Berlin-Mitte

Mini-Erdrutsch Unter den Linden bleibt ein Rätsel

Bohrungen haben ergeben, dass sich unter der Fahrbahn keine Hohlräume gebildet haben. Am Sonntag war es zu einem Mini-Erdrutsch in der U-Bahn-Baustelle gekommen. Die Ursache ist weiter unklar.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Nach mehr als zwei Tagen rollt der Verkehr wieder auf dem Boulevard Unter den Linden. Am Dienstagmittag gab das Bezirksamt Mitte den 200 Meter langen gesperrten Abschnitt zwischen Wilhelm- und Schadowstraße endlich frei. Dieser war am Sonntag in Richtung Brandenburger Tor gesperrt worden, da in die unter der Fahrbahn liegende U-Bahn-Baustelle rund sechs Kubikmeter Sand und Wasser eingedrungen waren.

Da nicht klar war, wie belastbar die Straße noch ist, nahmen Experten Probebohrungen in bis zu zehn Metern Tiefe vor. Deren Auswertung am Montag hat ergeben, dass es nicht zu Bewegungen und Hohlräumen im umliegenden Erdreich der Straße gekommen ist, wie die Projektgesellschaft U5 der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mitteilte. Deshalb hätten auch die dort installierten Sensoren nicht ausgeschlagen. Das Areal rund um die Baustelle sei stabil und sicher, auch der neue U5-Tunnel sei von diesem Zwischenfall nicht betroffen und in seiner Lage stabil. „Wir können vieles ausschließen“, sagte Sprecherin Heike Müller. „Das sind wichtige Erkenntnisse.“

Im nächsten Schritt beraten die Verantwortlichen über weitere Maßnahmen. „Die Frage ist, welche am sinnvollsten sind“, so Müller. Denn noch immer ist unklar, wie es zu dem Vorfall kam. Benjamin Sokolowski, Sprecher des ausführenden Bauunternehmens Bilfinger Construction, vermutet, dass die Bewegungen des Grundwassers verantwortlich sind. Diese seien bei dem hohen Druck in 15 Metern Tiefe sehr stark. Ebenfalls nicht bekannt ist, wo die sechs Kubikmeter Masse im Erdreich fehlen. Sie waren von unten in die Baustelle eingedrungen und befinden sich am Schildrad und in der Abbaukammer von Tunnelbohrer „Bärlinde“. Dieser parkt derzeit in der Nähe des U-Bahnhofs Brandenburger Tor und befindet sich in einer „gesicherten Position“.

Der Bohrer wird derzeit in seine Einzelteile zerlegt und dann zurück zum Startpunkt am Roten Rathaus gebracht, um in zwei Monaten mit dem Bau der zweiten Tunnelröhre zu beginnen. Die Zerlegung wurde zunächst gestoppt, doch jetzt können die sogenannten Nachläufer von „Bärlinde“ (diverse Aggregate, Pumpen und kleinere Werkstatteinrichtungen) weiter abgebaut werden.

Laut Plan soll die zweite Röhre im Frühjahr nächsten Jahres fertig sein. Das 525-Millionen-Euro-Projekt befindet sich rund fünf Monate in Verzug.