Clärchen hat sie alle überlebt: das „Icon“, den Knaack, den „Klub der Republik“, das „Zur Möbelfabrik“ und natürlich die „Bar25“. Das Clubsterben ging an „Clärchens Ballhaus“ vorbei und an diesem „Freitag, dem 13.“ wird das Häuschen an der Auguststraße in Berlin-Mitte genau 100 Jahre alt. Schon zu Zilles Zeiten wurde getanzt, geflirtet, getrunken – auch in umgekehrter Reihenfolge.

Die Musik reicht inzwischen von AC/DC über Peter Fox bis Andrea Berg. Cool muss hier aber niemand sein. Tagsüber sitzen Familien bei Pizza im Garten, nach Mitternacht kann die Stimmung sein wie bei einer Betriebsfeier. Da sitzen Forstarbeiter neben Museumsdirektoren, Baggerfahrer neben Vermögensberatern an einem Tisch. Einen strengen Türsteher hat das Ballhaus nicht. „Die Frisur muss nicht sitzen, die Klamotten sind wurscht“, schrieb ein Stadtmagazin und vergab den Titel „Berlins Absturzladen 2012“.

Garderobier passt zum 20er-Jahre-Tanzsaal

„Der Pulsschlag ist das Tanzen“, sagt David Regehr (46), seit 2004 neben Christian Schulz (43) einer der Ballhaus-Chefs. Als die beiden Theaterleute das Ballhaus vor neun Jahren aus dem Dornröschenschlaf weckten, kamen die alten Stammgäste zurück. Und mit ihnen junge Leute, Touristen und Prominente. Quentin Tarantino drehte an der Bar mit Brad Pitt und Christoph Waltz eine Szene für den Zweiten-Weltkriegs-Film „Inglourious Basterds“.

Zeitreisen wie diese sind keine Besonderheit an einem Ort, der von Günter Schmidtke bewacht wird. Der 78-Jährige ist Berlins bekanntester Garderobier und mit seinem Schnauzbart fast selbst einem Gemälde entsprungen. Er passt zu einem Tanzsaal, die wie eine Filmkulisse aus den 20er-Jahren daherkommt.

Tanzkurse bei laufendem Gastro-Betrieb

Den Namen hat der Ort von seiner ersten Inhaberin: Clara „Clärchen“ Habermann, die vor 100 Jahren zu „Witwenbällen“ lud. An die 900 Ballhäuser soll es angeblich zu Kaisers Zeiten in Berlin gegeben haben, nur noch wenige sind übrig. „Clärchens“ war mehr als 90 Jahre in Familienbesitz, bis Regehr und Schulz es „völlig blauäugig“ übernahmen. Eine der wichtigsten Entscheidungen war für sie, Tanzkurse bei laufendem Gastro-Betrieb abzuhalten. Das bringt Leben in die Bude. Das Motto für das Jubiläumsfest: „100 Jahre Clärchens Ballhaus, 7 Tage Hochbetrieb“.

Die Berliner Morgenpost hat zehn Berliner Clubs gefragt, was sie dem „Clärchen“ wünschen.

Kater Holzig

Alte Schachtel, liebstes Clärchen! Das Leben ist wie eine Box Pralinen, man weiß nie, was man bekommt…

Auf das Süße, Wilde, Feurige, Hochprozentige… Auf das Abenteuer mit Clärchen! Eine für Leib, fürs Wohl, mit Wein und Gesang… ein Berliner Zille-Weib.

Der Kater Holzig gratuliert zur 100-jährigen Tanzgeschichte, wünscht noch viele schwungvolle und durch schwofende Tage wie Nächte.

Let’s Fetz von ganzem Herzen so lange wie Beine tanzen, Köpfe wippen und Herzen glühen!

Eure mauzenden Miezen und jolenden Katers

Pauly Saal

Wir freuen uns schon darauf, wenn in 98,5 Jahren die Freunde aus Clärchens Ballhaus bei uns unseren hundertsten Geburtstag feiern. Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für die nächsten hundert Jahre!

Stephan Landwehr und Boris Radczun

SO36

Liebes Clärchens Ballhaus, voller Respekt, Anerkennung und Neid auf deinen total geilen Spiegelsaal, gratulieren wir ganz ganz herzlich zum 100. Geburtstag. Toll, dass du nach all der Zeit noch so fit und rüstig immer fleißig das Tanzbein schwingst!

Wir versuchen unser Bestes, dir nachzueifern und laden dich jetzt schon zu unserer 36 Jahre SO36 Sause im nächsten Sommer ein. Du darfst gerne jemanden mitbringen! Swing as swing can!!

Dein SO36

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Clärchen! Niemand kann dir nehmen, was du getanzt hast.

Gretchen

Auf die nächsten 100 Jahre Damenwahl. Von Frau zu Frau

Grüner Salon

100 Jahre, 1000 leidenschaftlich durchtanzte Nächte und in Zukunft noch viele, viele mehr! – Danke Clärchens Ballhaus – Alles Gute wünscht der Grüne Salon

Schokoladen

Liebe Oma Clärchen,

als wir vor über zwanzig Jahren in Deine Nachbarschaft gezogen sind, sah man Dich noch mit Kittelschürze durch die unsanierte Auguststraße spazieren. Im Konsum Ecke Tucholskystraße haben wir Dich am Milchregal getroffen und Du hattest immer eine Geschichte aus der letzten Nacht parat. Und wenn wir kamen, um uns in Deiner Stube aufzuwärmen, haben wir aus Spaß mit unseren Fingern an Deinen Papiergirlanden gerieben, an denen gelblich der Nikotin der letzten Jahre klebte. In den letzten Jahren haben wir ein wenig miteinander gefremdelt. Viele Deiner Gäste von damals sind lange weg, weil sie sich die Miete in Deiner Nachbarschaft nicht mehr leisten können. Neue Gäste sind gekommen, die Deine Adresse in Reiseführer finden und in ihren Smartphones nach der Bedeutung für das Wort Schwoof suchen. Die sich fragen, ob Du nun retro oder vintage bist. Die Fassaden in der Auguststraße sind fast alle saniert und meistens ist es schick, satt und langweilig. Nur bei Dir ist ein noch wenig Aufregung, denn an Dir klebt das Aroma der vergangenen Jahrzehnte. Dir ist klar, dass Du aus der Zeit gefallen bist, aber Du lächelst über die Verhältnisse, denn Du weißt das Du in Deiner besonderen Art immer noch anziehend wirkst. Für Deine Standhaftigkeit, die letzten Hundert Jahre überdauert zu haben möchten wir Dich beglückwünschen. Für den Anmut und den Stolz mit denen das geschehen ist ebenfalls. Auf das noch viele Geburtstage folgen werden. Deine Nachbarin Schokoladen aus der Ackerstraße.

SchwuZ

Liebes Clärchen! Die besten Wünsche zum 100sten übersenden wir vom SchwuZ aus Kreuzberg! Auch wenn wir im Herbst nach Neukölln ziehen, kehren wir immer gern zum lecker Essen ein und schwofen mir Dir zum geliebten Retrosound. Bleib so schön rustikal und glitzernd: Auf die nächsten 100!

Dunckerclub

Wir gratulieren von Herzen zum Geburtstag und senden Grüße aus dem Prenzlauer Berg, wo es ja tanztechnisch nicht mehr ganz so bunt läuft wie bei Euch in der Gegend. Wir machen weiter und Ihr hoffentlich auch noch lange! Auf die nächsten 100! Euer Duncker

White Trash

„Good taste never goes out of style...“ and like my grandma used to say, „never trust a man with tattoos, and never marry a man who can’t dance.“ The Clärchens experience after all these ,after-mauer’ years is a fantastic ,reality check’ for Berlin. They mean it seriously, 100 years, take a real look at this place, no one can fake that shit.

Wally vom White Trash