Stasiopfer-Gedenkstätte

Knabe zu Vorwürfen: Kein Klima der Angst, kein Mobbing

Nach seiner Entlassung als Chef der Gedenkstätte verteidigt sich Hubertus Knabe und spricht verklausuliert von juristischen Schritten.

Hubertus Knabe vor einer Zelle im Untergeschoss der Stasiopfer-Gedenkstätte

Hubertus Knabe vor einer Zelle im Untergeschoss der Stasiopfer-Gedenkstätte

Foto: imago stock / imago/Christian Schroth

Berlin. In einem langen Tweet auf seiner Twitter-Seite hat sich der geschasste Chef der Stasiopfer Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, gegen Vorwürfe verteidigt. Er verfolge die aktuelle Berichterstattung über die Gedenkstätte „mit großem Bedauern“, schrieb Knabe in einem am Dienstagmorgen veröffentlichten Tweet. Die Berichterstattung beschädige das Anliegen der Aufarbeitung der SED-Diktatur, so Knabe weiter.

Knabe war vorgeworfen worden, nicht entschieden genug gegen die sexuelle Belästigung von Frauen durch seinen Stellvertreter vorgegangen zu sein. Der Stiftungsrat hatte den Direktor deshalb Ende September einstimmig von seinen Aufgaben entbunden.

In dem Tweet von Dienstagvormittag erklärt Knabe: „Ich selbst habe meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer fair und respektvoll behandelt.“ Vorwürfe, in Hohenschönhausen habe „ein Klima der Angst und des Mobbing geherrscht“, nennt Knabe „falsch“.

Verklausuliert juristische Schritte gegen Entlassung angekündigt

Aus Respekt gegenüber dem Auftrag der Gedenkstätte und den Persönlichkeitsrechten der Beteiligten wolle er sich öffentlich nicht weiter äußern, schrieb Knabe. „Da ich mich immer mit Leidenschaft für den Rechtsstaat eingesetzt habe, vertraue ich auch jetzt darauf, dass er der richtige Adressat ist, um die Geschehnisse politisch und juristisch aufzuarbeiten“, heißt es in dem Tweet weiter. Die Formulierung deutet darauf hin, dass Knabe rechtliche Schritte gegen seine Entlassung eingeleitet haben könnte. Eine Anfrage der Berliner Morgenpost ließ Knabe unbeantwortet. Bis auf den Tweet hat sich der ehemalige Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte in den vergangenen Tagen öffentlich nicht zu der Angelegenheit eingelassen.

Vorwürfe, Knabe sei einer Intrige zum Opfer gefallen, hatten Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) zuletzt zurückgewiesen. „Alle Mutmaßungen, hinter der Kündigung des Direktors stünden parteipolitische oder ideologische Erwägungen, entbehren jeder Grundlage“, heißt es in einem der dpa vorliegenden Informationspapier von Grütters für Bundestagsabgeordnete. Mehrere ostdeutsche CDU-Bundestagsabgeordnete hatten den Umgang mit Knabe kritisiert. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Arnold Vaatz forderte in einem Brief von Monika Grütters genaue Angaben zu den Vorwürfen gegen Knabe. Sollten keine "triftigeren Gründe als die bisher öffentlich bekannten" vorliegen, sei die Entlassung ein "irreparabler Rückschlag für die Aufarbeitung der DDR-Geschichte", schrieb Vaatz.

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