die im Stil der Nachkriegsmoderne errichteten Wohnquartiere an der Karl-Marx-Allee und Hansaviertel der Unesco Welterbetitel erlangt werden soll.

Senatsverwaltung: Grünfläche soll Aufenthaltsqualität steigern

Die Senatsverkehrsverwaltung erklärte auf Anfrage, die Grünfläche diene dazu, die Aufenthaltsqualität zu steigern. Zudem würden dadurch zusätzliche Flächen geschaffen, auf denen Regenwasser besser versickern kann. „Ohne Parkverkehr wird es hier zugleich mehr Verkehrssicherheit geben“, hieß es. Die Verkehrsverwaltung betonte, die Berliner Verkehrsplanung gezielt auf eine umweltfreundliche Mobilität ausrichten zu wollen. Dafür sei es nötig, die vorhandenen Flächen in der Stadt neu aufzuteilen, um so „insbesondere, die Bedingungen für den ÖPNV, für Fußgängerinnen und Fußgänger und für den Radverkehr deutlich zu verbessern“.

Daneben verwies das Haus von Senatorin Günther auf die Folgen des Klimawandels. Die Erfahrungen der vergangenen Hitzesommer zeige, „dass wir die Auswirkungen der Klimaveränderungen in Berlin bereits jetzt deutlich zu spüren bekommen“, so die Umwelt- und Verkehrsverwaltung. Langanhaltende Hitze und zunehmende Starkregenereignisse stellten immer wieder große Herausforderungen für die Berliner Infrastruktur dar. Vor allem ein gutes Mikroklima mit deutlich mehr Grün und zusätzlichen Versickerungsflächen schaffe dagegen hier Entlastung. Die neuen Pläne würden den Anwohnern in Kürze mitgeteilt, hieß es. Ein Informationsschreiben sei in Vorbereitung und solle in Kürze verschickt werden.

Landeskonservator Rauhut sieht Pläne für die Karl-Marx-Allee kritisch

Bedenken des Denkmalschutzes wischte die Senatsverwaltung beiseite. Die bevorstehende Neugestaltung der Karl-Marx-Allee bewahre „den besonderen Charakter dieser wichtigen Magistrale“, hieß es. Gleichzeitig gewinne die einstige DDR-Paradestraße „deutlich an Qualität“.

Anderer Ansicht ist Berlins oberster Denkmalschützer, Landeskonservator Christoph Rauhut. Zu den neuen Plänen der Verkehrsverwaltung habe das Landesdenkmalamt bereits seine Bedenken geltend gemacht, teilte Rauhut mit. Voraussetzung für einen erfolgreichen Antrag sei „insbesondere auch die Echtheit und Unversehrtheit des möglichen Welterbes“. Die aktuell von der Verkehrsverwaltung vorgeschlagene Maßnahme werde vor diesem Hintergrund durch das Landesdenkmalamt „als sehr kritisch bewertet“, so Rauhut.