Bezahlzone in Kreuzberg

Bergmannkiez: Parkautomaten vom ersten Tag an außer Betrieb

Im Bergmannkiez startete am Freitag die erste Bezahlzone in Kreuzberg. Doch viele Apparate funktionierten nicht.

Die Parkscheinautomaten an der Bergmannstraße standen monatelang ungenutzt am Straßenrand.

Die Parkscheinautomaten an der Bergmannstraße standen monatelang ungenutzt am Straßenrand.

Foto: Daniel Schaler

Kreuzberg. Der große Tag war gekommen. Am Freitag startete im Bergmannkiez die Parkraumbewirtschaftung. Seit Oktober vergangenen Jahres mehrfach verschoben, ist sie die erste Bezahlzone in Kreuzberg. Unglücklicherweise ging es vielen Automaten so, wie jenen Menschen, die dort am Freitag parken wollten: Sie schienen nicht auf die Umstellung vorbereitet. Häufig waren die Apparate nicht in Betrieb, manche warfen eingesteckte Geldmünzen wieder aus. Andere gaben das Geld nicht wieder her.

Etwa am Marheinekeplatz. Bärbel Handke ist morgens aus Buckow gekommen, um in Kreuzberg eine Kernspintomographie vornehmen zu lassen. Nun vergeudet sie wichtige Zeit vor den blauen Parkscheinautomaten. Das Geld kommt immer wieder heraus.

Irritiert blickt sie sich um. Wer bezeugt ihr jetzt, dass der Apparat nicht korrekt in Betrieb war, sollte sie ein Knöllchen bekommen? „Ich bin darauf angewiesen, mit dem Auto herzukommen“, sagt sie. „Ich habe den Weg einmal mit der U-Bahn hinter mich gebracht. Das war nicht gut, denn ich kann ganz schlecht laufen.“

Verkehr im Kiez besser steuern

Die Einführung der Parkraumbewirtschaftungszonen 60 und 61 in der beliebten Bergmannstraße und am Viktoriapark ist einerseits eine willkommene Einnahmequelle. Andererseits sieht man im eher autokritischen und fahrradfreundlichen Rathaus Friedrichshain-Kreuzberg darin die Chance, Straßenzüge bürgerfreundlicher und sicherer zu machen.

Man verweist darauf, dass Parkgebühren Autofahrer abschrecken und diese für weniger Suchverkehr sorgen, Dauerparker wichen Kurzparkern. Zudem ist die Neuerung Teil des Konzepts einer „Begegnungszone Bergmannstraße“. Dazu gehören etwa eine Verengung der Fahrbahn, zusätzliche Fahrradständer und 15 Parklets. Am ersten Tag der Parkzone kommentiert Seniorin Handke dies knapp: „Ich finde es dumm, in einer Großstadt die Autofahrer zu verdrängen.“

Eine Frau aus Neukölln ist mit Tochter und Enkelin gekommen, um ihre Mutter zu besuchen. „Neue Parkautomaten sind nur Tricks, um mehr Geld einzunehmen“, sagt sie. Während ihre Tochter das Ticket holt – eine Stunde kostet montags bis sonnabends zwischen zehn und 17 Uhr einen Euro, danach bis 22 Uhr zwei Euro –, sagt sie, ein Umstieg auf Bus und Bahn komme für sie nicht in Betracht. „Das ist noch teurer und außerdem müsste ich wegen Bahnarbeiten derzeit auch noch Pendelverkehr in Kauf nehmen.“

Für eine Zone ist Marcel, der von einem ausgestellten Automaten zu einem funktionierenden eilt – seine Frau muss zur Schwangerschaftsuntersuchung. „Die Umstellung ist richtig“, sagt der 43-Jährige. „Das ist gut für die Innenstadt und nutzt der Gesundheit der Menschen.“ Julia Stang (38) ist ebenfalls für die Veränderung. Mit dem Auto sei sie nur gekommen, weil es ihr für eine Bahntour zu kalt ist.

Wichtige Einnahmen gingen verloren

Sibylle Neumann (56) vom Geschäft „Toko Satu“ klagt, die Parkzonen seien ein weiteres Element, wodurch „die ganze Atmosphäre hier den Bach heruntergeht.“ Nico Doehler (34) wundert sich eher, dass Parken bislang kostenlos war. Für die zwei Euro, die er vor dem Shopping in der Marheinekehalle in den Automaten steckt, bekommt er allerdings keinen Parkschein. Auch das Geld behält der Automat.

Ein Stück weiter wurde die zertrümmerte Ticketausgabe als Aschenbecher genutzt. Der Start der Parkraumzonen war eigentlich für den 1. Oktober terminiert. Das Straßen- und Grünflächenamt hatte aber falsche Schilder geordert. Der Auftrag musste zweimal ausgeschrieben werden, Lieferprobleme kamen hinzu.

Für die Kontrollen hatte der Bezirk neues Personal eingestellt. Ohne Parkzonen gab es für sie nichts zu holen. Der zuständige Stadtrat Florian Schmidt (Grüne) erklärte, dass dies für einen Ausfall von bis 835.000 Euro gesorgt habe. Darin sind fehlende Einnahmen aus dem Ticketverkauf, fehlende Bußgelder, die Programmierung der Automaten und Personalkosten enthalten.

Auf Anfrage der SPD-Fraktion hatte Schmidt in der Bezirksverordnetenversammlung unumwunden erklärt, die Verantwortung für die Pannenserie liege in seiner fachlichen Verantwortung. „Da gibt es nichts schönzureden“, so Schmidt.

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