Partygelände

Ein neues RAW-Gelände nicht nur für Partygänger

Die Umgestaltung des Party-Areals könnte viel für Anwohner und die ganze Stadt bieten - aber das muss sich für den Investor rechnen.

Vorher, nachher: Andreas Malich von Investor International Campus zeigt einen Ausschnitt der Pläne für das RAW-Gelände.

Vorher, nachher: Andreas Malich von Investor International Campus zeigt einen Ausschnitt der Pläne für das RAW-Gelände.

Friedrichshain-Kreuzberg. Einen Ort für den Kiez, einen Treffpunkt unter freiem Himmel, der zudem Geschäfte und Freizeitmöglichkeiten für den Alltag und Kultur nicht nur in den nächtlichen Partystunden bietet: Das wünschen sich die Anwohner des RAW-Geländes an der Revaler Straße in Friedrichshain. Drei Investoren gehört das Areal. Der Eigentümer des zweitgrößten Teils, International Campus GmbH (IC), stellte am Mittwoch sein Konzept für sein östlich gelegenes Segment vor. Wieviele bürgerfreundliche Komponenten davon umgesetzt werden, macht das Unternehmen aber davon abhängig, wieviel Geschossfläche und welche Nutzung dort genehmigt wird.


Noch sind zwei Drittel des rund 71.000 Quadratmeter großen RAW-Geländes der Öffentlichkeit verschlossen. Ein Viertel davon gehört der IC. Bei einer Führung waren da am Mittwoch verwitterte leerstehende Hallen zu sehen, vielfach mit Graffiti bemalt, zudem ein freigelegtes Gebäude-Gerippe und unwegsamer Untergrund. Um hinaufzugelangen, muss ein Wachmann das Tor aufschließen.


In dreieinhalb bis fünf Jahren soll nach Plänen der in München ansässigen Investoren nichts mehr an den verwahrlosten Zustand des Gebiets erinnern, das nördlich von der Revaler Straße, östlich von der Modersohnstraße und südlich vom Gelände der Deutschen Bahn eingegrenzt wird. Vorgesehen ist eine Mixtur bestehender und neuer Gebäude. Stephan Buddasch vom Landschaftsplanungsbüro Topos erklärte, man wolle auch den „besonderen, roughen Charakter des RAW erhalten“. Zwei Industriehallen bleiben bestehen, ebenso eine Halle, in der sich bereits jetzt die Privatbrauerei Schalander befindet.


Die sogenannte „Halle 16“ im Zentrum des Geländes wird als Multifunktionshalle ausgebaut. Vereine, Verbände, Privatpersonen aber auch Großunternehmen und das Bezirksamt können sich dort für Veranstaltungen einmieten. In die angrenzende „Halle 13“ will die IC mit ihrer Unternehmenszentrale einziehen. Weitere Fläche will man als Co-Working-Space vermieten. Eine Halle aus DDR-Zeiten wird abgerissen.


Darüberhinaus will die IC drei Gebäude unterschiedlicher Dimensionen errichten. An der Revaler Straße plant sie ein neues Gebäude das beispielsweise Handel, Arztpraxen, eine Kaffeerösterei und einen Standort der Arbeiterwohlfahrt aufnehmen soll, Letzteren zu reduzierter Miete, so Andreas Malich, Niederlassungsleiter von International Campus und verantwortlich für das RAW-Projekt.


Bei zwei weiteren Gebäuden soll es in die Höhe gehen. In den unteren Geschossen werden etwa Gastronomie, Schule, Handwerk, Künstlerateliers angesiedelt. Laut Malich orientiere man sich am Bestand der Revaler Straße. Wünschenwert wären aber zehn Stockwerke als höchste Punkte. Insgesamt wünscht er sich eine Geschossfläche von 45.000 bis 50.000 Quadratmetern. Das erst ermögliche eine Gegenfinanzierung jener Vorhaben, die das Gelände offener, sozialer und anwohnerfreundlicher machten. Dabei wolle man etwa der Kita eine relativ geringe Miete von acht bis zehn Euro gewähren, einen Spielplatz errichten und rund die Hälfte der Grundstücks als Freiflächen ausbauen. Um all das in seiner Gesamtheit umzusetzen, müsse sich das Projekt eben an anderer Stelle rechnen, so Malich.

Dialogverfahren führte zum Konzept


Das vorgestellte Konzept ist Ergebnis des im Januar dieses Jahres begonnenen Dialogverfahrens. Eingebunden wurden etwa Vertreter von Initiativen, Investoren, Anwohnern, derzeitigen Nutzern und Politik. Als Entwickler und Betreiber von Immobilien für Auszubildende, Studenten und Berufstätige strebte die IC an dem Standort ursprünglich Wohnungsbau an. Wohnen auf dem Kulturgelände und einstigem Standort des Reichbahnausbesserungswerks (RAW) ist aber gegen den erklärten Willen der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg nicht machbar. Weil nicht klar ist, was die IC auf ihrem Teilstück umsetzen kann, lasse sich einem Sprecher zufolge auch die Investitionssumme nicht beziffern.


Anfang kommenden Jahres wird das Gesamtkonzept für das RAW-Areal den Bezirksverordneten vorgestellt. Andreas Malich erwartet einen Aufstellungsbeschluss im selben Quartal. Mit einer Fertigstellung sei spätestens 2023 zu rechnen.

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