Schadstoffbelastung

Bessere Luft an der Leipziger Straße dank Tempo 30

Die Schadstoffwerte in der Tempo-30-Zone sinken. Viele Autofahrer halten Geschwindigkeitsbeschränkung ein.

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Diesel-Autos: Sie sind echte Umweltsünder, denn sie sind für 80 Prozent der schädlichen Stickoxid-Emissionen verantwortlich.

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Mitte.  Die Luft an der Leipziger Straße in Mitte ist nach der Einführung der Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Kilometern pro Stunde sauberer geworden. Messungen der Senatsverkehrsverwaltung zeigen, dass die Belastung durch Schadstoffe nach der Einführung des Tempolimits am 9. April gesunken ist. An einer mobilen Prüfstation in dem Tempo-30-Abschnitt wurden im Juni im Monatsmittel 39 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter gemessen. Im Mai waren es noch 50 Mikrogramm. Auch die Belastung mit dem ebenfalls giftigen Stickoxid ist gesunken – von 84 Mikrogramm im Mai auf 69 Mikrogramm im Juni.

Stickoxide wie das giftige Stickstoffdioxid (NO2) stammen vor allem aus Dieselmotoren. Sie können Atemwege reizen und das Risiko für Herzbeschwerden erhöhen. Der zulässige NO2-Grenzwert liegt im Jahresmittel bei 40 Mikrogramm. Dieser Wert wird in Berlin an vielen Straßen überschritten. Berlin könnte daher per Gerichtsbeschluss dazu verpflichtet werden, Maßnahmen zu ergreifen. Das Verwaltungsgericht verhandelt am 11. Oktober eine Klage der Deutschen Umwelthilfe. Es drohen Fahrverbote für ältere Diesel-Fahrzeuge.

Tempo 30 soll Schadstoffbelastung senken

Mit dem Projekt auf dem 1,2 Kilometer langen Abschnitt der Leipziger Straße will Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) prüfen, ob die Schadstoffbelastung durch Tempo 30 gesenkt werden kann. Die gesunkenen Messwerte sind ein Hinweis, dass dies so sein könnte. Denn einen Rückgang hatte es – umgerechnet auf die Zahl der Autos, die in dem Streckenabschnitt unterwegs waren – bereits im Mai gegeben – also im ersten Monat nach Verhängung der Geschwindigkeitsbeschränkung.

Der neuerliche Rückgang im Juni könnte noch aussagekräftiger sein. Denn das Tempolimit wird erst seit Mitte Mai kontrolliert. Laut Verkehrsverwaltung halten sich die meisten Autofahrer an die neue Regel. Die „Überschreitungsrate“ liege bei nur 3,5 Prozent, schreibt die Behörde in einer noch unveröffentlichten Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des SPD-Abgeordneten Sven Kohlmeier, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Die niedrige Quote kann als Anhaltspunkt dafür gelten, dass die Autos auf dem Streckenabschnitt des Projekts mit dem Tempolimit tatsächlich langsamer unterwegs sind als zuvor.

Wettereinflüsse können die Messergebnisse beeinflussen

Die Verkehrsverwaltung hält sich in ihrer Antwort auf die Anfrage des Abgeordneten Kohlmeier dennoch zurück. „Eine monatsweise Bewertung ist nicht sinnvoll“, schreibt Verkehrs-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner. Eine statistisch und rechtlich belastbare Auswertung „von Einflüssen der Meteorologie und der Verkehrsentwicklung“ sei nur bei einer ausreichenden Dauer des Versuchs möglich.

Die tagesaktuellen Werte der Belastung mit Schadstoffen schwanken erheblich. So wurden am Mittwoch, den 6. Juni, im Mittel 51 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter gemessen. Eine Woche später, ebenfalls am Mittwoch, waren es 25 Mikrogramm. Aus Expertensicht zeigt die Spannbreite, dass meteorologische Faktoren größeren Einfluss auf die Schadstoffbelastung haben können als die Geschwindigkeit der Fahrzeuge. Messungen der TU Berlin scheinen den Daten der Prüfstation des Senats zudem zu widersprechen. Wie berichtet, kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass die Schadstoffbelastung seit Einführung des Tempolimits nur minimal gesunken sei. Die Verkehrsverwaltung hatte die Methodik der TU-Messungen allerdings angezweifelt.

Der Abgeordnete Kohlmeier spricht sich dafür aus, zunächst den weiteren Verlauf des Projekts abzuwarten. Von stadtweitem Tempo 30 halte er wenig. „Aber wenn sich bestätigt, dass der Ausstoß von Schadstoffen damit verringert werden kann, wird man die Diskussion um weitere Beschränkungen führen müssen“, sagte Kohlmeier. In der Abwägung zwischen Fahrverboten und Tempolimits seien Letztere die bessere Maßnahme.

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