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Berlins Westen ist für Clubchef Klatt noch keine Option

„Spindler & Klatt“, „The Grand“ und „Monbijou“: Jesko Klatt betreibt in Berlin drei Clubs und ist weiterhin auf Expansionskurs. Seine Lokale liegen alle im Ostteil der Stadt - noch.

Foto: JOERG KRAUTHOEFER / JöRG KRAUTHöEFER

Die Kombination aus Babyflasche, dem silbernen Totenkopfring am Finger und der dunklen Sonnenbrille wirkt auf den ersten Blick ein wenig skurril. Doch wenn die Mama keine Zeit hat, dann muss der elf Monate alte Jaden eben mit zum Interview in Papas neuem Laden – dem "Monbijou" in Berlin-Mitte. Kein Problem für den erfahrenen Gastronom Jesko Klatt.

Wer erfolgreich drei Läden schmeißt und weiterhin auf Expansionskurs ist, für den scheint auch die Versorgung des Nachwuchses noch in den Zeitplan zu passen. Nur mit der Designer-Wickeltasche müsse er sich noch anfreunden, gibt der 44 Jahre alte Club-Betreiber zu. Aber beim Kinderwagen habe er teilweise Mitspracherecht gehabt: Ein Modell in mattschwarz. Immerhin.

Was der gebürtige Marburger anfasst, scheint zu gelingen. 2006 eröffnete Klatt das Club-Restaurant "Spindler & Klatt" an der Köpenicker Straße, im Jahr 2012 kam das "The Grand" nahe des Rosa-Luxemburg-Platzes hinzu. Mit Immobilienunternehmer und Hotelier Lutz Strangemann eröffnete er zudem vor einigen Wochen das "Monbijou" unweit vom Hackeschen Markt.

Ein Designhotel, bei dem es nicht darum geht, besonders viele Sterne zu bekommen, sondern das gewisse Etwas zu haben. Mehr Design, weniger auf Fön und Handtuchhalter achten, erklärt er lachend, obwohl diese Sachen natürlich auch zu finden sind. Klatt ist im "Monbijou" verantwortlich für das Restaurant und die Bar – möchte jedoch nicht nur für Touristen interessant, sondern auch für die heimischen Berliner da sein - und all das zu einem guten Preis. "Du kannst deine Frau einladen zum Essen, guten Wein haben, mehrere Gänge – halt wirklich gut Dinieren und dann zum Schluss nicht mehr als 70 Euro zahlen", sagt Klatt, der zugibt "schlichtweg nichts gelernt" zu haben. "Man muss einfach ein Gefühl dafür haben, wissen, was die Leute wollen."

In einer Stadt wie Berlin muss man schnell reagieren

Nur so könne man als Gastronom erfolgreich sein in einer Stadt wie Berlin. In einer Stadt, in der sich in kurzer Zeit radikale Veränderungen vollziehen, müsse man deshalb schnell reagieren. Viele seiner Inspirationen holte sich der Berliner im Ausland. "Ich bin oft gereist, war in den USA und Asien und habe dort in der Gastronomie gejobbt. Als wir damals das Konzept entwickelt haben, da war mir klar: So einen Laden braucht die Stadt", erklärt Klatt. "Das gab es nirgendwo anders und gibt es bis heute auch noch nicht in diesem Stil."

Ein Novum also, auch im Bezug auf die Lage am Wasser. Bei der Eröffnung des Restaurants war Klatt noch komplett allein auf weiter Flur. Heute reiht sich ein Laden neben dem anderen am Spree-Ufer. Zeit für ihn, sich wieder einmal weiterzuentwickeln, den Drang stillen, neue Dinge auszuprobieren und auf den Wandel der Berliner Szene zu reagieren. "Ich glaube, mittlerweile ist Berlin gastronomisch längst auf Augenhöhe wie London, Paris, vielleicht noch nicht ganz New York", sagt er. "Es kommen die normalen Touristen mit Rucksack und Regenjacke aber auch Leute aus der Szene, die gewisse Dinge erwarten, einen hohen Standard eben."

Dies sei jedoch nicht immer so gewesen, erklärt der erfahrene Gastronom. "Man kann fast sagen, dass in Berlin die Clubs wie eine bedrohte Tierart sind", sagt er. "Früher konntest du im Hinterhof in irgendeinem Schuppen einen Club aufmachen und keinen hat es gestört. Sind heute die falschen Nachbarn da, können die Clubs ganz schnell platt gemacht werden." Früher habe es viele Freiflächen gegeben, man habe sich austoben können. Heute bekäme man nur mit wahnsinnig viel Glück gute Immobilien.

Ein komplettes Hotel, nur die Zimmer fehlen

"Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass es in Berlin einfach ist eine Location aufzubauen. Die Anforderungen sind gestiegen, es gibt wenigere Locations, mehr Bürokratie." Eine Lage wie die des "Spinder&Klatt" direkt am Spree-Ufer oder die des "The Grand" in Mitte seien unschlagbar, sagt er.

Der Trend, in den Berliner Westen zu gehen, wie es viele seiner Kollegen vormachen, ist für ihn noch keine Option. "Es wird dort nicht so schnell gehen wie mit dem Hype, den Mitte in den vergangenen Jahren erlebt hat. Mitte hat sich ganz neu entwickelt, weil der Freiraum da war. Der Westen muss sich revivalen", wie der Gastronom es nennt.

Im Bezug auf Expansion hat Klatt jedoch ganz andere Pläne. "Wenn wir was Neues machen, dann im Ausland, irgendwo wo es warm ist." Ständig habe er Ideen, einige Konzepte lägen bereits "in der Schublade". Konkrete Pläne für eine Umsetzung gebe es für London, wieder in Zusammenarbeit mit Strangemann – auch, wenn die britische Hauptstadt nicht gerade für sein gutes Wetter bekannt ist. "Dafür ist Barcelona hoch auf der Agenda", sagt Klatt.

Bis in die Karibik hat er es immerhin stilistisch fast geschafft. "Das ,The Grand' erinnert einerseits an ein abgerocktes Grand Hotel in Kuba oder Berlin", sagt Klatt. "Andererseits hat es eine enorme klassische Wertigkeit mit edlen Möbeln." Besonders stolz ist er auf die "Veuve Bar", die ein weiteres Element sei, das Bild zu brechen. "Ein Pop-Art-Modul, das sich durch die Galerie und das Restaurant schraubt", sagt der Gastronom, der selbst als Designer aktiv war. Zudem gibt es ein Ball-Room, immerhin ist genügend Platz vorhanden. Das "The Grand" füllt das Gebäude aus – ein komplettes Hotel eben, lediglich die Zimmer fehlen.

In allen drei Läden hat sich Klatt verwirklicht – und ist auch in allen dreien regelmäßig präsent. Dass er dann auch noch Zeit für Freizeit und Familie hat, verdankt er seinen zuverlässigen Mitarbeitern, gibt er zu. Klatt müsse wissen, dass das ,daily business' auch ohne ihn funktioniert. "Klar, als Gastronom habe auch ich eine ganz besondere Beziehung zu gutem Essen – und zum Genießen. Und ich bemühe mich auch, dafür Zeit zu finden." Und wenn die Zeit knapp wird, muss der kleine Jaden eben mitkommen – was ihm jedoch außerordentlich gut gefällt.

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