Einkaufszentrum

Das Schultheiss-Quartier eröffnet - und verändert Moabit

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Für das Schultheiss-Quartier wurde die denkmalgeschützte ehemalige Brauerei um einen Neubau an der Turmstraße erweitert

Für das Schultheiss-Quartier wurde die denkmalgeschützte ehemalige Brauerei um einen Neubau an der Turmstraße erweitert

Foto: Jörg Krauthöfer

Einkaufen in der alten Brauerei: Moabits erstes Shopping Center weckt im Kiez viele Hoffnungen. Es gibt aber auch Kritik.

Moabit. Früher wurde in den Hallen an der Stromstraße in Moabit Bier gebraut. Nun locken Geschäfte Kunden in das alte Gemäuer. Am Donnerstag eröffnet an der Stromstraße in Moabit das Schultheiss-Quartier. Es ist Berlins neuestes Einkaufszentrum – und ein Projekt, das das Viertel verändern wird.

Damit die Kunden in der früheren Schultheiss-Brauerei einkaufen können, ist in den vergangenen Jahren viel passiert. HGHI, die Immobilienfirma des Berliner Unternehmers Harald G. Huth, kaufte das Gelände nördlich der Turmstraße im Jahr 2012. Seit 2015 wurde die ehemalige Industrieimmobilie für über 300 Millionen Euro zum modernen Einkaufszentrum umgebaut und in ein Neubauensemble integriert.

Dabei blieb die gelbe Backsteinfassade aus dem 19. Jahrhundert erhalten, denkmalgeschützte Bereiche wurden im Rahmen des Neubaus erhalten. Im Innern soll die Geschichte unter anderem in Wandmalereien aufleben. „Somit ist auch der Charakter dieses historischen Bauwerkes erhalten geblieben“, sagte HGHI-Sprecher Mirco Hillmann. Der Immobilienentwickler errichtete schon mehrere Shoppingcenter, darunter die Mall of Berlin am Leipziger Platz.

Für Moabit bedeutet die Eröffnung eine Zäsur

Neben rund 30.000 Quadratmetern für den Handel bietet das Schultheiss-Quartier etwa 15.000 Quadratmeter Büroflächen. In der zweiten Etage über der Mall ist zudem ein Hotel der Berliner Kette Meininger geplant. Die Unterkunft mit 848 Betten soll im Herbst eröffnen. Unter den etwa 100 Geschäften, die in der ehemaligen Brauerei Platz finden, werden Filialen von Kaufland und Media Markt sowie zahlreiche Modeläden sein. Noch sind allerdings nicht alle Flächen belegt.

Für Moabit könnte die Eröffnung eine Aufwertung bringen. HGHI selbst legte die Latte allerdings sehr hoch, als es das ehemalige Arbeiterviertel in einer Plakatkampagne vor der Eröffnung mit den High-Society-Zielen Monaco, Mailand und München verglich. „Moabit neu entdecken“, forderte der Investor die Betrachter auf.

Doch von den Nobelorten ist das Viertel weit entfernt. Vom traditionellen Einzelhandel auf der nahen Turmstraße ist nicht viel geblieben. Stattdessen prägen Dönerbuden, Ein-Euro-Läden und Friseure das Bild. Immerhin hat der Erweiterungsbau des Schultheiss-Quartiers die große Lücke an der Ecke Turm- und Stromstraße geschlossen. Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) ist deshalb froh über das Center. Es bedeute „eine deutliche Attraktivitätssteigerung für den gesamten Bezirk, für den Ortsteil insbesondere“, sagte er. Nach Jahren des Leerstands und der Brachfläche habe HGHI dem Standort neues Leben eingehaucht.

Erhöhte Verkehrsbelastung wird erwartet

Von Dassel hofft, dass Anwohner und Kiez gleichermaßen profitieren. Leiden könnten allerdings zunächst die Geschäftsleute an der Turmstraße. Martina Matischok, SPD-Fraktionsvorsitzende im Bezirk Mitte, befürchtet, dass die Eröffnung „nicht ohne Folgen für kleinere Einzelhandelsgeschäfte in der Umgebung bleibt und einige in Folge schließen müssen“.

Gemischte Erwartungen hat Johanna Oestereich vom Geschäftsstraßenmanagement Turmstraße. Sie hofft, von der Anziehungskraft des Quartiers könne auch die Einkaufsstraße profitieren. Jedoch zögen mehrere Geschäfte von dort ins Center. „Erstmal entsteht auf der Turmstraße dadurch Leerstand“, sagt die Stadtplanerin. Deutlich zunehmen könnte auch der Verkehr.

Unter dem Schultheiss-Quartier baute HGHI eine Tiefgarage mit 400 Parkplätzen. Das Shoppingcenter ist dadurch auch für Autofahrer ein attraktives Ziel. „Es ist davon auszugehen, dass das Schultheiss-Quartier eine höhere Verkehrsbelastung zur Folge haben wird“, sagte Frank Bertermann, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Grünen in Mitte. Problematisch sei die Zufahrt zur Tiefgarage. Diese erreicht man von Osten kommend über die Turmstraße. Autofahrer aus anderen Richtungen könnten die Lübecker Straße als Abkürzung benutzen.

Eine Anwohnerinitiative protestiert bereits gegen die erwartete Zunahme des Verkehrs in der Wohnstraße. Der Bezirk erarbeitet ein Verkehrskonzept. Möglich ist eine Teilschließung, um den Durchgangsverkehr zu verhindern.

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