Ausstellung

Museum für Kommunikation zeigt die Geschichte der Zeit

In dem Museum in Berlin-Mitte startet die Ausstellung „Tempo, Tempo!" Die Sonderschau beleuchtet das Phänomen der fortschreitenden Beschleunigung mit 250 Alltags-Exponaten aus mehreren Jahrhunderten.

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Eine große Sanduhr steht im zweiten Obergeschoss des Museums für Kommunikation in Berlin. Das Symbol für die Vergänglichkeit und Endlichkeit des Lebens. Hier, an diesem Standort, soll sie Besucher empfangen. Und in die Ausstellung über die Geschichte der Beschleunigung einführen.

Im Museum für Kommunikation wird das Phänomen der fortschreitenden Beschleunigung ab diesem Freitag in einer Sonderschau beleuchtet. Vom 12. April bis einschließlich 1. September dieses Jahres werden 250 Alltags-Exponate aus mehreren Jahrhunderten gezeigt.

Unter dem Motto „Tempo Tempo!“ mündet dies schließlich in die zentrale Frage: Warum haben wir heute immer weniger Zeit, obwohl wir, rein rechnerisch, eigentlich mehr Freizeit haben müssten?

Von der Post über die Eisenbahn zu SMS und Mail

Verteilt auf drei Räume mit einer Fläche von rund 500 Quadratmetern führen die Exponate durch die Beschleunigungsgeschichte der Menschheit. Von der Einrichtung einer öffentlichen Post um 1500 über die Entwicklung der Eisenbahn im frühen 19. Jahrhundert bis zu Handy, Laptop und Internet zeigt die Ausstellung, wie sich unser Leben in den letzten Jahrhunderten unter dem Diktat der Beschleunigung verändert hat.

„Wir betrachten das Thema ‚Zeit‘ nicht im philosophischen oder physikalischen Sinne, sondern historisch. Und gehen der Frage nach, unter welchen sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen sich das Zeitbewusstsein und die Zeitordnungen geändert haben“, sagt Lieselotte Kugler, Direktorin des Museums für Kommunikation Berlin.

„Immer schneller“ ist das Thema des ersten Raumes der Ausstellung. Nicht nur die Beschleunigung der Verkehrsmittel wie der Eisenbahn, dem Auto oder dem Schiff, ist hier auf Infowänden mit vielseitigem Bildmaterial zu entdecken. Auch Alltagsgegenstände, wie ein einfacher Kugelschreiber, Reißverschluss oder Teebeutel, sind zu sehen.

Ausstellungsräume „Zeit ist Geld“ und „Always on“

Der zweite Ausstellungsbereich, „Zeit ist Geld“, soll verdeutlichen, welcher Wirtschaftsfaktor Zeit sein kann und immer mehr Lebensbereiche durchdringt. „Der ständige Wunsch, Zeit sparen zu wollen, begeisterte die Menschen schon sehr früh und motivierte sie zu Erfindungen wie die der Kaffeemaschine“, sagt Klaus Beyrer, Kurator vom Museum für Kommunikation Frankfurt. „Wir sind natürlich auch fasziniert von dem Rausch der Geschwindigkeit, immer schnelleren Autos und 100-Meter-Läufern, die den Weltrekord wieder und wieder brechen.“

Unter dem Motto „Always on“ steht der dritte Raum der Ausstellung, in dem es um den Mensch als Zeitmanager geht. Durch elektrisches Licht sei man nicht mehr an den Tag-Nacht-Rhythmus gebunden und durch die Entwicklung der Mobiltelefone könne man sich vom Raum lösen.

„Wir sind ‚always on’ durch die Kultur der ständigen Erreichbarkeit, die Vor- und Nachteile mit sich bringt“, sagt Katrin Petersen, Kuratorin vom Museum für Kommunikation in Frankfurt.

Antworten auf Fragen zur Zeit finden

Weiter geht es mit Beruhigungstee oder Koffeintabletten als Exponate. Die Produkte sollen den heutigen Zeitgeist symbolisieren, in dem Leistung selbst gesteuert werden können soll. Dank Internet und Mobiltelefon lasse sich immer und überall auf Informationen und Waren zugreifen, doch könne nicht jeder mit dieser Nachrichtenflut umgehen.

„Statistisch gesehen haben wir immer mehr Freizeit, doch durch die ständige Beschleunigung in unserem Leben wird die freie Zeit wieder unter einen Rationalisierungsdruck gesetzt, weil wir sie möglichst effizient nutzen wollen“, sagt Katrin Petersen.

Mit einer Filmcollage, die alle Themen der Ausstellung noch einmal aufgreift, endet diese. Ganz am Schluss bietet ein Raum noch die Möglichkeit, sich Gedanken über seine eigene Zeit zu machen. In Bücher können Antworten auf Fragen wie „Was sind meine größten Zeitfresser?“ oder „Wer bestimmt meine Zeit?“ notiert werden.

„Wenn man sich Zeit nimmt, sich über seine Zeit Gedanken zu machen, geht man bewusster mit Zeit um“, sagt Katrin Petersen. Auch wenn die Ausstellung kein Ratgeber für Zeitmanagement ist, will sie zu einem bewussteren Umgang mit Zeit anregen. Das Museum für Kommunikation Berlin bietet zu dieser Ausstellung ein Begleitprogramm für Schüler aller Altersklassen und Erwachsene an sowie Workshops und Ferienprogramme.