Liberale Berliner Moschee

Seyran Ateş weist Gülen-Gerüchte von Religionsbehörde zurück

Die Imamin wird beschuldigt, Verbindungen zu der in der Türkei verfolgten Bewegung zu haben. Dies sei eine "Lüge", sagt die 54-Jährige.

Seit der Eröffnung ihrer Moschee in Moabit wird Seyran Ateş verstärkt angefeindet

Seit der Eröffnung ihrer Moschee in Moabit wird Seyran Ateş verstärkt angefeindet

Foto: Wolfgang Borrs / dpa

Die türkische Religionsbehörde Diyanet hat die neue liberale Moschee in Berlin in Verbindung mit der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen gebracht. „Es ist offensichtlich, dass das ein Projekt des Religionsumbaus ist, das seit Jahren unter der Federführung von Fetö und ähnlichen unheilvollen Organisationen durchgeführt wird“, teilte Diyanet am Dienstagabend mit.

Die von der Türkei offiziell als Fetö bezeichnete Gülen-Bewegung wird von der Regierung in Ankara für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich gemacht und als Terrororganisation eingestuft.

Der Vorsitzende der Gülen-nahen Stiftung Dialog und Bildung, Ercan Karakoyun, hatte sich dagegen von der Moschee der Berliner Frauenrechtlerin Seyran Ateş distanziert. Karakoyun sagte, er habe Morddrohungen erhalten, nachdem ihn ein türkischer Fernsehsender fälschlicherweise mit dem Projekt von Ateş in Verbindung gebracht habe.

Ateş weist die Vorwürfe zurück

Seyran Ateş selbst hatte die Anschuldigungen bereits gestern von sich gewiesen. "Ich weiss nicht, ob ich lachen oder weinen soll, über die armseligen Journalisten und den Sender AHaber, die weiterhin die Lüge verbreiten, Ercan Karakoyun habe mit uns die Moschee eröffnet und wir seien eine FETÖ Moschee. Arme Türkei!", schrieb sie am Dienstag auf ihrer Facebook-Seite. Auf Morgenpost-Anfrage bekräftigte sie dies noch einmal: "Wir sind für die doch viel zu liberal und progressiv."

In der neuen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee beten Männer und Frauen nebeneinander. Das Gotteshaus steht Sunniten, Schiiten und Aleviten offen, aber auch Juden, Christen uns Atheisten. Das erste Freitagsgebet leiteten ein Mann und eine Frau gemeinsam. Die Imamin trug kein Kopftuch.

Seit der Eröffnung erhält Seyran Ateş Morddrohungen von radikalen Muslimen

Diyanet kritisierte, mit diesem Vorgehen würden „die Grundsätze unserer erhabenen Religion missachtet“. Es handele sich um Bemühungen, die Religion „zu untergraben und zu zerstören“. Die Behörde rief „gläubige Brüder“ auf, sich nicht provozieren zu lassen. Auf diese vermeintliche Beschwichtigung hören nicht alle Muslime. Seit der Moschee-Eröffnung erhält Seyran Ateş Morddrohungen.

Auch die oberste Fatwa-Behörde in Ägypten, Dar al-Iftaam, kritisierte die Moschee. „Nein zu liberalen Moscheen“, teilte die Behörde auf Facebook mit. „Frauen können nicht in einer Reihe neben Männern beten. Frauen ist es nicht erlaubt, ohne Schleier zu beten. Frauen ist es nicht gestattet, Imam zu sein, wenn dort Männer beten.“ Liberale Muslime weisen dies zurück.

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