Berlin-Mitte

Der Leipziger Platz wird 2019 fertig

Der umstrittene Neubau ohne Wohnungen ist vom Bezirk Mitte genehmigt worden. Luxemburgische Firma baut Büro- und Geschäftshaus.

Die letzte Baulücke auf dem Leipziger Platz im Zentrum Berlins wird bald geschlossen

Die letzte Baulücke auf dem Leipziger Platz im Zentrum Berlins wird bald geschlossen

Foto: léonwohlhage, Berlin / BM

Das umstrittene Büro- und Geschäftshaus am Leipziger Platz 18/19 in Mitte kann errichtet werden – auch ohne den üblichen Anteil an Wohnungen. Das Bezirksamt Mitte hat jetzt die Baugenehmigung erteilt. Er habe "sehr ernsthaft versucht, die Eigentümerseite bezogen auf den Wohnanteil umzustimmen", teilte Mittes Stadtrat für Stadtentwicklung, Ephraim Gothe (SPD), mit. Doch er blieb erfolglos.

Damit unterliegt der Bezirk Mitte in einem langwierigen Streit. Denn der hatte im November 2015 die Bauvoranfrage des Investors bekommen und Anfang 2016 mitgeteilt, dass es keine Befreiung vom Wohnungsbau geben werde. Grund: Der Bebauungsplan am Leipziger Platz schreibt einen Anteil von mindestens 20 Prozent Wohnungen in Neubauten vor. So soll ein Quartier mit vielfältiger Nutzung entstehen.

Der Investor, die F100 Investment A.G. mit Sitz in Luxemburg, hatte das Grundstück im Jahr 2011 gekauft. Die Firma legte beim Senat Widerspruch gegen die Entscheidung des Bezirksamtes Mitte ein. Im März 2016 entschied die Behörde des damaligen Stadtentwicklungssenators, Andreas Geisel (SPD), dass auch ohne Wohnungen gebaut werden dürfe. Begründung: der Verkehrslärm auf beiden Seiten des Grundstücks. Es liegt nahe der Kreuzung Leipziger, Potsdamer und Ebertstraße. Wegen des Verzichts auf den Wohnungsanteil wurde Geisel sowohl von Linken und Grünen im Abgeordnetenhaus als auch vom damaligen Koalitionspartner CDU kritisiert. Denn ein Lärmgutachten war nicht erstellt worden. Außerdem wurde bekannt, dass Peter Strieder (SPD), Berlins Stadtentwicklungssenator von 1996 bis 2004, als Berater des luxemburgischen Investors tätig war.

Bezirk wollte Wohnanteil durchsetzen

Im Frühjahr 2017 stellte die F100 Investment A.G. den Bauantrag. Daraufhin beauftragten die Bezirksverordneten von Mitte das Bezirksamt, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Wohnanteil auch auf dem letzten unbebauten Grundstück durchzusetzen. Stadtrat Gothe bat das luxemburgische Unternehmen in einem Brief, den Wohnanteil "in Ihren weiteren Planungen ernsthaft zu prüfen".

Die Befreiung durch den Senat habe in der Öffentlichkeit großes Aufsehen erregt und "wird von nicht wenigen Bürgern dieser Stadt sehr kritisch gesehen". Er appelliere an das Unternehmen, so Gothe, "die mit dem Bebauungsplan geschaffene rechtliche Grundlage zu respektieren". Alle Investoren am Leipziger Platz hätten sich bisher daran gehalten. Der Standort möge als denkbar ungeeignet für Wohnen erscheinen, so Gothe, doch das Signal der Abkehr von der einmal getroffenen Festlegung sei "ungleich verheerender".

Es wäre falsch, entgegen besserer Erkenntnis auf das gewährte Recht zu verzichten und den Wohnanteil einzuführen, schrieb die F100 Investment A.G. dem Baustadtrat. Die Befreiung vom Wohnanteil für ihr Bauvorhaben sei "ein in jeder Hinsicht den rechtsstaatlichen Grundsätzen entsprechendes Verwaltungsverfahren". Die öffentliche Diskussion darüber sei "in ihrer Schärfe" verwunderlich.

Das Gebäude soll 10 Stockwerke haben

Den Baubeginn hat das Unternehmen für 2017 angekündigt, die Fertigstellung für 2019. Das Gebäude soll zehn Stockwerke haben. Im Erdgeschoss und in der ersten Etage sind rund 2000 Quadratmeter Fläche für Handel vorgesehen. In den oberen Geschossen entstehen auf etwa 6500 Quadratmetern Büros. Der Neubau wird nach Plänen der Architekten léonwohlhage realisiert. Die Berliner gewannen 2016 den Wettbewerb, zu dem sieben Büros eingeladen waren. "Der sorgfältig proportionierte Baukörper besticht durch Eleganz, Ruhe und Qualität", urteilte das Preisgericht. Zu den bekannten Projekten von léonwohlhage zählen die Indische Botschaft in Berlin und die SchwabenGalerie in Stuttgart.

Die Fassade des Neubaus am Leipziger Platz 18/19 wird aus Glasflächen und Kunststeinelementen bestehen. Auch am Äußeren gab es Kritik aus Mitte. Das Erscheinungsbild sei zu dunkel, befand der Ausschuss für Stadtentwicklung nach einer Präsentation. In diesem Punkt gibt es noch Einflussmöglichkeiten. Ihm sei zugesichert worden, teilte Stadtrat Gothe mit, dass die Fassaden heller gestaltet werden als ursprünglich geplant. Auch wenn es um das Muster des Fassadenmaterials geht, würden Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und er einbezogen.

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