Pause für „Bärlinde“

Weiterbau der U5 wird auf unbestimmte Zeit verschoben

Vor zwei Monaten gab es auf der U5-Baustelle einen Erd- und Wassereinbruch, seitdem suchen Experten nach der Ursache. Wann mit dem Bau des zweiten Tunnels begonnen werden kann, ist unklar.

Foto: Florian Schuh / dpa

Was „Bärlinde“ am besten kann, ist derzeit nicht erlaubt: bohren. Und so wie es aussieht, ist nicht mal klar, wann der Tunnelbohrer seiner Lieblingsbeschäftigung wieder nachgehen kann.

Denn die Arbeiten für den Lückenschluss der U5 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor in Mitte sind ins Stocken geraten. Eigentlich sollte „Bärlinde“ im November mit dem Bau der zweiten, 1,6 Kilometer langen Röhre beginnen. Doch dieser Termin steht auf der Kippe.

Grund ist laut der Projektgesellschaft U5 der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ein Gemisch aus sechs Kubikmetern Erde, Sand und Wasser, das vor zwei Monaten in der Nähe des Brandenburger Tores in die Baustelle gelangte.

Es drang von unten ein und befand sich am Schildrad und in der Abbaukammer von „Bärlinde“. „Seit letzter Woche halten sich unsere Experten in der Kammer auf, um nach der Ursache zu suchen“, sagt Sprecherin Heike Müller.

Genaue Angaben zu Mehrkosten und Zeit könnten nicht gemacht werden. „Einen Termin für den Baustart können wir nicht nennen. Noch liegen wir aber im Plan“, versichert Müller. Selbiges hatte U5-Technikchef Jörg Seegers auch Anfang des Monats Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) versichert. Da war jedoch noch nicht bekannt gewesen, dass der Novembertermin möglicherweise nicht gehalten werden kann.

Ursache gilt als „Mysterium“

Die Ursachenfindung des sogenannten Bodeneintritts hatte sich schon vor zwei Monaten als schwierig herausgestellt, von einem „Mysterium“ war gar die Rede. Weil die Gefahr von Hohlräumen bestand, musste ein 200 Meter langer Abschnitt des Boulevards Unter den Linden gesperrt werden. Experten nahmen Probebohrungen in bis zu zehn Metern Tiefe vor.

Diese ergaben, dass es nicht zu Bewegungen im umliegenden Erdreich der Straße gekommen war. Deshalb hatten auch die dort installierten Sensoren nicht ausgeschlagen. Die Gefahr, dass die Fahrbahn absacken könnte, bestand nicht.

Auch Tunnel und Tunnelbohrer wurden durch den Vorfall nicht beschädigt, aber es fehlte an Erklärungen. Eine Vermutung: der hohe Druck in 15 Metern Tiefe, durch den sich das Grundwasser stark bewegt. Allerdings konnte niemand sagen, wo die sechs Kubikmeter Masse im Erdreich fehlten. „Es war immer klar, dass wir auch vor Ort nach den Ursachen suchen müssen“, sagt Müller. Doch die Maschine, mit der der dafür nötige Druck unter Tage erzeugt wird, war bereits abgebaut und zum Startpunkt am Marx-Engels-Forum transportiert worden. Sie musste erst wieder aufgebaut werden. Das Wasser-Sand-Erd-Gemisch wurde derweil aus der Baustelle entfernt.

BVG will nicht noch mehr Zeit verlieren

Die BVG will nun dafür sorgen, dass sie andere Arbeiten vorziehen kann, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Insgesamt werden die Verantwortlichen ihre Planung wohl nach hinten korrigieren müssen. Ursprünglich sollte „Bärlinde“ im Frühjahr nächsten Jahres mit der zweiten Röhre fertig sein.

Nach dem Bodeneintritt im August wurden die Arbeiten erst mal so fortgeführt wie geplant: Die Nachläufer von „Bärlinde“ (diverse Aggregate, Pumpen und kleine Werkstatteinrichtungen) wurde auseinandergebaut und zum Marx-Engels-Forum gebracht. Der Kopf des 700 Tonnen schweren und 70 Meter langen Bohrers, die eigentliche Maschine, befindet sich aber noch in ihrer gesicherten Parkposition weiter westlich. Solange die Untersuchung dort nicht abgeschlossen ist, geht es nicht weiter. „Es ist unsere Pflicht, der Sache auf den Grund zu gehen“, sagt Müller. „Wir treffen damit Vorkehrungen, dass das in Zukunft nicht noch mal passiert.“

Es ist nicht der erste Zwischenfall, der das Projekt stoppt. Im Oktober 2013 hatte es Probleme mit dem Grundwasser gegeben. In der Baugrube des künftigen U-Bahnhofs Museumsinsel war der Wasserzulauf doppelt so hoch wie erwartet – eine fast sechsmonatige „Zwangspause“ für „Bärlinde“ war die Folge, denn es hätte zu Einbrüchen kommen können. Dass die neue U5 wie etwa vom Nachrichtenmagazin „Focus“ nun bereits mit dem Chaosflughafen BER verglichen wird, findet man bei der Projektgesellschaft nicht ganz fair. Bei Arbeiten unter Tage könne man nie genau vorhersagen, welche Unwägbarkeiten auftreten, heißt es.

Neue U5 kostet 525 Millionen Euro

Der Abschluss des Projekts ist für 2019 terminiert, vorausgesetzt, dass nicht noch mehr Unvorhergesehenes passiert. Die U5 soll dann mit der U55 zusammengeführt werden. Für die erweiterte Linie gibt es drei neue Bahnhöfe: Rotes Rathaus, Museumsinsel und Unter den Linden. Die Kosten belaufen sich auf etwa 525 Millionen Euro, rund 80 Prozent davon trägt der Bund.