Wirtschaft

37 Millionen Euro für Berliner Start-up

Grover vermietet Notebooks und Smartphones. Investoren sind begeistert. Die Verbraucherzentrale mahnt, genau hinzuschauen.

Start-up-Gründer Michael Cassau konnte für sein Unternehmen Grover auch den Elektronikriesen Samsung begeistern

Start-up-Gründer Michael Cassau konnte für sein Unternehmen Grover auch den Elektronikriesen Samsung begeistern

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin.  Michael Cassau ist ein junger Mann, der sich mit Zahlen auskennt. Mehr als 10.000 Kunden hat sein Unternehmen Grover, das Elektronikgeräte zum Mieten anbietet. Etwa 20.000 Produkte seien derzeit vermietet. Ende des vergangenen Jahres ist noch eine weitere große Zahl dazugekommen, die Cassau freudig präsentiert: 37 Millionen Euro hat das Berliner Start-up in einer Finanzierungsrunde eingesammelt. Das Geld kommt von verschiedenen Risikokapital-Firmen. Aber auch der Investment-Arm des Elektronikriesen Samsung hat Geld in das junge Unternehmen gesteckt.

Das Erfolgsrezept von Grover ist ganz einfach, glaubt man Gründer Michael Cassau. „Unsere Kunden müssen sich nicht entscheiden, ob sie in den Urlaub fliegen oder das neue Smartphone kaufen. Es geht beides“, sagt er. Wie ein Mantra hängt in dem Büro in Berlin-Mitte deswegen auch der Slogan „Re­think things“ (etwa: Dinge neu denken) in heller Neonschrift an der Wand. Cassau verspricht seinen Kunden nicht nur einen einfachen Zugang zu neuer Technik. Verbraucher würden durch dieses Konzept auch einen Beitrag für den Umweltschutz leisten. „Grover verändert die Art, wie wir mit Produkten umgehen“, sagt Cassau.

Grover wuchs in den vergangenen Monaten rasant

Das Geschäftsmodell funktioniert so: Nutzer mieten die Technik und überweisen monatlich dafür einen Betrag. Ist ein Gerät nicht mehr interessant, schicken es die Kunden einfach an Grover zurück. „Wir müssen sicherstellen, dass die Produkte oft genug, lang genug und zu einem angemessenen Preis vermietet werden“, erklärt Cassau. Erst wenn Produkte von den Kunden nicht mehr nachgefragt werden, verkauft oder recycelt das Unternehmen die aus der Mode gekommene Technik.

Grover hat in den vergangenen Monaten ein rasantes Wachstum hingelegt. Vor allem die Kooperation mit Technikhändlern wie Conrad, Gravis, Media Markt und Saturn hat dem Berliner Start-up Rückenwind verliehen. Nach Angaben von Gründer Cassau hat Grover das Geschäft im vergangenen Jahr verzehnfacht. In diesem Jahr wachse der Umsatz jeden Monat um 20 Prozent.

Das Geschäft ist für das Start-up allerdings sehr kapitalintensiv. Denn Grover muss die Technik einkaufen. Von den 37 Millionen, die das Unternehmen im vergangenen Jahr von Investoren bekommen hat, seien deswegen auch rund 25 Millionen Euro für die Finanzierung der Leihprodukte vorgesehen, sagt Cassau.

Gründer will auch das Geschäft mit den Partnern weiter ausbauen. Elektronikmärkte würden durch die Zusammenarbeit mit Grover neue, jüngere Kundenschichten erschließen, sagt Cassau. Kannibalisierungseffekte, etwa dass Kunden keine Produkte mehr kaufen, sondern nur noch leihen, seien bislang nicht zu erkennen gewesen. Auch für die Technikhersteller habe das Miet­angebot von Grover Vorteile, glaubt der Gründer. Gerade bei teurer neuer Technik gelinge so viel einfacher als früher der Einstieg in den Markt. Möglicherweise ist das auch für Samsung ein Grund, sich finanziell bei den Berlinern zu engagieren.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt Kunden, genau hinzuschauen

„Die Miete ist im Vergleich zum Kauf der Geräte, auf deren Lebenszeit gerechnet, in den meisten Fällen deutlich teurer“, sagt Annika Halbbauer von der Verbraucherzentrale Berlin. Für Verbraucher sei das Leihen vor allem dann sinnvoll, wenn die Geräte nur kurze Zeit gebraucht werden, beispielsweise nach einem Umzug. Das Mietangebot sei eine gute Möglichkeit, neue Produkte auszuprobieren, so Halbbauer. Die Verbraucherschützerin warnt allerdings davor, zu viele Geräte gleichzeitig anzumieten. „Verbraucher könnten sonst leicht den Überblick über die Kosten verlieren und so in eine Schuldenfalle geraten“, erklärt Halbbauer. Risiken bestünden auch im Schadensfall. Grover übernimmt zwar die Hälfte der Reparaturkosten. Dennoch könne ein Ersatz den Verbraucher teuer zu stehen kommen, so die Expertin.

Neues Angebot startet in diesem Jahr

Michael Cassau plant jetzt, weitere Schritte auf seine Kunden zu zu machen. Weil ohnehin nur sehr wenige Geräte mit Schäden oder kaputt zurückgeschickt werden, will Grover künftig 90 Prozent der Reparaturkosten übernehmen, kündigt er an. Cassau denkt zudem über eine Flatrate nach: Für 99 Euro im Monat sollen die Nutzer drei Produkte aus verschiedenen Kategorien mieten – und nach Belieben wechseln können. Das neue Angebot „Grover Mix“ soll noch in diesem Jahr starten. Der Gründer will zudem verstärkt Firmenkunden in den Blick nehmen. Jedes Unternehmen brauche nicht nur Smartphones und Notebooks, sondern auch Spielekonsolen für den Wohlfühlfaktor, so Cassau.

Derzeit sind 40 Mitarbeiter für das Unternehmen tätig, Ende des Jahres sollen es 50 sein. Die Belegschaft soll der jungen Firma auch dabei helfen, neue Märkte zu erschließen. Derzeit ist Grover nur in Deutschland aktiv. Österreich und die Schweiz sollen demnächst dazukommen. Auch den Sprung auf weitere europäische Märkte und sogar in die USA will Cassau schaffen. In Amerika ist das Leihgeschäft bereits für unterschiedliche Produkte etabliert. Der Anbieter Joymode etwa verleiht Gartenmöbel für die Grillparty oder Schwimmhilfen für den nächsten Strandausflug. Feather vermietet Mobiliar an die junge Generation, die nichts mehr besitzen, nur noch nutzen will.

Ein ähnliches Angebot hätte vor einigen Jahren sicher auch Michael Cassau gern in Anspruch genommen: Nach ein paar Monaten bei der Investmentbank Goldman Sachs in London kehrte der Berliner 2014 in seine Heimatstadt zurück. Bei der Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet wollte er nur zehn Monate bleiben – und Möbel lieber mieten. Cassau übertrug den Gedanken 2015 auf Grover. Heute zählt der Gründer natürlich auch selbst zu seinen Kunden: Der 33 Jahre alte Unternehmer hat ein Smartphone, ein Notebook, Kopfhörer und Lautsprecher bei Grover gemietet.

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