Schauspielerin

Pheline Roggan erkundet für Dreharbeiten Berlins Nachtleben

Pheline Roggan steht für „How to disappear completely“ vor der Kamera. In dem Film durchleben zwei Frauen eine Nacht in Berlin. Privat kann die Schauspielerin nur wenig mit Berghain und Co. anfangen.

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Pheline Roggan sieht ein wenig müde aus. Als sie um 16 Uhr im Café nahe dem Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg erscheint, ist sie frisch geduscht, die langen, blonden Haare sind noch ein wenig nass in den Spitzen, das Outfit ist schlicht. Ein weißes Top, ein schwarzer Rock. „Ich bin gerade erst aufgestanden“, sagt die Schauspielerin und lächelt. „Seit gut zwei Wochen ist mein Rhythmus total auf den Kopf gestellt.“

Seit dem 12. Juli finden in Berlin die Dreharbeiten der Arthouse-Produktion „How to disappeare completely“ des polnischen Regisseurs Przemek Wojcieszek statt. In dem Film durchleben zwei Frauen gemeinsam eine Nacht in der Hauptstadt. Deshalb finden auch alle Dreharbeiten nachts statt. Das bedeutet: Ausnahmezustand für alle Beteiligten.

Roggan ist ein Nachtmensch

Lange aufzubleiben und auch mal bis in den Vormittag hinein zu schlafen ist für die Schauspielerin, die sich als „Nachtmensch“ bezeichnet, eigentlich nichts Neues. Doch so extrem verschoben sei ihr Tagesrhythmus noch nie gewesen. „Mittlerweile sind wir in unsere eigene Welt abgetaucht. Wenn man arbeitet, wenn andere schlafen – in meinem Fall zwischen 20 Uhr und neun Uhr morgens –, dann bekommt man um sich herum wenig mit.“

Pheline Roggan übernimmt im Film die Rolle der Caroline. Eine Altenpflegerin, die „viel feiert und ihre Sorgen damit verdrängt“, wie die Schauspielerin erklärt. Sie trifft auf Olga, eine verheiratete Polin, die zwischen zwei Flügen in Berlin gestrandet ist. Gemeinsam tauchen sie ins Berliner Nachtleben ab. Keine fremde Umgebung für Pheline Roggan, die zwar in Hamburg zu Hause ist, jedoch zwei bis drei Mal pro Monat Berlin besucht und mit Freunden ihre Abende verlebt. Doch das typische Berliner Nachtleben, das Touristen aus aller Welt anlockt, ist nichts für die Schauspielerin. Sie gehe lieber in schöne Restaurants und Bars, lande nur selten in einem Klub, sagt sie.

„Berghain ist nichts für mich“

„Irgendwann habe ich gemerkt, dass das ‚Berghain‘ oder das ‚Kater Holzig‘ nichts für mich sind“, sagt sie. „Ich sehe es nicht ein, irgendwo über eine Stunde anzustehen, um in einen Klub zu kommen. Das ist nicht wirklich meine Welt.“ Bestätigt fühlt sich die junge Frau darin auch durch die Erfahrungen, die sie momentan während der Dreharbeiten macht. Die meisten Schauplätze des Films befinden sich in Friedrichshain, Kreuzberg und Mitte. An der U-Bahn-Station Mendelssohn-Bartholdy-Park nimmt Caroline zum ersten Mal ihre Verfolgerin in Person von Olga wahr. Gedreht wurde an der Warschauer Straße, in „Clärchens Ballhaus“ und dem „Café Burger“ in Mitte so wie auf dem alten Flugfeld Tempelhof.

Der Regisseur benutzt keine Kulissen. Stattdessen werden die Szenen in der Öffentlichkeit – auf Straßen, in Bahnhöfen, in Klubs – gedreht. Przemek Wojcieszek habe den Anspruch, ein reales Bild des Berliner Nachtlebens abzubilden, sagt Pheline Roggan. Deshalb gebe es auch keine Komparsen. Logisch, dass nicht immer nur sympathische Menschen dabei seien, meint sie.

Um 17.30 Uhr ist noch Vormittag

„Wenn man nüchtern ist und arbeitet, während andere um dich herum feiern, ist es schon traurig, was manche Leute in betrunkenem oder vollgedröhntem Zustand veranstalten.“

Erfahrungen, die für die Schauspielerin prägend sind – aber auch den Reiz ausmachen, an einem solchen Projekt teilzunehmen, wie sie sagt. „Das Drehen eines solchen Films erinnert an Theaterspielen im echten Leben, nur dass die Bühne durchsichtig ist.“ Mittlerweile ist es 17.30 Uhr. Pheline Roggan muss los, ihr Arbeitstag beginnt bald. Für sie ist es noch Vormittag.