Start-up

Berliner Start-up will Vereine digitalisieren

Alexander Adam brach die Schule ab, war als Freiberufler unterwegs. Nun hat er ein Programm zur Mitgliederverwaltung entwickelt.

Die ersten Schritte mit Campai finanzierte Gründer Alexander Adam (33) selbst, inzwischen sind Investoren eingestiegen

Die ersten Schritte mit Campai finanzierte Gründer Alexander Adam (33) selbst, inzwischen sind Investoren eingestiegen

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin.  In den USA hat Alexander Adam gelernt, ein Unternehmen zu führen. In Österreich hat er seine Liebe zu Vereinen entdeckt. Jetzt sitzt Adam, 33 Jahre alt, in einem Büro in Berlin-Mitte vor einer Tapete in Hallenboden-Optik. Der junge Unternehmer hat das Büro in der Nähe vom Alexanderplatz erst vor einigen Monaten bezogen. Doch schon bald sollen wieder Bauarbeiter anrücken. Adam plant, in dem Gebäude einige weitere Zimmer anzumieten. Um die bisherigen Flächen mit dem neuen Bereich zu verbinden, sollen die Handwerker eine Wand einreißen. Adam braucht den zusätzlichen Raum. Bis Ende des Jahres soll die Belegschaft seines Unternehmens Campai von derzeit 24 auf 30 Mitarbeiter wachsen.

Das Start-up Campai, das Alexander Adam im November 2017 gegründet hatte, ist auf Wachstumskurs. Kernstück des Unternehmens ist eine Software, die Vereinen die Verwaltungsarbeit erleichtert. Deutschlandweit nutzen 6000 Vereine das Programm. Jeden Monat kommen zwischen 200 und 3oo neue Campai-Kunden dazu.

Erst am Anfang

Dennoch steht das Berliner Start-up erst am Anfang. „Wir wollen in der Beta-Phase unseren Investoren zunächst beweisen, dass unser Geschäftsmodell funktioniert“, sagt Campai-Chef und Gründer Alexander Adam. Für die Vereine ist das Programm zunächst kostenlos. Entscheiden sich die Clubs aber dafür, die Abrechnung von Mitgliedsbeiträgen durch Campai erledigen zu lassen, berechnet das Unternehmen Gebühren. Zwischen zwei und drei Prozent der Beitragseinnahmen landen dann auf dem Campai-Konto, so Adam.

Dem Unternehmensgründer geht es zunächst darum, weitere Vereine von seiner Software zu überzeugen. Der potenzielle Markt für das Programm ist riesig: Etwa 600.000 eingetragene Vereine gibt es allein in Deutschland. Hauptkunden sind Sportvereine. Die Campai-Software nutzen derzeit die Karower Dachse und der Polizei-Sportverein.

Der Landessportbund sieht die Digitalisierungsbemühungen positiv: Eine moderne Verwaltungssoftware entlaste die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Vereine bei der Mitgliedsverwaltung, den Beitragseinzügen und dem Lizenzwesen für Trainer und Übungsleiter, sagte der stellvertretende Direktor des Landesportbundes Berlin, Jens Krüger. Zudem könnten über die Programme neue Angebote einfacher an die Mitglieder herangetragen werden.

Clubs geben viel Wissen aus der Hand

Alexander Adam hat vor einigen Jahren selbst erlebt, was eine digitale Vereinsverwaltung möglich machen kann. Adam lebte in Österreich und war Mitglied in einem Tierverein. Als das Vereinsheim abbrannte, war der Club auf Spenden der Mitglieder angewiesen. In einem ersten Versuch kamen einige Hundert Euro zusammen. Dann nahm Alexander Adam die Sache in die Hand und digitalisierte die Mitgliederkartei. Mithilfe eines modernen Newsletters gelang es dem Verein fast 250.000 Euro einzusammeln. Das neue Heim fiel dann eine Nummer größer aus, erzählt Adam.

Die Verwaltungssoftware Campai soll den Vereinen aber nicht nur dabei helfen, einen Überblick über die Mitglieder zu bekommen. Adam sieht in seiner Lösung auch eine Überlebensgarantie für viele Vereine. „Der Aufwand ist riesig und wird häufig von erfahreneren Mitgliedern übernommen. Junge Leute schrecken vor Führungsaufgaben in Vereinen zurück“, sagt Adam.

Campai erleichtert das Vereinsleben, gleichzeitig geben die Clubs aber auch viel Wissen und Macht aus der Hand. Die Software kann auf Daten, Adressen und Bankverbindungen zugreifen. Auch Werte etwa zur Leistung von Sportlern kann das System verarbeiten. „Datenschutz genießt bei uns höchste Priorität“, beschwichtigt Adam zwar. Dennoch liegen die Daten von Tausenden Vereinsmitgliedern aus Deutschland jetzt auf den Campai-Servern. Die Mitarbeiter des Start-ups können auf die Vereinsdaten allerdings nicht zugreifen. Zudem seien die Informationen verschlüsselt. Die Datensicherheit sei auch durch eine entsprechende Zertifizierung bescheinigt, so der Gründer.

Einstelliger Millionenbetrag von Investoren

Einen einstelligen Millionenbetrag hat Alexander Adam bereits von Investoren eingesammelt, um seine Idee weiter voranzubringen: Im März waren ein Versicherungskonzern aus der Schweiz und ein Beteiligungsunternehmen bei Campai eingestiegen. Die ersten Schritte des Start-ups hatte Adam zuvor aus eigener Tasche finanziert. Vor ein paar Jahren hatte er Gravit, ein Grafik-Design-Tool entwickelt. Das dazugehörige Unternehmen verkaufte er nach ein paar Jahren für mehrere Millionen Euro an den kanadischen Konzern Corel.

Adam hat nie studiert. Bereits mit sieben Jahren lernte er das Programmieren. Nachdem er zweimal in Deutschland die Schule abgebrochen hatte, zog es ihn mit 17 Jahren in die USA. Später tingelte er von Unternehmen zu Unternehmen. Als Freelancer half er der Automobilindustrie bei Digitalisierungsschritten.

Mit Campai will Adam jetzt zunächst den deutschen Vereinsmarkt aufrollen. Doch auch einen Blick ins Ausland, hat er schon riskiert: In Österreich und Liechtenstein ist Campai bereits aktiv. Andere Länder seien aber noch schwierig. Italien habe zwar 400.000 Vereine, das Steuerrecht sei aber anders, so Adam.

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