Der Bergmannkiez in Friedrichshain-Kreuzberg war in der Vergangenheit eher als durchgentrifiziertes Viertel mit regem Nachtleben, Touristenströmen und astronomischen Quadratmeterpreisen bekannt. Ein Verbrechen wie in der Nacht zu Mittwoch ist bislang die Ausnahme. Unmittelbar an der Gneisenaustraße wurde auf einen 31 Jahre alten Mann geschossen. Er starb trotz Reanimationsmaßnahmen auf dem Weg ins Krankenhaus.
Die Staatsanwaltschaft hält die Informationen knapp. Demnach gerieten ein 31-jähriger Mann und dessen Bruder kurz nach Mitternacht an der Ecke Gneisenau- und Nostitzstraße mit zwei unbekannten Männern in Streit. In der Folge trafen den 31-Jährigen die letztlich tödlichen Schüsse. Der oder die Täter sind auf der Flucht, die sechste Mordkommission hat die Ermittlungen aufgenommen.
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Polizei muss Krankenhaus schützen
Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Auch ein Rettungshubschrauber wurde angefordert. Nach der Tat kamen größere Menschengruppen am Tatort und vor dem Vivantes Klinikum Neukölln an der Rudower Straße zusammen. Laut Staatsanwaltschaft waren dies Familienmitglieder. Die Polizei habe den Transport des Opfers abgesichert und von einigen der Verwandten und Bekannten die Personalien festgestellt. Zu Übergriffen oder Gewalt sei es nicht gekommen.

Eine Einsatzhundertschaft der Polizei sperrte sämtliche Zugänge zum Krankenhaus ab. Auch auf der Rampe der Rettungsstelle waren zeitweise schwerbewaffnete Polizisten im Einsatz. Eine Verbindung der Bluttat zum Clanmilieu wird derzeit untersucht.
Die Kripo ist weiterhin am Tatort
Am Morgen danach war die Kreuzberger Nostizstraße noch immer gesperrt. Beamte des Landeskriminalamtes sicherten am Tatort Spuren. An einem geparktem Wagen untersuchten sie den Boden des Fahrgestells, ein anderes Auto mit beschädigter Scheibe auf der Fahrerseite wurde abtransportiert. Daniel Gloga (43), Mitarbeiter der Tankstelle Gneisenaustraße hatte von einem Kunden gehört, es werde wohl nach Einschusslöchern oder Projektilen gesucht.

Anwohner Michael (60) berichtete, was er in der Nacht vom Tathergang mitbekommen und bereits bei der Polizei zu Protokoll gegeben hatte. Demnach hörte er in seiner Wohnung von der Straße her mehrere Schüsse, „etwa fünf bis sechs, dann einen Schrei. Erst hatte ich gedacht, es seien Silvesterknaller gewesen.“ Das Opfer lag dann aber nicht in der Nostizstraße, wo die Polizei später Markierungen und Richtungspfeile auf der Fahrbahn hinterließ, sondern etwa 20 Schritte entfernt auf einem Fahrstreifen der Gneisenaustraße. Unmittelbar vor dem 31-Jährigen stand schräg auf der Fahrbahn ein weißer Uber-Wagen.
Erinnerungen an die Nacht
Der Schauspieler Matthias Rheinheimer (42), bekannt als Social-Media-Star Rio Juhnke, der ebenfalls vor Ort war, zeigte sich Mittwochfrüh erschrocken vom nächtlichen Anblick des Niedergeschossenen und einer großen Blutlache, was bald von hinzukommenden Polizisten und Notärzten mit weißen Stoffbahnen vor Schaulustigen geblockt worden sei.

Zuvor hatten sich mehrere Menschen über das Opfer gebeugt, so Anwohner Michael, der inzwischen die Polizei verständigt hatte. Offenbar gab es Versuche, den 31-Jährigen wiederzubeleben. Es sei Arabisch gesprochen worden.
Spuren der Tat auf der Gneisenaustraße
Die Polizei rückte zu einem Großeinsatz an. Die Gneisenaustraße wurde in Richtung Südstern, von Nostiz- bis Zossener Straße, abgesperrt. Beamte trugen Maschinenpistolen, die Besatzung eines Polizeihubschraubers suchte das Umfeld nach den geflüchteten Tätern ab.

Am Mittwochvormittag war die große Blutspur bereits entfernt worden. Im Friseurgeschäft nahe dem Fundort des Opfers herrschte Bestürzung. Dass es im friedlichen Bergmannkiez, zu dem die parallel zur Bergmannstraße verlaufende Gneisenaustraße zählt, zu einem Fall derart brutaler Kriminalität kommen würde, hielten Kunden und Betreiber dort bislang für undenkbar.
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Der Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei, Benjamin Jendro, kommentierte den Fall: „Dass in Berlin Menschen leben, die bereit sind, mit Waffengewalt andere zu töten, ist nicht erst seit dieser Nacht bekannt“, sagte . „Dass der oder die Täter bei diesen gewalttätigen Auseinandersetzungen im öffentlichen Straßenland rücksichtslos auch andere gefährdet oder gefährden, wird billigend in Kauf genommen.“ Es sei zudem erschütternd, dass Polizeikräfte einmal mehr mit großem Aufgebot ein Krankenhaus schützen mussten, damit Ärzte ihren Aufgaben nachgehen können.
Immer wieder fallen offen Schüsse in Berlin
Zuletzt war es in Berlin immer wieder zu ähnlichen Schießereien gekommen. Demnach registrierte die Polizei bis August 2024 bereits 175 Fälle von Drohung mit einer Schusswaffe und 261 Fälle, in denen geschossen wurde. Die meisten Fälle gehören dabei zum Bereich der Rohheits- und Gewaltdelikte. Erst Anfang November kam es zu zwei parallelen Schussabgaben auf Menschen durch Maskierte in Kreuzberg und Mitte. Ein Mann wurde Mitte Oktober an einem Imbiss in der Amendestraße angeschossen. Die Kugel traf ihn am Fuß. Der 45-Jährige wurde in einem Krankenhaus operiert. Der Verdächtige konnte flüchten.
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Anfang Oktober wurde ein 43-Jähriger vor einem Café an der Yorckstraße in Kreuzberg von einer Kugel ins Bein getroffen. Mindestens dreimal soll aus einem Auto heraus geschossen worden sein. Rettungskräfte brachten den Mann in ein Krankenhaus, wo er operiert wurde. Anfang September wurde ein 42-jähriger Mann in Schöneberg erschossen, er starb. Zwei weitere Personen wurden bei dem Vorfall verletzt.
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