Kriminalität in Berlin

Mit diesen Maßnahmen soll der Alexanderplatz sicherer werden

Nach der Einrichtung der Alex-Wache ist die Kriminalität laut Polizei zurückgegangen. Der Innensenator kündigt weitere Maßnahmen an.

Berlins gefährliche Orte: Der Alexanderplatz

Serie Berlins Orte höchster Kriminalität: Wie sicher ist der Alexanderplatz? Als Konsequenz des Gewaltexzesses und der gestiegenen Kriminalität wurde die Polizeipräsenz am Alexanderplatz verstärkt. Wir fragten Passanten ob Videoüberwachung hilft?

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Berlin. Während Innensenator Andreas Geisel (SPD) über das neue Sicherheitskonzept für den Alexanderplatz gesprochen hat, rannten an ihm ein Ladendieb, mehrere Securitymitarbeiter eines Bekleidungsladens und Polizisten vorbei. Nach wenigen Hundert Metern überwältigten die Polizisten den mutmaßlichen Ladendieb, rangen den 20-Jährigen zu Boden und legten ihm Handschellen an. Eine Szene, die so beinahe täglich am Kriminalitätsschwerpunkt Alexanderplatz stattfindet. „Das ist hier absolut nichts besonderes“, sagte ein Polizeibeamter.

Dabei wollten Innensenator An­dreas Geisel (SPD) und Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) am Freitag eigentlich störungsfrei verkünden, wie sicher der Alexanderplatz geworden sei, seitdem es dort eine neue Wache gibt. Bei dem Termin waren auch Polizeipräsidentin Barbara Slowik und der Leiter der Berliner Staatsanwaltschaft Jörg Raupach, der auch den neuen Staatsanwalt für den Alexanderplatz vorstellte: Sebastian Seidel (31). Auch Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) schaute vorbei. Der hatte nach eigenen Aussagen aber keine Einladung für den Medientermin erhalten. Er habe sich deshalb kurzerhand einfach selber eingeladen.

Denn das Bündel von Maßnahmen von Polizei und Justiz gegen die Kriminalität am Berliner Alexanderplatz zeigt nach Meinung des Senats Wirkung. Diebstähle, Überfälle und Körperverletzungen seien seit dem vergangenen Winter weniger geworden. Zugleich habe es einen Anstieg bei den registrierten Straftaten wie Ladendiebstahl und Drogenhandel gegeben. Das sei aber auf die stärkeren Kontrollen zurückzuführen. Auch diese Entwicklung sei daher ein Erfolg, sagte Geisel bei dem Termin.

Mit der „Alex-Wache“ sinken die Kriminalitätszahlen

Nach den Zahlen der Polizei sanken in den vergangenen fünf Monaten seit der Einrichtung der Alex-Wache: die Zahl der Diebstähle auf 367 (Vorjahreszeitraum: 453), der einfachen Körperverletzungen auf 204 (237), der schweren Körperverletzungen auf 20 (41), der Raubtaten auf 15 (18) und der Hausfriedensbrüche auf 69 (100).

Laut Geisel soll es aber nicht nur bei der Wache am Alexanderplatz bleiben. Der Berliner Morgenpost sagte er, dass der Alexanderplatz gegen Terrorattacken geschützt werden soll. Dafür sollen versenkbare Poller und fest installierte Sitzmöbel installiert werden, die Besucher vor sogenannten Überfahr-Taten wie beim Terroranschlag am Breitscheidplatz schützen sollen. Zudem kündigte der Innensenator an, dass Berlin fünf mobile Wachen anschaffen wird, die dann je nach Lage an kriminalitätsbelastete Orten eingesetzt werden sollen. Die Ausschreibungen dazu laufen. Die ersten sollen im September dieses Jahres gekauft werden, so Geisel.

Auch das Bezirksamt will durch kleine bauliche Veränderungen und zusätzliche Angebote den Alexanderplatz sicherer machen. Touristen sollen etwa durch Schilder und Lagepläne besser informiert werden. Beteiligen an neuen Strategien wollen sich auch die Kaufhäuser, der Fernsehturm, die Berliner Sparkasse sowie Wohnungsbaugesellschaften. Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagte, dass man sich auch mehr um das Thema bauliche Kriminalprävention kümmern will. So sollen etwa dunkle Ecken künftig ausgeleuchtet werden.

Für die angekündigten festen Videokameras am Alexanderplatz gebe es allerdings noch keinen Termin. Erst werde der Test mit der sogenannten mobilen Videoüberwachung im August beendet und ausgewertet, sagte Geisel am Freitag bei einem Rundgang über den „Alex“. „Dann werden wir Schlussfolgerungen ziehen, an welchen Stellen es sinnvoller ist, stationäre Kameras anzubringen.“

Die Kriminalpolizei hatte, wie berichtet, am 1. November 2017 eine Ermittlungsgruppe (EG) „Alex“ gegründet. Am 15. Dezember 2017 wurde eine neue Polizeiwache, die sogenannte Alex-Wache, eingerichtet. Zuletzt wurde nun auch die Zusammenarbeit mit den Staatsanwälten verstärkt.

Von den Polizisten in der Alex-Wache seien allerdings bisher etwa 10.000 Anfragen beantwortet worden, hieß es. Meistens fragen Touristen nach dem Weg. Um Kriminalität ging es laut Innenverwaltung in den fünf Monaten in etwa 1000 Fällen.

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