Die Stasiopfer-Gedenkstätte in Hohenschönhausen ist eine anerkannte und sehr gut besuchte Institution. Zu diesem Ruf hat wesentlich ihr Direktor Hubertus Knabe beigetragen. Entsprechend einflussreich ist er, kann sich großer Unterstützung der CDU und der SED-Opferverbände sicher sein. Doch nun muss er gehen, weil gegen seinen Stellvertreter wiederholt Vorwürfe wegen sexueller Belästigung von Mitarbeiterinnen erhoben wurden.

Es wird viel Kritik geben an diesem Beschluss des Stiftungsrates der Gedenkstätte. Doch er ist einstimmig gefallen, es ist keine einsame Entscheidung des Kultursenators der Linken, Klaus Lederer. Hubertus Knabe ist nicht von einem politischen Kontrahenten um sein Lebenswerk gebracht worden, er hat diese Aufgabe selbst erledigt. Unter seiner Führung hat sich die Gedenkstätte mit guter Arbeit und gegen viele Anfeindungen ein Renommee über Berlins Grenzen hinaus erworben.

Unter seiner Führung hat dort aber offenbar auch ein Klima des tief greifenden, die Rede ist von strukturellem, Sexismus beherrscht. Seit 2016 äußerten Mitarbeiterinnen immer wieder entsprechende Vorwürfe. Selbst der Anwalt des stellvertretenden Direktors räumte ein, sie seien „zum Teil wirklich berechtigt“. Der Brief der Frauen vom Juni dieses Jahres legt nahe, dass das Betriebsklima nicht besser wurde, im Gegenteil. Führungsversagen.

Es lag nicht am linken Lager

Dem Stiftungsrat nun vorzuwerfen, er habe einen willkommenen Anlass gesucht, um einen im linken Lager unbeliebten Direktor abzusägen, greift daneben. Dagegen spricht die Zusammensetzung des Gremiums. Dass Klaus Lederer dem bisherigen Direktor keine Träne nachweinen wird, steht auf einem anderen Blatt. Knabe hatte nach der Abgeordnetenhauswahl 2016 scharf kritisiert, dass die Linke das Kulturressort bekommt. Lederer war so klug, nicht zurückzukeilen. Doch das ist zweitrangig. Jetzt muss es um Aufarbeitung des Geschehenen und einen Kulturwandel in der Gedenkstätte gehen. Und darum, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Keine leichte Aufgabe.

Mehr zum Thema: