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Das sind die Pläne des Investors für das RAW-Gelände

Ein Investor stellt seine Pläne für das umstrittene Areal vor. Statt auf Klubgänger soll es auf Anwohner ausgerichtet werden.

Grün und sehr belebt: Beim  jetzigen Zustand ist schwer vorstellbar, dass das Gelände einmal aussehen wird wie auf den Simulationen von Investor Andreas Malich.

Grün und sehr belebt: Beim jetzigen Zustand ist schwer vorstellbar, dass das Gelände einmal aussehen wird wie auf den Simulationen von Investor Andreas Malich.

Foto: Amin Akhtar

Berlin. Einen Ort für den Kiez, einen Treffpunkt unter freiem Himmel, der zudem Geschäfte und Freizeitmöglichkeiten für den Alltag und Kultur nicht nur in den nächtlichen Partystunden bietet: Das wünschen sich die Anwohner des RAW-Geländes an der Revaler Straße in Friedrichshain. Drei Investoren gehört das Areal. Der Eigentümer des zweitgrößten Teils, International Campus GmbH (IC), stellte jetzt das Konzept für sein östlich gelegenes Segment vor. Wie viele bürgerfreundliche Komponenten davon umgesetzt werden, macht das Unternehmen aber davon abhängig, wie viel Geschossfläche und welche Nutzung dort genehmigt wird.

Leer stehende Hallen und unwegsamer Untergrund

Noch sind zwei Drittel des rund 71.000 Quadratmeter großen RAW-Geländes der Öffentlichkeit verschlossen. Ein Viertel der Gesamtfläche davon gehört der IC. Bei einer Führung waren da jetzt noch verwitterte leer stehende Hallen zu sehen, vielfach mit Graffiti bemalt, zudem ein freigelegtes Gebäudegerippe und unwegsamer Untergrund. Um hinauf zu gelangen, muss ein Wachmann das Tor aufschließen.

In dreieinhalb bis fünf Jahren jedoch soll nach Plänen der in München ansässigen Investoren nichts mehr an den verwahrlosten Zustand der Fläche erinnern, die nördlich von der Revaler Straße, östlich von der Modersohnstraße und südlich vom Gelände der Deutschen Bahn eingegrenzt wird.

Vorgesehen ist eine Mixtur bestehender und neuer Gebäude. Stephan Buddatsch vom Landschaftsplanungsbüro Topos erklärte, man wolle auch den „besonderen, roughen Charakter des RAW erhalten“. Zwei Industriehallen bleiben bestehen, ebenso eine Halle, in der sich bereits jetzt die Privatbrauerei Schalander befindet und in der es bereits Bewirtung gibt.

Platz für Veranstaltungen, Arbeiten, Handel, Gastronomie und Ärzte

Die sogenannte Halle 16 im Zen­trum des Geländes wird als Multifunktionshalle ausgebaut. Vereine, Verbände, Privatpersonen, aber auch Großunternehmen und das Bezirksamt können sich dort zukünftig für Veranstaltungen einmieten. In die angrenzende „Halle 13“ will die International Campus mit ihrer Unternehmenszen­trale einziehen. Weitere Fläche will man als Coworking-Spaces vermieten. Eine Halle aus DDR-Zeiten daneben wird abgerissen.

Das detaillierteste Foto des RAW-Geländes

Darüber hinaus will die IC drei Gebäude unterschiedlicher Dimensionen errichten. An der Revaler Straße plant sie ein neues Gebäude, das beispielsweise Handel, Arztpraxen, eine Kaffeerösterei und einen Standort der Arbeiterwohlfahrt aufnehmen soll. Letzteren vergebe man zu reduzierter Miete, so Andreas Malich, Niederlassungsleiter von International Campus und verantwortlich für das RAW-Projekt.

Bei zwei weiteren Gebäuden soll es in die Höhe gehen. In den unteren Geschossen werden etwa Gastronomie, Schule, Handwerk, Künstlerateliers angesiedelt. Laut Malich orientiere man sich am Bestand der Revaler Straße. Wünschenwert wären aber zehn Stockwerke als höchste Punkte.

Wohnungsbau wird es auf dem Areal nicht geben

Insgesamt wünscht er sich eine Geschossfläche von 45.000 bis 50.000 Quadratmetern. Das erst ermögliche eine Gegenfinanzierung jener Vorhaben, die das Gelände offener, sozialer und anwohnerfreundlicher machten. Dabei wolle man etwa der Kita eine relativ geringe Miete von acht bis zehn Euro gewähren, einen Spielplatz errichten und rund die Hälfte des Grundstücks als Freiflächen ausbauen. Um all das in seiner Gesamtheit umzusetzen, müsse sich das Projekt eben an anderer Stelle rechnen, so Malich.

Das vorgestellte Konzept ist Ergebnis des im Januar dieses Jahres begonnenen Dialogverfahrens. Eingebunden wurden etwa Vertreter von Initiativen, Investoren, Anwohnern, derzeitigen Nutzern und Politik.

Als Entwickler und Betreiber von Immobilien für Auszubildende, Studenten und Berufstätige strebte die IC an dem Standort ursprünglich Wohnungsbau an. Wohnen auf dem Kulturgelände und einstigen Standort des Reichbahnausbesserungswerkes (RAW) ist aber gegen den erklärten Willen der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg nicht machbar. Weil nicht klar ist, was die IC auf ihrem Teilstück umsetzen kann, lasse sich einem Sprecher zufolge auch die Investitionssumme nicht beziffern.

Fertigstellung bis spätestens 2023 geplant

Anfang kommenden Jahres wird das Gesamtkonzept für das RAW-Areal den Bezirksverordneten vorgestellt. Andreas Malich erwartet einen Aufstellungsbeschluss im selben Quartal. Mit einer Fertigstellung sei spätestens 2023 zu rechnen.

Der größte Investor auf dem Gelände ist die Kurth-Gruppe aus Göttingen. Ihr gehören rund 5,2 der sieben Hektar. Inmitten der Brachen hat sie inzwischen eines ihrer Bauprojekt begonnen. Für zehn Millionen Euro werden in der ehemaligen Radsatzdreherei auf drei Etagen mit insgesamt 4500 Quadratmeter Nutzfläche Räume für Mieter aus der Musikwirtschaft entstehen. Darunter ist ein Anbieter von Proberäumen und eine Musikschule. Sie sollen Anfang 2019 einziehen.

Bei der Kurth-Gruppe ist man über den bevorstehenden Abschluss des Dialogverfahrens erleichtert. Cornelius Kurth sagte, nach dreieinhalb Jahren brauche man als Eigentümer endlich Planungssicherheit.

Rückblick:

Das Reichsbahnausbesserungswerk, kurz RAW, ging 1867 in Betrieb. In unterschiedlichen Abteilungen wurden dort Lokomotiven sowie Personen- und Güterwagen gewartet. In der DDR firmierte es als „RAW Franz Stenzer“. Nach dem Mauerfall etablierte sich die Industriebrache als Partylocation sowie als Ort einer jungen Sport- und Freizeitszene. Viele Anwohner sind mit der derzeitigen Nutzung unzufrieden, nicht zuletzt wegen Drogenhandels und zahlreicher Gewalttaten. Inzwischen gibt es drei Eigentümer. Im Rahmen eines Planungs- und Dialogverfahrens wird voraussichtlich bis Jahresende über die zukünftige Bebauung des Geländes beraten.

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