Vorschau 2019

Das haben Berlins Bezirke im neuen Jahr vor

Bauen, entscheiden, feiern: Die Berliner Bezirke haben für das neue Jahr große Aufgaben vor sich.

Spandau: Der Reformationsplatz um die St.-Nikolai-Kirche in der Altstadt soll 2019 umgestaltet werden.

Spandau: Der Reformationsplatz um die St.-Nikolai-Kirche in der Altstadt soll 2019 umgestaltet werden.

Foto: Jessica Hanack

Berlin. Bauprojekte werden angepackt, Straßen und Schulen gebaut, Kitas eröffnet, an vielen Orten wird gefeiert: Die Bezirksreporter der Berliner Morgenpost haben zusammengetragen, was Sie im kommenden Jahr in den Bezirken erwartet. Eine Auswahl.

Charlottenburg-Wilmersdorf: Der Masterplan des Senats für neue Hochhäuser in der City West soll Ende 2019 fertig sein. Hochhäuser werden 2019 demnach vorerst keine gebaut. Beginnen wird aber endlich der Umbau der Kant-Garagen: Mehr als ein Jahr hat das Gerangel um das Konzept einer künftigen Nutzung der denkmalgeschützten Kant-Garagen in Charlottenburg gedauert. Der Bezirk hat dem Unternehmer Dirk Gädeke grünes Licht gegeben, die Kult-Immobilie an der Kantstraße 126–127 umzubauen. Angesiedelt werden sollen darin Gastronomie und Kunst. Kernstück sind aber Start-ups zur „neuen Mobilität“. Neue Milieuschutzgebiete könnte es in der City West auch geben: den Klausenerplatz-Kiez in Charlottenburg und im Wilmersdorfer Norden rund Fasanen- und Ludwigkirchplatz. Spektakulär inszeniert wird der Ernst-Reuter-Platz mit dem „Bauhaus Re use“. Alte Bauteile aus Dessau werden anlässlich des Bauhaus-Jubiläumsjahres einen gläsernen Ausstellungspavillon auf dem Ernst-Reuter-Platz bilden.

Mitte: Das neue Jahr wird beginnen, wie das alte zu Ende ging: Der Bezirk Mitte bekommt ein weiteres Milieuschutzgebiet. Nach sechs neuen Gebieten, die im Herbst 2018 in Kraft getreten sind, kommt Anfang 2019 ein weiteres hinzu: das Alexanderplatzviertel. Insgesamt wird Mitte dann über elf Bereiche verfügen, in denen die soziale Erhaltungsverordnung gilt. Hereinspaziert heißt es 2019 dagegen auf der Museumsinsel: Die James-Simon-Galerie wird Mitte des Jahres für die Besucher öffnen. Ein weiteres Museum ist es nicht, sondern ein zentrales Funktionsgebäude mit Garderoben, Ticketschalter, Café und großem Shop für die staatseigenen Museen auf der Insel. Auch ein zweites Großprojekt soll 2019 seine Türen öffnen: das Humboldt-Forum. 2019 sollen zwei Sonderschauen gezeigt werden, dazu Restaurant-, Bistro- und Shopbereiche in Betrieb gehen. Noch ist nicht sicher, ob das wirklich passiert oder sich die Bauarbeiten bis 2020 verzögern.

Reinickendorf: Das größte Ereignis in Reinickendorf dürfte die Eröffnung der neuen Einkaufsstraße Gorkistraße samt Tegel-Center und Markthalle sein. Seit knapp 1,5 Jahren sind zahlreiche Arbeiter damit beschäftigt, die alten Häuser abzureißen und neue zu errichten. Geplant sind unter anderen 100 Geschäfte auf einer circa 50.000 Quadratmeter großen Verkaufsfläche, 600 Stellplätze und eine 250 Meter lange Fußgängerzone. Ende 2019 dürfte das gröbste geschafft sein. Dann wird das Warenhaus Karstadt mit einer Fläche von 8850 Quadratmetern eröffnen.

Steglitz-Zehlendorf: Das erste große Ereignis im Bezirk ist Ende Januar die Wiedereröffnung des zeitgenössischen Ausstellungsortes „Haus am Waldsee“ in der Argentinischen Allee. Seit Sommer 2017 war das Gebäude wegen Sanierungs- und Umbauarbeiten geschlossen. Jetzt sind die Arbeiten abgeschlossen. Im Sommer erfolgt dann der Baustart für das Technologie- und Gründungszentrum „Fubic“ in der Fabeckstraße. Zunächst müssen Gebäudeteile des alten US-Militärkrankenhauses abgerissen werden. Auf dem neuen Gründungscampus in direkter Nachbarschaft zur Freien Universität werden 1000 Arbeitsplätze entstehen. Um Personal zu bekommen, will Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) Anfang des Jahres ein zentrales Bewerbungsbüro im Rathaus Zehlendorf eröffnen. Ans Netz gehen soll im Sommer die zweite touristische Fahrradstrecke – die Wannsee-Babelsberg-Route.

Pankow: Berlin begeht voraussichtlich am 8. März einen neuen Feiertag – und in Pankow verbeugen sich die Bezirkspolitiker zu diesem Anlass vor Emma Ihrer aus Niederschönhausen, die vor 100 Jahren als eine prägende Persönlichkeit beim Kampf für das Frauenwahlrecht galt. Zum Frauentag wird der Große Ratssaal im Rathaus Pankow nach ihr benannt. Voraussichtlich ab Juli 2019 wird die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) regulär in diesem Raum tagen. Der Stammsitz der an der Fröbelstraße wird zur Baustelle. Zu Änderungen an der Fröbelstraße führt vor allem die Schließung des Krankenhauses Prenzlauer Berg. Schritt für Schritt will Vivantes den Betrieb der Klinik herunterfahren und die Abteilungen ins Klinikum am Friedrichshain verlagern. „Durch den Umzug der Kliniken vom Standort Prenzlauer Berg an den Standort Friedrichshain werden keine Kapazitäten abgebaut, die medizinische Versorgung wird durch das Klinikum im Friedrichshain in hoher Qualität sicher gestellt“, betont Vivantes-Sprecherin Kristina Tschenett. Kritiker befürchten trotzdem eine Verschlechterung der Versorgung und längere Anfahrtswege.

Für das Projekt Pankower Tor wird 2019 der Bebauungsplan aufgestellt. In der ersten Jahreshälfte wird ein Workshopverfahren mit sechs Architekturbüros abgeschlossen. Eine Jury kürt den besten Entwurf und legt damit fest, welches Gesicht das neuen Quartier mit 2000 Wohnungen auf der Bahnhofsbrache an der Granitzstraße bekommt.

Spandau: Im Sommer 2019 beginnt in der Altstadt ein Großprojekt: die Umgestaltung des Reformationsplatzes rund um die St.-Nikolai-Kirche. Ziel ist es, den Platz barrierefrei, heller und einladender zu gestalten. Zwei Denkmäler sollen restauriert, ein drittes Kunstwerk aufgestellt werden. Daneben sind eine neue Rampe sowie eine bessere Beleuchtung vorgesehen. Schon im März könnte eine Vorentscheidung in Sachen Milieuschutz fallen. Dann soll eine Analyse vorliegen, für die zurzeit geprüft wird, wo Mieter von Verdrängung bedroht sind. Es bildet die Grundlage für mögliche Milieuschutz-Gebiete. Auf der Zitadelle findet erneut das „Citadel Music Festival“ statt, mit Konzerten internationaler Musiker wie ZZ Top oder Foreigner. Im dortigen Zentrum für Aktuelle Kunst bildet eine im April beginnende Ausstellung einen Höhepunkt. Bei dieser werden Meisterstücke bekannter Künstler der Leipziger Schule und Neuen Leipziger Schule gezeigt, etwa von Neo Rauch.

Treptow-Köpenick: Im kommenden Jahr freut man sich im Bezirk auf zahlreiche Jubiläen. Mit einem Festakt im Mai wird die Volkshochschule Treptow-Köpenick ihren 100. Geburtstag mit einer Dokumentation feiern. Auch das beliebte FEZ in der Wuhlheide wird 40 Jahre und möchte mit einigen Sonderveranstaltungen aufwarten. Stolz ist der Bürgermeister darauf, dass der Bezirk im Mai Gastgeber der Finanzministerkonferenz der Länder wird. Da Treptow-Köpenick rasant wächst, steht oben auf der Agenda des Bürgermeisters Oliver Igel (SPD) die Eröffnung neuer Kitas und die Sanierung von Schulen, darunter die inklusive Heide-Grundschule. 4.500.000 Euro werden investiert. Ab 25. Oktober steht das Rathaus selbst im Fokus, die Geschichte der Institution bekommt eine moderne Dauerausstellung. Übrigens beteiligen sich die Bezirksmuseen mit einem Beitrag von 1961 an der Schau „Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt“ im Ephraim-Palais.

Tempelhof-Schöneberg: Ein wichtiges Projekt ist für den Bezirk der Umbau der Alten Mälzerei in Lichtenrade. Dort soll ein kultureller und sozialer Treffpunkt geschaffen werden. Mit Bibliothek, Musikschule und Volkshochschule unter einem Dach. Der Investor Thomas Bestgen plant zudem rund 200 Wohnungen, so dass ein neues Stadtquartier entsteht. Ebenfalls vorantreiben will der Bezirk die Pläne für die Neue Mitte Tempelhof: Stadtbad, Bezirksbibliothek und Polizei sollen abgerissen und an anderer Stelle aufgebaut werden. Ab 2026 sollen dort mehr als 500 Wohnungen stehen. In Schöneberg wird das neue Quartier an der Bautzener Straße im Frühjahr fertig. An der Friedenauer Höhe nahe Innsbrucker Platz geht es los: 1500 Wohnungen werden gebaut. In Schöneberg-Nord soll spätestens im Frühjahr die Parkraumbewirtschaftung eingeführt werden. Ganz wichtig für Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD): zusätzliches Personal finden.

Friedrichshain-Kreuzberg: Der am dichtesten besiedelte Bezirk der Hauptstadt steht nach wie vor im Mittelpunkt des Berliner Baugeschehens. So muss sich zeigen, ob es gelingt, 755 Wohnungen an der Karl-Marx-Allee von einem privaten Eigentümer in den Besitz des Landes zu überführen. An der Bergmannstraße wird bis November der Umbau in eine Begegnungszone getestet – Stichwort: Parklets. Es mehren sich die Stimmen, die ein früheres Test- ende fordern, um das verdrängte Bergmannstraßenfest zurückzuholen. Für das 140 hohe „EDGE East Side Berlin“ an der Warschauer Brücke soll im er-sten Quartal ein Bauantrag gestellt werden. Auf fast 40 Etagen sollen rund 60.000 Quadratmeter Mietfläche entstehen. Ebenerdig steht die Sanierung der Großbeerenstraße zwischen Hagelberger Straße und Kreuzbergstraße, der Gubener Straße, Haasestraße sowie der Reichenberger Straße zwischen Kottbusser Tor und Erkelenzdamm an.

Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) will massive Belastung des Bezirks durch Müll und eine Verbesserung der Fahrradfreundlichkeit „unbedingt angehen“. In Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt will Herrmann mehr Autos abschleppen lassen, die auf Radwegen parken.

Lichtenberg: Das wichtigste Event im Bezirk ist die Islandpferde-WM im August. In 40 Etappen kommt dazu eine Stafette aus etwa 100 Reitern von Holland nach Deutschland. Die letzte Etappe führt vom Brandenburger Tor zur Treskowallee nach Karlshorst. Im Pferdesportpark werden vom 4. bis 11. August 300 Tiere ihr Können zeigen. Am Stefan-Heym-Platz baut die Howoge 2019 wieder ein Hochhaus. Bis 2004 stand dort schon einmal ein 18-Geschosser, der aber seinerzeit so schlecht zu vermieten war, dass sich die Wohnungsbaugesellschaft zum Rückbau entschied. Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) will unbedingt weiterkommen mit der Infrastruktur im Bezirk. Er hofft außerdem, dass der Bezirk im Sommer erneut als „familiengerechte Kommune“ anerkannt wird.

Neukölln: Lange hats gedauert, nun beginnen endlich die Arbeiten an dem Neubau der Clay-Schule im Süden von Neukölln. 1989 musste die Gesamtschule an der Lipschitzallee in der Gropiusstadt wegen Asbestbelastung und baulicher Mängel geschlossen werden. Seitdem waren die Schüler in einem temporären Ersatzbau untergebracht, der eigentlich nur für fünf Jahre herhalten sollte. Im Frühjahr 2019 soll sich endlich vorangehen: Dann ist Spatenstich für den Neubau am Neudecker Weg. Rund 59,7 Millionen Euro werdnen investiert. An der Schule, einer integrierten Sekundarschule mit gymnasialer Oberstufe, sollen dann ab 2022 rund 1100 Schüler unterrichtet werden. Übrigens: Der Neubau ist nicht nur für die Schüler der Clay-Schule ein Highlight, sondern wird für die ganze Stadt von Bedeutung sein. Das Bauprojekt ist eines von drei Pilotprojekten des Landes, bei denen besonders auf Nachhaltigkeit geachtet werden soll. Veränderungen soll es auch in der BVV geben. Mit einer Änderung der Geschäftsordnung wurde die Redezeit der Verordneten gekürzt, unerledigte Tagesordnungspunkte können direkt in die Ausschüsse verwiesen werden.

Marzahn-Hellerdorf: 2019 steht für den Bezirk ganz im Zeichen des 40-jährigen Jubiläums von Marzahn und den dazugehörigen Veranstaltungen. Höhepunkt wird das Geburtstagsfest am 15. Juni in den Gärten der Welt, bei dem das gesamte Gelände zur Festbühne wird. Anfang des kommenden Schuljahres soll zudem die in Schnellbauweise errichtete neue Mahlsdorfer Oberschule fertig sein. Allerdings plant der Senat, hier die Straße für den Autoverkehr auszubauen, um auf der Hönower Straße eine Straßenbahntrasse bauen zu können – zum Ärger des Bezirks. Die endgültige Entscheidung soll 2019 fallen. Stress auf der Straße gibt es dagegen wegen der Wuhletalbrücke, die das ganze Jahr über voll gesperrt sein wird. Der Verkehr wird an der Brücke vorbeigeleitet.

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