Sperrungen in Mitte

Bombe wird am Hauptbahnhof entschärft: Verkehrschaos droht

Die Polizei rechnet mit massiven Verkehrsbeeinträchtigungen rund um den Sperrkreis. Betroffen sind auch Hauptbahnhof und Charité.

Reisende sorgen dafür, dass ein Taschendieb festgenommen wird

Reisende sorgen dafür, dass ein Taschendieb festgenommen wird

Foto: dpa/picture alliance

Berlin. Die Entschärfung einer Bombe aus dem zweiten Weltkrieg wird am Freitag den Berliner Hauptbahnhof lahmlegen. Ab 10 Uhr halten die Züge nicht mehr am Hauptbahnhof und fahren ohne Halt durch, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Der Hauptbahnhof wird geräumt. Ab 11.30 Uhr wird der Zugverkehr in und um den Hauptbahnhof dann vollständig eingestellt. Es werde Umleitungen und Unterbrechungen geben, sagte eine Sprecherin, der genaue Linienplan werde noch ausgearbeitet. Nach Angaben der Deutschen Bahn bewegen sich täglich 300.000 Reisende über den Hauptbahnhof.

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In Mitte droht ein Verkehrschaos: Die Polizei räumt am Freitag ab 9 Uhr ein Gebiet mit 800 Meter Radius. Zahlreiche Straßen werden gesperrt, der Hauptbahnhof geräumt. Es gibt weiträumige Sperrungen an der Fenn-, Seller-, Heide-, Scharnhorst- und Invalidenstraße, an der Lehrter Straße, Kruppstraße, Seydlitzstraße und am Europaplatz. Gesperrt werden auch die Habersaathstraße und der Schwarze Weg. Die Polizei rechnet mit erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen.

Im Sperrkreis liegen die Bundesstraße 96, die Invalidenstraße sowie Teile der Fennstraße und Perleberger Straße. Auch die Lehrter Straße und die Scharnhorststraße werden nicht befahrbar sein. Frei sind nach Informationen der Polizei die Chausseestraße und die Berliner Ringbahn. Einen Zeitpunkt für die Aufhebung der Sperrungen nannte die Polizei nicht.

Der BVG-Nahverkehr werde nur an den Haltestellen direkt im Sperrkreis betroffen sein, sagte eine Sprecherin. Busse sollen den Hauptbahnhof umfahren, Straßenbahnen über Wendeschleifen umkehren. Lediglich die U-Bahn der Linie 55 werde während der Räumung komplett eingestellt. „Wir bleiben dicht an dem Sperrgebiet dran. Es kann allerdings zu Verspätungen kommen“, sagte die Sprecherin.

Auch zahlreiche weitere Gebäude sind betroffen. Das Museum für Gegenwartskunst im Hamburger Bahnhof und das Sozialgericht bleiben geschlossen. Mehr als 20 Verhandlungen werden abgesagt, die Bibliothek und die Rechtsantragsstelle sind den ganzen Tag nicht zugänglich. Alle Mitarbeiter sind für Freitag von ihrer Dienstpflicht befreit. Die Prozessbeteiligten sollen noch individuell informiert werden, hieß es.

Auch einige wenige Bereiche der Charité müssen evakuiert werden, teilte die Klinik mit. Betroffen ist demnach der nordwestliche Bereich des Campus Charité Mitte mit den Gebäuden an der Invalidenstraße bis zum Berliner Medizinhistorischen Museum. Außer dem Museum müssen auch wenige ambulante Bereiche, Teile der Verwaltung und 40 stationäre Betten evakuiert werden. Das Charité Bettenhaus Mitte ist nicht betroffen.

Zudem befinden sich innerhalb des Sperrkreises das Bundeswirtschaftsministerium, das Bundeswehrkrankenhaus und zum Teil die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes. Ob die Gebäude komplett geräumt werden müssen, stehe derzeit noch nicht fest, teilte ein Polizeisprecher mit. Auch das Vabali Spa an der Seydlitzstraße und das Hostel A&O an der Lehrter Straße werden an diesem Tag ihre Türen für eine gewisse Zeit schließen müssen.

Der 500 Kilogramm schwere Blindgänger war auf einer Baustelle an der Heidestraße gefunden worden, teilte die Polizei. "Ihr Zustand ist sicher; es besteht keine unmittelbare Gefahr", heißt es in einem Tweet.

Diese Hinweise gibt die Berliner Polizei:

  • Folgen Sie den Anweisungen der Polizei und Ordnungsdienste

  • Lassen Sie Ihre Haustiere in der Wohnung

  • Umfahren Sie den Bereich weiträumig

  • Wenn möglich, verschieben Sie Ihre Arbeitszeit

  • Wenn möglich, besuchen Sie Freunde oder Bekannte

  • Wenn Sie für die Dauer der Entschärfung eine Unterkunft benötigen, können Sie sich an eine der unten genannten Sammelstellen wenden: Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule, Quitzowstraße 141, und Grundschule Neues Tor, Hannoversche Straße 20

Unklar ist, warum die Entschärfung der Bombe Freitag, 9 Uhr erfolgen muss. Die Weltkriegsbombe war von Kriminaltechnikern begutachtet, umzäunt und gesichert worden. Theoretisch könnte man die Bombe also auch am Sonnabend oder Sonntag entschärfen, wenn es weniger Berufsverkehr in Berlin gibt. Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat die Entscheidung, die Entschärfung auf den Freitagmorgen zu legen, auch damit zu tun, dass am Wochenende nicht genügend Spezialisten und Kräfte vorhanden wären, um die Entschärfung, Absicherung und Evakuierung zu gewährleisten.

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